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Roy Halladay im Porträt

What's up, Doc?

Von Hansjürgen Mai
Donnerstag, 27.08.2009 | 16:31 Uhr
Roy "Doc" Halladay gewann in seiner Karriere bislang 144 Spiele
© Getty
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Er ist ein Ass auf dem Mound und ein Spaßvogel im Clubhouse. Die Rede ist von Roy "Doc" Halladay. Der Pitcher der Toronto Blue Jays lebt seinen "American Dream" in der größten Stadt Kanadas.

Es war der 7. Juni 2009. Halladay hatte gerade ein Complete Game gegen die Kansas City Royals gepitcht und seinen zehnten Saisonsieg eingefahren.

Nach dem Spiel ging er in den Presseraum im Rogers Centre und beantwortete Fragen - von nicht anwesenden Journalisten. Ja, richtig gelesen, der Raum war komplett leer. "Ich fühle mich ziemlich gut und hoffe, dass es jetzt so weitergeht", sagte Halladay in Richtung der aufgestapelten Stühle.

"Doc, haben Sie das Gefühl, dass Ihr eindrucksvoller Saisonstart zu wenig Beachtung fand?", fragte sich der 32-Jährige selbst und imitierte dabei die tiefe Stimme eines stadtbekannten Reporters des "Toronto Star", bevor er sich selbst die Antwort gab, dass er keine Lobeshymnen für das 43. Complete Game, den 141. Sieg und die 1375 Strikeouts in seiner Karriere erwarte.

Nachdem logischerweise keine weiteren Fragen folgten stand Halladay, der 2003 den Cy-Young-Award für den besten Pitcher in der American League erhielt, auf und verschwand in den Katakomben des Stadions.

Halladays Gipsfuß-Spaß

Nie hätte sich der kleine Harry Leroy Halladay III aus Denver gedacht, dass sich einmal die komplette MLB um ihn reißen wird. Halladay, der während seiner Kindheit Baseball und Basketball spielte, machte schon zu seiner High-School-Zeit von sich reden.

An der Arvada West High School war er der absolute Star der Baseballmannschaft. Doch abgesehen von seinen großen sportlichen Leistungen blieb seinem damaligen Coach Jim Capra eine Szene besonders lebhaft in Erinnerung.

"Die Mannschaft und ich saßen abfahrbereit im Bus, der uns zum Meisterschafts-Halbfinale fahren sollte. Der Einzige, der fehlte, war Roy. Nach ein paar Minuten erschien er dann endlich, allerdings humpelte er und hatte einen Gipsfuß. Ich traute meinen Augen nicht, mein bester Pitcher hat sich den Fuß gebrochen. Ich war schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch, als Roy den Gips abnahm und zu grinsen begann - das Ganze war nur ein Scherz von ihm und unserem Teamarzt."

Nach dem High-School-Abschluss wurde Halladay im MLB-Draft 1995 von den Toronto Blue Jays an Nummer 17 gezogen. In den kommenden drei Jahren durchlief Halladay das Farm-System der Blue Jays.

Das verflixte Jahr 2000

In den Minor-Leagues überzeugte der Rechtshänder mit beeindruckenden Statistiken und zog die Aufmerksamkeit des damaligen Blue-Jay-Managers Tim Johnson auf sich.

Am 20. September 1998 war es letztlich soweit und Halladay gab sein Major-League-Debüt für Toronto im Spiel gegen die Tampa Bay Devil Rays (heute: Rays). Bereits im folgenden Jahr gehörte er zur Starting-Rotation der Kanadier.

Gerade als Halladay auf dem besten Weg war, sich einen Namen in der MLB zu machen, ging plötzlich gar nichts mehr. Die Saison 2000 war für den gerade einmal 23 Jahre alten Pitcher so entmutigend, dass er mit dem Gedanken spielte, vom professionellen Baseball zurückzutreten.

Nach 19 Spielen stand er bei einer 4-7-Bilanz und einem ERA von 10,64, was zugleich die Rückfahrkarte in die Minor-Leagues bedeutete. Wieder musste er lange Busfahrten machen und in billigen Motel-Zimmern übernachten.

Pitching beginnt im Kopf

Halladay hatte dadurch viel Zeit, sich über seine missliche Lage Gedanken zu machen. Er realisierte, dass Pitching mehr ist, als den Schlagmännern die Bälle um die Ohren zu pfeffern.

Viel mehr spielt sich alles im Kopf ab: "Du musst deinen Gegner lesen können, ihm genau den Pitch servieren, mit dem er am wenigsten rechnet. Das hat viel mit Psychologie zu tun", sagt Halladay.

Peu à peu arbeitete er sich in den Minors von Single-A zu Triple-AAA hoch und bereits zur Hälfte der Saison 2001 befand er sich wieder dort, wo er hingehört, auf dem Mound des Rogers Centre zu Toronto.

Cy-Young-Award 2003

Dieser Aufwärtstrend setzte sich auch in der nächsten Spielzeit fort. Der Durchbruch gelang ihm schließlich in der Saison 2003, als er den Cy-Young-Award gewann. Er stellte einen neuen Klubrekord mit 22 Siegen bei nur sieben Niederlagen auf. Seitdem gehört Doc zur Pitcher-Elite des Baseballs.

Seinen Spitznamen erhielt er übrigens vom Stadionsprecher in Toronto, Tom Cheek. Grund ist eine Ähnlichkeit zwischen Halladay und Holliday. John Henry Holliday war einer der berühmtesten Revolverhelden des Wilden Westens, dessen Spitzname ebenfalls Doc lautete. Dieser Vergleich trifft insofern zu, da Halladays Würfe die Außenkanten der Strikezone mit tödlicher Präzision treffen.

Alle wollten ihn, keiner bekam ihn

Jahr für Jahr überzeugt Halladay mit konstanten Spitzenleistungen. Trotzdem konnten sich die Blue Jays nie für die Playoffs qualifizieren. Dies liegt vor allem daran, dass man in der AL East spielt, in der wohl aktuell besten Division der MLB.

Um in naher Zukunft trotzdem wieder an alte, glorreiche Zeiten anzuknüpfen, sah Torontos General Manager J.P. Ricciardi nur eine Möglichkeit: Den besten Spieler abgeben, um möglichste viele talentierte Spieler zu erhalten.

Kurz nachdem dieses Vorhaben publik wurde, versuchten die GMs der Major-League-Klubs alles, um Doc in ihr Team zu holen. Am Ende gingen aber alle leer aus.

"Kein Team hatte uns auch nur annähernd das geboten, was wir haben wollten", erklärte Ricciardi. Denn Angebote für den sechsmaligen All-Star gab es natürlich reichlich.

Im Herzen ein Kanadier

Die Phillies, Red Sox, Yankees, Rangers und Dodgers wollten Doc haben, trotzdem blieb Halladay ein Blue Jay. Auch dieses Jahr werden in Toronto keine Playoffs gespielt, daran ändert auch ein Pitcher namens Doc nichts.

Für Halladay ist Toronto eine Herzensangelegenheit. Er hat dieser Stadt und diesem Klub alles zu verdanken und darum auch immer wieder betont, dass er bei den Blue Jays bleiben möchte. Diese Einstellung sagt viel über seinen Charakter aus.

Denn mit seinem von Gott gegebenen Talent könnte Halladay der Go-to-Guy in Baseballhochburgen wie Boston, New York oder L.A. sein und jedes Jahr um den Titel mitspielen. Man kann es auch kurz sagen: Ein Roy Halladay gehört eigentlich nicht nach Toronto. Er gehört in ein Yankees- oder Red Sox-Trikot. Früher oder später wird es so kommen.

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