Donnerstag, 11.02.2016

Kommentar zu Eilenbergers Handball-Artikel

AfD-Sportart? Von wegen!

Ein Artikel von Wolfram Eilenberger, Kolumnist bei Zeit Online, nach dem der neuartige Handball-Boom mit "kartoffeldeutschen Sehnsüchten" zu erklären ist, hat für viel Aufregung in der Handball-Szene gesorgt. Ein Kommentar von Page-2-Autor Dietmar Lüer.

Das DHB-Team kämpfte mit Verletzungen - und wurde trotzdem Europameister
© getty
Das DHB-Team kämpfte mit Verletzungen - und wurde trotzdem Europameister

Bei einer meiner persönlichen Lieblingssportarten, ich nenne es das Blogsurfen durch das Internet, bin ich bei diesem Artikel, oder sollte man besser sagen an diesem Manifest der archaischen Redaktionskunst, hängengeblieben.

Hier versucht der Autor mit vermeintlichem Sprachwitz, das Handballmärchen von Krakau in eine deutsche Tugend-Zwangsjacke zu stecken. Das mag auf den ersten Blick witzig erscheinen, doch zeugt es vielmehr von fehlendem Respekt vor der Leistung dieser großartigen Truppe und deren Wahrnehmung in Deutschland.

Gleichzeitig kokettiert die Ausdrucksweise des Autors mit verquertem Gedankengut, was angesichts der aktuellen Lage in Deutschland auf vermeintlich fruchtbaren Boden fällt. Auf Deutsch: Der Artikel ist nicht nur zu politisch, er ist schlichtweg Blödsinn.

Page 2: Das Wohnzimmer für außergewöhnliche Schreibtalente

Wo war der deutsche Handball vor der EM? Jeder stritt mit jedem, was das Beste für die Zukunft der Heiner-Brand-Erben sei. Die Bundesliga kämpfte mit rückläufigen Zahlen, im Aus des HSV Handball gipfelte ein besorgniserregender Trend. Nachdem dann noch etliche Stammkräfte für das Turnier in Polen absagen mussten, wagte selbst der größte Optimist kaum auf eine erfolgreiche EM zu hoffen. Doch es kam anders.

Angeführt und eingestellt von einem Bundestrainer, der zweifellos zu den besten seines Fachs gehört, entwickelte sich der krasse Außenseiter zu der Überraschung der Turniers und schließlich zum Titelträger. Mit harter Arbeit, mit mannschaftlicher Geschlossenheit und mit unermüdlichem Einsatz. Darin liegt der Glanz dieses Teams, nicht in ihrem Äußeren oder Ihrer Abstammung.

Ich nenne bewusst keine Namen, oder picke mir einzelne Spieler heraus, weil es ganz im Gegensatz zu Ihrer Aussage völlig egal ist, ob die Beteiligten nun Jerome, Mesut und Ilkay oder Steffen, Andreas und Christian heißen! Oder hatten Sie das Gefühl, Deutschland hätte den Fußball-Weltmeistern von 2014 anders oder weniger zugejubelt? Und die hatten auch noch Miroslav und Sami dabei.

Herr Eilenberger, wo sie Deutschland einreden wollen, dass diese Mannschaft das Heilbalsam für die strapazierte Seele des Volkes darstellt, sehe ich Handballer, die mit Willen, Spaß und noch mehr Herz über die vorgefertigte Meinung der angeblichen Experten hinausgewachsen sind.

Die Sympathien und die Euphorie, die das DHB-Team hierzulande entfacht hat, haben nichts mit dem Fehlen von Spielern mit Migrationshintergrund oder ausländischen Wurzeln zu tun, nicht im Geringsten.

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Dietmar Lüer

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Dietmar Lüer(Page2-Contributor)

Dietmar Lüer, Jahrgang 1968, ist seit 2009 MySpox-Mitglied. Aufgewachsen in Ost-Westfalen pendelt er seit 2010 beruflich und privat zwischen Portugal und Deutschland. Trotz ehemaliger Karriere als Regionalliga-Handballer kommen auch Boxen, die Formel 1 und der Fußball - vor allem in Form der rosa-roten Vereinsbrille des HSV - nicht zu kurz. Nach seinem Studium des Sport-und Touristikmanagments ist er heute in der Kommunikation rund um Browsergames tätig.


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