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Faszination March Madness

Rödl: "Das ist wie eine Fußball-EM!"

Von Interview: Philipp Dornhegge
Donnerstag, 19.03.2009 | 17:45 Uhr
Die Fans drehen bei der March Madness regelmäßig durch
© Getty
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Das NCAA Tournament beginnt und die Amerikaner drehen durch. Wie jedes Jahr spielen die besten Unis der Staaten um den Einzug ins Final Four, wo die letzten vier Teams die College-Meisterschaft der Basketballer ausspielen.

Was für den europäischen Sportfan oft skurril erscheint, ist für den Amerikaner eine Selbstverständlichkeit: Schulsport rules! SPOX hat bei Henrik Rödl, ehemals bei den Tar Heels in North Carolina aktiv, nachgefragt, was die Faszination der March Madness ausmacht und wer in diesem Jahr die Nase vorn haben könnte.

SPOX: Herr Rödl, steigt die Vorfreude auf das Turnier?

Henrik Rödl: Na klar, ich schaue mir das Ganze im TV an und verfolge das sehr intensiv. Das erinnert einen natürlich ein bisschen an die eigene Zeit. College-Basketball ist aber für jeden Trainer interessant, weil man viele verschiedene Spielstile und -systeme sieht. Den Enthusiasmus, den die Spieler an den Tag legen und die vielen lokalen Rivalitäten zu verfolgen, das ist schon toll.

SPOX: Wen sehen Sie denn in diesem Jahr vorne?

Rödl: Das ist ja im Prinzip relativ einfach. Die Amerikaner erstellen regionale Setzlisten, und von den Teams, die auf den Top-Positionen liegen, nimmt man natürlich an, dass sie weit kommen können. Ich bin nach wie vor ein Riesen-Fan von North Carolina und hoffe, dass sie es schaffen. Die Tar Heels sind allerdings nicht unverwundbar, das hat man in dieser Saison schon gesehen. Da gibt es genügend Teams, die ebenso gute Chancen haben. Und das Schöne an der March Madness ist ja, dass viele Teams noch mal ganz anders auftreten als in der Saison, und da kann im Prinzip in einem Spiel jeder jeden schlagen. Deshalb ist das so spannend.

SPOX: Haben Sie denn die eine oder andere Überraschung auf dem Zettel?

Rödl: Das ist jetzt zwar kein Geheimtipp, aber neben North Carolina bin ich begeistert von Oklahoma. Davon abgesehen kamen die stärksten Teams in diesem Jahr aus der Big East Conference (unter anderem mit Connecticut, Pittsburgh, Syracuse und Villanova, Anm. d.Red.). Das sind alles Mannschaften, die unheimlich gut verteidigen und einen harten Basketball spielen. Die sind es natürlich auch gewohnt, regelmäßig schwere Spiele zu bestreiten, insofern könnte ich mir gut vorstellen, dass eines dieser Teams am Ende oben stehen wird.

SPOX: Sprechen wir doch mal über Ihre College-Karriere. Sie haben neben Ihrer Profikarriere bei Alba Berlin nur für North Carolina gespielt. Entsteht da eine ganz besondere Bindung?

Rödl: Natürlich, zu seiner Uni besteht doch immer eine besondere Affinität. Dazu kommt, dass meine Frau aus Chapel Hill kommt, wo die Tar Heels spielen. Ich habe sie kennengelernt, als ich dort ein Jahr an der High School war. Im Sommer sind wir regelmäßig noch dort, um ihre Familie zu besuchen.

SPOX: Wie sind Sie eigentlich damals an der Uni gelandet?

Rödl: Ich bin damals mit der High School State Champion geworden und wurde sogar zum MVP gewählt, dadurch sind erste Kontakte entstanden. Ich habe dann erst mein Abitur in Deutschland gemacht, aber danach war es für mich der nächste logische Schritt, nach North Carolina zurückzukehren.

SPOX: Was war denn Ihr Studienfach?

Rödl: Ich habe Biologie studiert, sogar mit einem ganz guten Abschluss.

SPOX: Zurück zum Sportlichen: Wenn Sie ein College-Spiel und ein BBL-Spiel vergleichen, was ist der große Unterschied?

