"Das Beste aus zwei Welten"

Die NBA ist heiß auf Elias Harris

Von Haruka Gruber
Donnerstag, 07.01.2010 | 15:54 Uhr
Dunk it like Elias: Unter dem Korb ist Elias Harris kaum zu stoppen. Sein Schnitt: 13,9 Punkte
© Getty
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Nach grandiosen Leistungen am College steht Elias Harris kurz vor dem Sprung in die NBA. Bundestrainer Dirk Bauermann ist begeistert - und macht sich dennoch Sorgen...

Dass Elias Harris ein etwas anderer College-Neuling ist, erkannten seine Teamkollegen an der Gonzaga University recht schnell.

"Als Elias erstmals unsere Wohnungen gesehen hatte, war er wirklich entsetzt. Klar, immerhin ist alles in seinem Zimmer im Studentenwohnheim perfekt aufgeräumt", erzählt Mitspieler Steven Gray lachend, wenn er auf die Eigenheit des derzeit besten deutschen Nachwuchsbasketballers angesprochen wird.

Harris mag es eben geordnet und sortiert, so wie er es aus seiner Heimatstadt Speyer kennt. Der 50.000 Einwohner zählende Ort in Rheinland-Pfalz war 20 Jahre sein Lebensmittelpunkt, bis Harris im letzten Sommer nach der EM den Schritt in die USA wagte - und innerhalb von wenigen Wochen zum Shootingstar des College-Basketballs avancierte.

Auf dem Weg in die Top 10

In den Staaten noch vor Beginn der NCAA-Saison ein Unbekannter, überraschte Harris die Scouts mit teils sensationellen Leistungen und gehört mittlerweile zu einem der sicheren Kandidaten bei den NBA-Drafts in diesem Jahr.

Das angesehene "ESPN"-Ranking führt ihn bereits auf Rang 16 der hoffnungsvollsten Talente mit NBA-Perspektive. "Niemand hat damit gerechtet, dass er ein hoher Draft-Pick sein wird. Im April könnte er aber schon in den Top 10 sein. Einen derart schnellen Aufstieg legt derzeit nur Harris hin", sagt College-Guru Chad Ford.

Obwohl erst im ersten Jahr an der renommierten Gonzaga-Uni, erhält Harris von seinem Coach Mark Few knapp 28 Einsatz-Minuten, in denen er für 13,9 Punkte und den teamintern besten Wert von 7,6 Rebounds verantwortlich zeichnet.

Gamewinner gegen Illinois

Am vergangenen Wochenende krönte der 20-Jährige seine herausragende Leistung (19 Punkte, 16 Rebounds) beim 85:83-Erfolg nach Verlängerung gegen Illinois mit dem Gamewinner 12 Sekunden vor Schluss. Insgesamt erzielte er in 7 der 14 Partien mindestens 15 Zähler. Die beeindruckende Bilanz von Gonzaga: 11-3.

Seit Dirk Nowitzki sorgte kein deutscher Basketballer für derart viel Wirbel wie Harris, dem die Uni-Zeitung "Gonzaga Bulletin" sogar eine Überschrift in Deutsch widmete: "Passt auf! Harris ist angekommen!"

Obwohl er zuvor nur in der Pro B (dritte Liga) für BIS Baskets Speyer aktiv war und während der EM noch sichtbar nervös nicht über gute Ansätze hinauskam, gewöhnte sich Harris in einer bemerkenswert schnellen Zeit an die hohen Anforderungen des College-Basketballs.

Selbst Bauermann ist verblüfft

Dass seine Athletik und sein Arbeitseifer außerordentlich sind, war bekannt. Doch die Art und Weise, wie er verbissen um jeden Rebound kämpft, sich am gegnerischen Korb gegen wesentlich größere Center durchsetzt, gleichzeitig aber in brenzligen Situationen nicht den Kopf verliert und nur selten unnötig den Ball verliert, erstaunt jeden. Auch den Bundestrainer.

"Mir war klar, dass Elias ein ungeschliffener Rohdiamant ist. Und dass solche noch nicht ganz fertigen Basketballer häufig explodieren, wenn sie nach relativ langer Zeit einen kleineren Klub verlassen und in ein leistungssportlich orientiertes Umfeld wie bei Gonzaga kommen, wo die Trainingsintensität und -umfänge deutlich höher sind", sagt Dirk Bauermann gegenüber SPOX.

"Aber die Art und Weise, wie er sich am College trotz kurzer Eingewöhnungsphase wegen der EM durchgesetzt hat, war nicht zu erwarten. Es zeigt, wie viel Talent in Elias steckt."

Die perfekte Kombination

Geboren und aufgewachsen in Speyer, zeichnete sich früh ab, dass Harris die körperlichen Anlagen seines Vaters Mike geerbt hat. Mike Harris kam mit der US-Armee nach Deutschland und spielte ebenfalls für Speyer Basketball. Als jedoch die Ehe mit Elias' Mutter Svenja in die Brüche ging, zog er zurück in die USA.

