Kommentar zur Kritik an Frank Buschmanns NFL-Moderation

Fast wie Schweiger und die "Craft"

Von David Theis
Dienstag, 16.02.2016 | 19:17 Uhr
Frank Buschmann wurde für seinen NFL-Kommentar kritisiert
© imago
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Beachtliche Reichweiten, starke Marktanteile - und all das mit Sendeplätzen nach 22 Uhr und einer Sportart, die in Deutschland bislang ein Randdasein fristete. Für Frank Buschmann, Kopf des NFL-Moderatorenteams von ProSieben Maxx und Sat.1, gäbe es eigentlich keinen Grund, sich aufzuregen. Wäre da nicht die anhaltende Kritik an seiner Moderation. In einer Radioshow ließ "Buschi" sich deshalb zu einer heftigen Kollegenschelte hinreißen, die ihm im Netz alsbald Häme und Til-Schweiger-Vergleiche einbrachte. Eine Aufarbeitung.

Wirft man während der NFL-Übertragungen von ProsiebenSat.1 einen Blick in die sozialen Netzwerke, wird schnell klar: In puncto Zuschauerkritik existiert zwischen "Buschi, bester Mann!" und "Dieser Selbstdarsteller hat doch keinen Schimmer!" nur eine große Leere, wo eigentlich Sachliches stehen sollte. Das allein wäre freilich nichts Neues, sind Vorwürfe gegen vermeintlich ahnungslose Sportmoderatoren doch gefühlt so alt, wie die Menschheit selbst.

Allerdings erhielt Buschmann auch von footballerfahrenen Kollegen in den vergangenen Monaten nicht nur öffentliches Lob. Hörbar getroffen holte er deshalb jüngst im Gespräch bei Sportradio 360 zu einem Rundumschlag aus - sowohl gegen Facebook-Kommentierer als auch bekannte Football-Podcaster ("Das sind Sesselsportler!") und seine Kollegen bei Sport1US ("So wie [Football] in der Vergangenheit präsentiert wurde, wurdest du gezwungen, einzuschlafen.").

Aufmerksame Verfolger der deutschen Medienlandschaft erinnerten sich sogleich unwillkürlich an Til Schweigers Kritikerschelte und seine Ausführungen zur "Craft". Anschließend entschuldigte sich Buschmann in einer Videobotschaft aufrichtig für den "überheblichen Eindruck", den er zuvor hinterlassen habe. Seine Kritik habe die Falschen getroffen.

Zu emotional - zu wenig Fachwissen?

Der hauptsächliche Vorwurf gegen Buschmann, um dessen Moderationsstil das neue Sendeformat "ran NFL" aufgebaut ist: Er verfüge, anders als etablierte US-Kollegen, über zu wenig Hintergrundwissen, um den (komplizierten) American Football zu erklären und kaschiere das durch allzu euphorische Jubelarien nach beinahe jedem (für Footballkenner) noch so banalen Spielzug.

Zweifellos sind erfolgreiche US-Formate deutlich mehr von Statistiken und sachlichen Analysen der komplexen taktischen Zusammenhänge geprägt, von denen der Kampf um Yards und First Downs nun einmal lebt. Jedoch blendet die Kritik an Buschmanns Moderation zumindest teilweise aus, dass Football in den USA eine Volkssportart ist - diese Zusammenhänge und das dazugehörige Fachjargon also längst zum Alltag gehören.

Der Kenntnisstand jener breiten Masse von Zuschauern, denen Buschmanns Team die NFL näherzubringen versucht, ist ungleich niedriger. Ob es also ratsam gewesen wäre, schon im ersten Sendejahr einen mehr auf Erklärungen und Taktiktafeln fokussierten Ansatz zu wählen, darf zumindest hinterfragt werden. "ran NFL" steht für Eventfernsehen - und das sowohl aus nachvollziehbaren Gründen als auch mit Erfolg.

