Olympia

Deutsche Kufen-Cracks mit Mini-Vorbereitung

SID
Uwe Krupp ist seit 2005 Cheftrainer der deutschen Eishockeynationalmannschaft
© Getty

Der enge Zeitplan der DEL zwingt Bundestrainer Uwe Krupp zu einer straffen Vorbereitung auf das olympische Eishockey-Turnier in Vancouver. Nur ein Testspiel steht auf dem Programm.

Die Aufgabe ist gewaltig, die Vorbereitung minimal: Ausgerechnet vor dem größten Eishockey-Spektakel aller Zeiten muss Uwe Krupp improvisieren. Nur ein einziges Testspiel und sechs Trainingseinheiten hat der Bundestrainer, um die Nationalmannschaft auf das Olympia-Turnier in Vancouver vorzubereiten. Doch jammern will der einzige deutsche Stanley-Cup-Sieger vor dem Treffen mit den NHL-Superstars im Eishockey-Mutterland nicht.

"Ich denke, die Zeit, über Sachen zu reden, die ich nicht beeinflussen kann, ist vorbei", sagt Krupp vor der Olympia-Generalprobe heute (19.30 Uhr) in Frankfurt/Main gegen Lettland. "Es ist alles gesagt, jetzt müssen wir das Beste aus der Situation machen. Ich habe im Vorfeld meine Meinung geäußert, jetzt ist nicht mehr die Zeit dafür."

Das Problem: Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) spielt so lange weiter wie keine andere Profiliga. Selbst am Tag des Turnierauftakts in Vancouver (16. Februar) stehen noch drei Partien auf dem Programm, erst dann beginnt die lediglich zehntägige Pause. Schon am 27. Februar, einen Tag vor dem Olympia-Finale, geht es weiter.

Notlösung wegen WM im eigenen Land

"Das ist letztlich eine Notlösung, weil mit Olympia und der Heim-WM innerhalb von knapp drei Monaten zwei große Turniere anstehen", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke und betont: "Die Klubs wissen, dass sie ein Wochenende ohne ihre Nationalspieler auskommen müssen."

Krupp begrüßte sein Team, in dem einige Akteure schon 46 Liga-Spiele in den Beinen haben, am Dienstagnachmittag zum Unternehmen Olympia. Ein Training am Abend, das Lettland-Spiel am Mittwoch und der Flug nach Kanada am Donnerstag - im Schnelldurchgang geht es nach Vancouver. Die sieben NHL-Profis stoßen erst am 15. Februar dazu, zwei Tage vor dem Auftaktspiel gegen Olympiasieger Schweden.

Die Konkurrenz hat es besser. Ralph Krueger, Trainer der Schweizer "Nati", ist mit seinem Team bereits in Kanada und bestritt am Dienstag gegen den deutschen Vorrundengegner Weißrussland das erste von zwei Testspielen in Winnipeg. Am vergangenen Samstag gab es die letzten Punktspiele in der Nationalliga A.

Längere Pause für Gegner Weißrussland

Die KHL, in der Dinamo Minsk mit fast der kompletten weißrussischen Nationalmannschaft spielt, macht seit Sonntag Pause. Und Norwegens Nationalspieler, die am Mittwoch ebenfalls schon in Kanada gegen die Uni British Columbia antreten, mussten am Samstag letztmals in der Liga aufs Eis.

Krupp, der das Bemühen um mehr Vorbereitungszeit zuletzt als "Kampf gegen Windmühlen" bezeichnet hatte, verzichtet nach der Ankunft am Donnerstagabend in Vancouver auf weitere Testspiele. "Einige Spieler wie Michael Wolf oder Thomas Greilinger, die auch beim Deutschland Cup gespielt haben, hatten seit Anfang September keine Pause", sagt der Bundestrainer: "Wir halten es für wichtig, dass wir auch mal fünf Tage nur trainieren." Trainingsintensität und Erholungsphasen könnten damit genauer gesteuert werden, "wir erhoffen uns, dass wir so mit etwas vollerem Tank in dieses schwierige Turnier starten".

"Historische Sache"

Den Flug nach Vancouver werden 19 Spieler antreten. Sollten alle sieben NHL-Profis fit zum Team stoßen, müssen drei Akteure vor dem Turnierstart wieder nach Hause. Ihnen entgeht "eine historische Sache", wie Krupp das Turnier der Besten der Besten in Kanada bezeichnet.

Die deutsche Mannschaft spielt in der Vorrunde gegen Olympiasieger Schweden, Finnland und Weißrussland. Dann folgt die erste K.o.-Runde, in der es um den Einzug ins Viertelfinale geht.

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