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So torgefährlich wie sexy

Von Marc Hauser
Sandro Wagner hat gegen Werder einen Doppelpack geschnürt
© getty

Es ist wieder soweit: der etwas andere Wochenrückblick ist da! Diesmal mit dabei: Sandro Wagner, Kostic fast gar nichts, ein super, super Linienrichter und Interview-König Donis Avdijaj.

1. Einer der besten Mittelstürmer der Bundesliga-Geschichte: Das heißeste Thema momentan im deutschen Fußball beschäftigt natürlich auch den etwas anderen Wochenrückblick. Was war das nur für ein geschichtsträchtiges Ereignis vergangenen Dienstag? Ein Bundesligaspieltag, der in die Geschichtsbücher eingehen wird und von dem wir noch unseren Enkeln erzählen werden. Ein unvergessliches, unfassbares Erlebnis für alle, die dabei sein durften. Die inländischen und ausländischen Medien überschlugen sich schier mit Superlativen. Twitter meldete neue Rekordzahlen bei der Verwendung des Hashtags Fußballgott. Gerd Müller saß zitternd vor dem Fernseher, in Angst, sein Bundesliga-Torerekord könnte noch an diesem Abend fallen. Es handelte sich bei dem Protagonisten dieser überirdischen Fußball-Show schließlich auch um einen der besten Mittelstürmer der Bundesliga-Geschichte. Sandro Wagner hat einen Doppelpack erzielt! Bundesliga, was ist nur los mit dir?

2. Das teaminterne Abwehr vs. Angriff-Unzulänglichkeiten-Battle: Einige Tage nach diesem Naturereignis kehrte dann wieder ein Stück weit Normalität ein in die Bundesliga. Die Mainzer Außenverteidiger wirkten in den Sprintduellen gegen Douglas Costa und Kingsley Coman wie Per Mertesacker beim Versuch, einen TGV abzuhängen. Werder Bremen schnuppert gegen Bayer Leverkusen Champions-League-Atmosphäre und der VfB Stuttgart erreicht beim teaminternen "Abwehr vs. Angriff- Unzulänglichkeiten-Battle" mal wieder ein achtbares 5:5-Unentschieden. In Stuttgart wird die Frage "Wer ist eigentlich schlechter? Abwehr oder Angriff?" derzeit kontroverser diskutiert, als es sich alle Hühner und Eier dieser Welt vereint jemals vorstellen könnten. Immerhin stehen die Fans nach wie vor hinter Mannschaft und Trainer, da wurde in den vergangenen Jahren auch schon deutlich zorniger reagiert. Trotzdem fühlt man sich in Stuttgart wieder einmal so sehr im falschen Film, als hätte man sich ein Ticket für "Sinister 2" gekauft, nur um anschließend Elyas M'Barek auf seiner Klassenfahrt nach Thailand begleiten zu dürfen. Wenn nach einer 0:1-Niederlage gegen den FC Schalke selbst der gegnerische Trainer von einem "unverdienten Ergebnis" spricht, sagt das eigentlich auch schon alles über das Pech, das zu all dem Unvermögen noch dazu kommt. Getreu dem Motto: Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu. Denn die ganze Misere auf die Abschlussschwäche der VfB-Angreifer zu schieben wäre voll nicht Fährmann. Als absolut neutraler und realistischer VfB-Fan gehe ich jetzt aber einfach mal davon aus, dass Stuttgart mit den momentanen Leistungen ab sofort den Schalter umlegen kann und bis zum Saisonende kein Spiel mehr verliert. Jeder, der etwas anderes behauptet, soll gefälligst mal seine Vereinsbrille abnehmen!

3. Hannovers Trio infernal Doch solange auch Hannover 96 und der FC Augsburg in derart schwacher Form sind, ist für den VfB noch lange nichts verloren. Vor allem Hannover präsentiert sich nun auch auf dem Platz so wie nach außen hin: wie ein Absteiger. Nach dem Abgang von Lars Stindl nach Gladbach ist somit eine schlechte Elf noch schlechter geworden. Während man in der Defensive immerhin noch einen soliden Zieler hat, fehlt dieser im Angriff komplett. Im wahrsten Sinne des Wortes. Lediglich Artur Sobiech macht dabei etwas Hoffnung, während die neuen Angreifer Charlison Benschop und Mevlüt Erdinc wohl erst einmal durch den Front-Check gefallen sein dürften. Und wer Kenan Karaman und Leon Andreasen als offensive Flügelspieler aufstellt, hat den Fußball sowieso nie geliebt. Der hierfür verpflichtete Hoffnungsträger aus Dänemark entpuppte sich zumindest in den ersten Wochen bislang als Flop und landete vorerst uffe Tribüne. Bech gehabt! Ausbade(r)n soll das Ganze jetzt der neue Geschäftsführer aus Nürnberg, der sich in der zweiten Liga immerhin schon etwas auskennt. Kind/Bader/Frontzeck. Ein besseres Trio Infernal kann man sich nicht vorstellen. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Mannschaft in Zukunft vor dem Spiel im obligatorischen Kreis Alligatoahs "Komm wir geh'n, komm wir geh'n zusammen den Bach runter" aus dem Song "Willst du" anstimmt. Falls jemand guten Fußball sehen will: Am nächsten Spieltag empfangen die 96er zuhause Werder Bremen. Da solltet ihr dann besser nicht hingehen.