Rödl: Die Mannschaften sind in der BBL natürlich erfahrener, kräftiger und sollten auch vom Spiel etwas mehr verstehen, aber der Enthusiasmus und die Athletik sind auch im College da. Dazu kommt, dass sich jeder einzelne drüben komplett mit seinem College identifiziert, das findet hier so nicht immer statt. Und es kommen viel mehr Leute zu den College-Spielen, da können in Deutschland nur ganz wenige Teams mithalten. Die größeren Colleges haben Hallen mit 15.000 oder sogar 20.000 Plätzen.

SPOX: Für diejenigen, die sich nicht so für den US-Sport interessieren, ist es ein Rätsel, warum die Amerikaner bei der March Madness Jahr für Jahr vollkommen ausflippen. Wie kann man das in Worte fassen, was im März dort drüben los ist?

Rödl: Das ist eigentlich ein Phänomen, das man erleben muss, um es zu verstehen. Die Amerikaner haben das mit ihrem Sport ja so hinbekommen, dass nie zur gleichen Zeit in zwei Sportarten Entscheidungen fallen. Das heißt, wenn im März die College-Meisterschaft ausgespielt wird, dann läuft zwar die reguläre Saison in der NBA und der NHL, aber es geht noch nicht um die Wurst. Deshalb schaut ganz Amerika in dieser Zeit auf die NCAA. Das Interesse ist von Europa aus gar nicht zu verstehen. Das muss man sich tatsächlich so vorstellen, wie wenn bei uns zum Beispiel eine Fußball-EM stattfindet. Durch diese Turnierform entsteht eine ungeheure Spannung, das ist wirklich eine ganz besondere Atmosphäre.

SPOX: Und sie waren 1993 selbst Teil des Ganzen, als sie mit den Tar Heels College-Meister wurden. Das Finale gegen Michigan war vielleicht eines der skurrilsten überhaupt. Wie haben Sie dieses Spiel in Erinnerung?

Rödl: Ich habe das natürlich 100.000 Mal in der Wiederholung gesehen. Definitiv eines der schönsten Erlebnisse, die man als Sportler haben kann. Wir fanden uns natürlich damals schon ziemlich gut (lacht), aber Michigan hatte die wirklich bekannten Spieler (die "Fab Five", zu der unter anderem Chris Webber, Juwan Howard und Jalen Rose gehörten, Anm. d. Red). Es war trotzdem ein spannendes Spiel bis zum Ende. Und wir lagen kurz vor Schluss vorne, als Webber plötzlich eine Auszeit nahm, die Michigan gar nicht mehr hatte. Das Spiel hätte sicher noch mal eng werden können, aber mit dem aus dieser Aktion resultierenden technischen Foul war die Partie eigentlich entschieden.

SPOX: Was war denn nach dem Titelgewinn an der Uni und in Chapel Hill los? Haben Sie lebhafte Erinnerungen an die Atmosphäre damals?

Rödl: Also in New Orleans, wo das Finale stattfand, war es schon unbeschreiblich. Da haben die Leute im Hotel auf uns gewartet, auf den Straßen kam man gar nicht mehr vorwärts, weil jeder einem die Hände drücken wollte. Als wir am nächsten Tag zurück geflogen sind, haben uns dann an die 6000 Leute erwartet und uns zugejubelt. Wir sind direkt zum Campus gefahren und da war unsere Halle voll - und die ist ja nicht klein. Jeder durfte dann was sagen und sich feiern lassen. Das waren unbeschreibliche Erlebnisse.

SPOX: Interessant ist ja, dass aber aus guten College-Spielern nicht automatisch gute NBA-Spieler werden.

Rödl: Das stimmt. Man sagt zum Beispiel Tyler Hansbrough von North Carolina nach, dass er in der NBA Probleme bekommen wird. J.J. Redick war auch ein sehr starker Spieler bei Duke, der in der NBA keine große Rolle spielt. Aber es ist eben so, dass die NBA sehr auf die 1-gegen-1-Situationen und auf die Athletik setzt. Im College steht eher das Team im Vordergrund, hier darf man auch taktisch spielen, wie man will. Da gibt es keine Illegal Defense oder sowas. Deshalb funktionieren auch Spieler, die ihre Stärken nicht im 1-gegen-1 haben. Aber die wirklich guten NBA-Spieler, die sind auch am College gut. Ein Jodie Meeks zum Beispiel, der bei Kentucky alle Punkterekorde bricht, der wird auch in der NBA gut spielen.

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