Sein Sohn jedoch hielt weiter am Basketball fest und entwickelte sich stetig zu einem der größten Hoffnungsträger Deutschlands. In der vergangenen Saison erzielte er für Speyer in der Pro B  20,5 Punkte und griff sich 8,7 Rebounds ab, zudem wusste er trotz schwachen Auftretens der U-20-Nationalmannschaft bei der EM 2009 derart zu gefallen, dass er von Bauermann für die EM der Senioren im selben Jahr nominiert wurde.

"Elias verkörpert das Beste aus zwei Welten. Er bekam von seinem Vater die unglaubliche Athletik in die Wiege gelegt, gleichzeitig hat er in Speyer und in den U-Nationalmannschaften die europäische Spielkultur aufgesogen. Trotz seiner Energie bewahrt er die Übersicht und verteidigt mit Hingabe", sagt der DBB-Coach.

Zufällig entdeckt

Und doch sahen nur die Wenigsten Harris' wahres Potenzial. Wenn in der Öffentlichkeit über den nächsten deutschen NBA-Spieler gesprochen wurde, fielen bis zuletzt Namen wie Tim Ohlbrecht, Tibor Pleiß oder Robin Benzing. Drittliga-Spieler Harris hingegen wurde verkannt - selbst von den BBL-Klubs, die sich nicht besonders um ihn bemühten.

Dass Harris schlussendlich bei Gonzaga landete, war demnach mehr Zufall als Produkt eines langjährigen Scoutings. Gonzaga-Co-Trainer Tommy Lloyd, der 1999 in Deutschland aktiv war, bekam von seinem Freund Thorsten Daum, Trainer in Heidelberg, den Tipp, sich Harris doch mal anzusehen.

Lloyd reiste zweimal nach Speyer, beobachtete Harris, ging mit seiner Familie essen - und baute so ein Vertrauensverhältnis auf.  "In Deutschland gibt es das Problem, dass junge Spieler keine Einsatzzeiten und kein Vertrauen von den Trainern bekommen. Sie setzen lieber auf erfahrene Ausländer. Bei Tommy hatte ich aber vom ersten Moment an ein gutes Gefühl", erklärt Harris.

"Grundsätzlich ist es mir lieber, wenn deutsche Spieler auch in Deutschland ausgebildet werden, aber Gonzaga ist eine ideale Alternative", sagt auch Bauermann, der sich mit dem Trainerteam bei Gonzaga abspricht, an welchen Aspekten des Basketballs Harris besonders intensiv trainieren muss.

Vergleich mit Shawn Marion

Die größte Herausforderung für Harris: Trotz 2,01 Meter Größe wurde er kraft seiner Sprungkraft und Explosivität seine Karriere über als Power Forward oder Center eingesetzt und hat dementsprechend mehr am Spiel unter dem Korb als am Spiel weg vom Korb gefeilt.

Wegen der für einen NBA-Profi überschaubaren Größe liegt seine Zukunft jedoch auf der Small-Forward-Position. Harris muss demnach lernen, eher aus der Mittel- und Dreierdistanz den Abschluss zu suchen, statt hauptsächlich in der Zone zu agieren.

Daher nutzt Harris die freien Stunden dazu, in die Halle zu gehen und gezielt an seinem bisher unbeständigen Wurf zu arbeiten. "Das Wichtigste für seine Entwicklung ist es, wann immer es geht zu werfen, werfen, werfen", sagt Bauermann. Offenbar mit Erfolg, immerhin ist sein Schuss kein Schandfleck mehr.

In den letzten fünf Partien traf Harris 7 von 10 Dreiern und die Quote von Downtown über die Saison gesehen beträgt starke 45,0 Prozent. Aufgrund der seltenen Kombination aus fast übermenschlicher Athletik und einem ordentlichen Wurf vergleicht ihn "ESPN" mittlerweile mit Shawn Marion, dem viermaligen All-Star von den Dallas Mavericks.

Die Drafts 2010 oder 2011?

Nichts scheint derzeit dagegen zu sprechen, dass sich Harris bereits nach einem Jahr College für die NBA-Drafts anmeldet. "Erstmal geht es darum, den Schuss zu verbessern und stabiler in den Leistungen zu werden. Aber theoretisch ist es denkbar, dass er bei den Drafts 2010 dabei ist. Die NBA ist das erklärte Ziel", sagt sein Stiefvater Clemens Ruf, der Harris beratend zur Seite steht.

Bauermann hingegen ist etwas vorsichtiger. "Es ist toll, dass wir mittlerweile nicht nur Dirk Nowitzki haben. Und ich habe auch keine Angst, dass Elias den Boden unter den Füßen verliert, dafür ist er zu geerdet", sagt der Bundestrainer.

"Dennoch wäre es nicht schlecht, etwas länger am College zu bleiben, um sein Spiel weiter zu perfektionieren. Sonst wird er vielleicht gedraftet, schnuppert jedoch nur an der NBA und muss nach ein, zwei Jahren zurück nach Europa."

Bauermann im SPOX-Interview: "Harris hat bombastisch eingeschlagen"

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