4. Ein super, super Linienrichter: Ebenfalls schwach in die Spielzeit gestartet, aber zuletzt auch deutlich verbessert, ist die TSG Hoffenheim. Erster Achtungserfolg war dabei ein 1:1 gegen Borussia Dortmund in der Englischen Woche. Danach gab es jedoch reichlich Aufregung um Trainer Markus Gisdol. Der Blondschopf war auf die Tribüne verbannt worden, nachdem er den Linienrichter berührt hatte. Nach der Partie beschwerte sich Gisdol dann über fehlende Gleichberechtigung in der Bundesliga, da Guardiola so etwas ständig mache. Vielleicht sollte es der Hoffenheim-Coach in Zukunft auch einfach mal mit "Sie sind ein super, super Linienrichter. Ich hätte gerne 1000 solche Linienrichter" probieren anstelle seines "Ich töte dich und deine ganze Familie"-Gesichtsausdrucks. Im Spiel gegen Augsburg am Wochenende blieb es dann ruhig um Gisdol, was wohl auch an der Leistung seines Teams gelegen haben dürfte. Vor allem Hoffenheims Volland+Vargas=Vollgas-Angriff macht dabei Lust auf mehr.

5. Das Beste an einer laufenden Bundesligasaison ist eigentlich, dass das Transfertheater zumindest für ein halbes Jahr einmal ruht. Was da in den letzten August-Tagen wieder einmal abging, war schon der Wahnsinn. Mit den 75 Millionen Euro Ablöse für den Ex-Wolfsburger Kevin de Bruyne wurde eine neue Schallmauer für die Bundesliga durchbrochen. Man mag sich gar nicht ausrechnen, wie viele Diesel-Motoren man damit kaufen könnte.

6. He'll eat your Labrador: Doch auch in Leverkusen gab es Theater. Nach dem überraschenden Wechsel von Heung-Min Son nach Tottenham meinte sein Ex-Mitspieler und Vorzeige-Sympath Hakan Calhanoglu "Son ist ein feiner Kerl, aber er wird schlecht beraten", worauf der Koreaner antwortete: "Man sollte erst mal vor der eigenen Haustüre kehren, da liegt genug." In dein Gesicht! Mit Spannung erwarten könnte man wohl ein internationales Duell zwischen Leverkusen und den Spurs in den kommenden Jahren. Dabei wären mit großer Wahrscheinlichkeit dann "Huan Son" Plakate der Leverkusener Ultras zu sehen, woraufhin sich Calhanoglu aus Angst erst einmal krankschreiben lassen würde, um dann gut beraten für 50 Millionen Euro zu Manchester City zu wechseln. Immerhin die englischen Anhänger haben ihren neuen Angreifer bereits ins Herz geschlossen und ihm mit "He'll shoot, he'll score, he'll eat your Labrador" einen eigenen Fangesang gewidmet. Die Tottenham-Anhänger sind seit langem für ihre Kreativität bekannt, schließlich haben sich ja auch bereits "Here I am, rock you like a Harry Kane" in die Welt gesetzt.

7. Kostic fast gar nichts: Aaron Hunt sorgte in den letzten Stunden der Transferperiode ebenfalls für Aufregung. Durch seinen Wechsel von Wolfsburg nach Hamburg machte er sich vor allem bei den Bremer Anhängern eher so semi-beliebt. Der Bundesliga-Dino hat seinen neuen Spielmacher hingegen schon ins Herz geschlossen. Auch dank ihm zeigten die Rothosen in den letzten Partien auch endlich mal wieder halbwegs ansprechende Leistungen. Beim Torschrei nach Gregoritschs Strahl zum 1:0-Sieg in Ingolstadt musste sich der ein oder andere HSV-Spieler auf die Zunge beißen, so euphorisch war der Jubel. Hunt könnte somit zum Gesicht eines Hamburger Aufschwungs und zum neuen Aushängeschild des Vereins werden. Ich hab' gehört, in Gelsenkirchen gibt es noch ein paar Plakatwände billig abzugeben. Apropos Schalke: Die Königsblauen wollten den Abgang ihrer Vereins-Ikone Julian Draxler unbedingt noch mit Filip Kostic vom VfB Stuttgart kompensieren. Der Serbe wäre auch gerne nach Gelsenkirchen gewechselt, #abererwurdezurückgehaltendamals. Robin Dutt zeigte sich knallhart und forderte um die 30 Millionen für den Flügelflitzer, während Horst Heldt "nur" bereit war, um die 15 hinzublättern. Wäre der Wechsel für diese 15 Millionen über die Bühne gegangen hätten auch die Knappen-Fans ihren Tottenham-liken-Fangesang gehabt. Achtung, Füße hoch, der kommt flach: "Der Kostic fast gar nichts..."

8. Ich mag an mir, dass ich geil bin: Für das wohl unterhaltsamste Interview des Jahres sorgte Schalke-Leihgabe Donis Avdijaj, der momentan bei Sturm Graz unter Vertrag steht. "Ich mag an mir, dass ich geil bin", haben noch nicht einmal Lord Bendtner, #Fußballgott Sandro Wagner oder Ibra bisher gebracht. Gut, dass es im Deutschen Spieler über Spieler und Anhänger des FC Schalke 04 keine IQ-betreffenden Vorurteile gibt.

9. Seit dem 24. September ist FIFA 16 auf dem Markt und wie jedes Jahr werden auch dieses Mal wieder vor allem die Spielerwerte sehr stark diskutiert. EA Sports hat jetzt einige Spieler selbst befragt, was sie von ihren Werten halten und dabei einige witzige Antworten erhalten. Während Julian Korb der Meinung ist, sein Spieler könne gerade so geradeaus laufen, fordert Hakan Calhanoglu einen höheren Freistoß-Wert. Ist ja auch nicht so, dass er mit 95 hier bereits der beste Spieler im ganzen Spiel ist. Den Vogel abgeschossen hat jedoch Christoph Kramer mit seiner Aussage "Ich bin definitiv zu langsam, aber ich bin halt auch in echt definitiv zu langsam". Aber seht selbst.

10. Das Bild der Woche

Muss reichen.

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