Zwar entsteht gelegentlich der Eindruck, Buschmann wisse nicht zu jedem Zeitpunkt, was er in den kommenden 30 Sekunden sagen will, doch es sei zu seiner Verteidigung gesagt: Während er in den zahlreichen Spielpausen das Publikum für eine weitgehend unbekannte Sportart zu begeistern versucht, schalten seine US-Kollegen meist auf Werbung um. Ob das unterhaltsamer als ein sichtlich seine Arbeit genießender Moderator ist, darf bezweifelt werden.

Eine große Chance

So beliebt "ran NFL" sein mag: Das Argument, seine breiter werdende Zielgruppe könne Football nie wirklich verstehen, wenn Buschmann und sein Team ihr ihn nicht in all seinen Details näher bringen, ist schwer von der Hand zu weisen. Doch auch beim deutschen Volkssport, dem Fußball, hat es bekanntlich einige Zeit gedauert, bis im Fernsehen von "Gegenpressing" und "Halbraumspielern" die Rede war. Wenn also Buschmann gelegentlich einen Vorgang auf dem Spielfeld nicht sofort erkennt oder bei seinem Expertenteam nachfragen muss, dann ist das zweifellos optimierungsbedürftig.

Jedoch sei vor dem Hintergrund des Fußballvergleichs die Frage erlaubt, welche Maßstäbe eigentlich an seine Arbeit angelegt werden. Dass in den Bereich persönlicher Ablehnung hineinreichende Kommentare der Sorte "Der Typ nervt" nicht zur Versachlichung eines Dialogs beitragen, sollte sich ohnehin von selbst verstehen.

Den Dialog wiederum sucht Buschmann vor allem über seine Social-Media-Accounts so aktiv wie kaum ein anderer Sportmoderator. Hierin liegt, bei allem Verständnis dafür, dass Ansprüche wie Geschmäcker auch bei Sportfans und -journalisten verschieden sind, eine große Chance für alle Beteiligten.

Der US-Football erlebt in Deutschland gerade einen ersten echten Boom, der in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten war. Moderiert wird er von einem Enthusiasten, der sich nicht zu schade für den kritischen Austausch mit seinen Zuschauern ist.

Die Entwicklung (sofern sie denn überhaupt von einer Mehrheit des Publikums gewünscht wird), die einige von ihm verlangen, kann nicht über Nacht vonstatten gehen. Dass Buschmann sich Kritik an "ran NFL" und seiner Person zu Herzen nimmt, steht spätestens seit der zitierten Radiosendung außer Frage. Eine Diskussion um die Ausrichtung künftiger Übertragungen ist also bereits in vollem Gange. Gestaltet man sie weniger persönlich und mäßigen beide Seiten ihren Tonfall... wer weiß, ob sie nicht produktiv sein kann? Die Voraussetzungen dafür scheinen jedenfalls gegeben zu sein.

Liebe zum Sport

Buschmann sei, so sagte er bei Sportradio 360, wohl auch für das neue Footballformat engagiert worden, weil er "mit Liebe zum Sport dabei" ist. Zwar dürfte auch seine Erfahrung (er moderierte den Super Bowl schon früher für Sat.1.) dabei eine Rolle gespielt haben, doch dieser Erklärung ist nur schwer zu widersprechen, bedenkt man, welche Zielsetzung "ran NFL" verfolgt. Es ist ein Einsteiger-Format für die breite Masse. Jene breite Masse, die zwingend mobilisiert werden muss, will ProsiebenSat.1 Football in Deutschland neben den anderen großen Sportarten etablieren.

Dass sich dieser Ansatz nicht immer mit den Erwartungen derer deckt, die einen Sport seit Jahrzehnten als Fans und Berichterstatter verfolgen, liegt in der Natur der Sache. "ran NFL" und seinem Quarterback das Vertrauen zu entziehen, scheint jedoch stark verfrüht.

Mit der Liebe zum Sport verhält es sich im Grunde wie mit jeder anderen Liebe: Sie funktioniert auf Dauer nur mit einem ernsthaften Interesse daran, immer besser und besser zu verstehen, womit man es da eigentlich zu tun hat. Ich glaube nicht, dass Frank Buschmann die Ausnahme von dieser Regel darstellt.

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