Olympia

Wir sind Judo, aber leider nicht nur...

Von Für SPOX in London: Alexander Mey
Schwergewicht Andreas Tölzer trug mit seiner Bronzemedaille zum tollen Judo-Ergebnis bei
© Getty

Die zweite Halbzeit von Olympia hat begonnen. Wie schlägt sich das deutsche Team bislang? SPOX zieht eine Zwischenbilanz positiver und negativer Überraschungen in den Sportarten, die ihre Wettkämpfe bereits abgeschlossen haben.

Sportarten, die wir gut können

Judo: Wer hätte das gedacht? Wir sind wieder Judo! Nach einer bis auf den Olympiasieg von Ole Bischof enttäuschenden Bilanz in Peking vor vier Jahren kann sich das Abschneiden der deutschen Judoka in London wieder sehen lassen. In elf Gewichtsklassen waren deutsche Kämpfer am Start, vier Medaillen sprangen dabei heraus. Silber für Ole Bischof und Kerstin Thiele, Bronze für Andreas Tölzer und Dimitri Peters.

"Der Judo-Bund kann sehr, sehr stolz sein. Insgesamt vier Medaillen sind eine ausgezeichnete Ausbeute. Mit meinen Männern bin ich besonders zufrieden. 50 Prozent haben eine Medaille geholt", resümierte Männer-Bundestrainer Detlef Ultsch. Für die Athleten gab es einen eindeutigen Grund, warum das Team wieder an die Erfolge von 2004 in Athen (Einmal Gold, dreimal Bronze) anknüpfen konnte.

"Der Trainer schafft es immer wieder, das Feuer bei uns am brennen zu halten. Ich weiß nicht, wie er das immer wieder hinbekommt. Motivation und Teambildung sind einfach seine große Stärke", sagte Tölzer. "Das ist Wahnsinn, was wir hier in der deutschen Mannschaft für einen Zusammenhalt hergestellt haben. Das ist unserem Trainer zu verdanken."

Rudern: Auch hier ist die Flaute von 2008 überwunden. Mit zwei Goldmedaillen für den Achter und den Doppelvierer der Männer sowie Silber für den Doppelvierer der Frauen kam der Verband ganz nah an das Ergebnis aus Athen 2004 heran (Zweimal Gold, zweimal Silber) und machte das enttäuschende Peking-Ergebnis (nur einmal Silber und einmal Bronze) wieder wett.

"Ich bin sehr zufrieden, wir haben die Wende geschafft", sagte Verbandschef Siegfried Kaidel. Nach Peking hatte es personell einige Veränderungen gegeben. Kaidel: "Diese Arbeit hat nun Früchte getragen."

Die drei großen Erfolge der Vorzeige-Boote können aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Breite in den anderen Bootsklassen immer noch zu wünschen übrig lässt.

"Zielsetzung war, nach Peking mehr Siegleistungen abzurufen. Das ist uns gelungen. Aber wir haben es nicht geschafft, die Qualität aus dem Achter und den Doppelvierern in die Klein- und Mittelboote zu bringen", sagte Cheftrainer Hartmut Buschbacher selbstkritisch.

Und dann war da noch die rufschädigende Affäre um die mutmaßlichen Verbindungen von Achter-Ruderin Nadja Drygalla ins rechtsradikale Milieu, die zu deren vorzeitiger Abreise führte. Derartige öffentliche Aufmerksamkeit ist das Letzte, was der Ruderverband brauchte.

Sportarten, die wir so lala können

Badminton: Das frühe Ausscheiden von Juliane Schenk war zweifellos eine Enttäuschung. Sie hatte als "erklärtes Ziel" eine Medaille ausgegeben, obwohl die Konkurrenz aus Asien gerade in diesem Sport riesig ist.

Dass Schenk aber schon im Achtelfinale gescheitert ist und danach völlig wortlos die olympischen Spiele verlassen hat, hat auch dem Verband nicht gefallen. Als "völlig unprofessionell" bezeichnete Sportdirektor Martin Kranitz ihre Reaktion und resümierte: "Sie war unsere aussichtsreichste Kandidatin, wir haben daran geglaubt, dass eine Medaille möglich ist."

Marc Zwiebler bei den Männern und die Teams hatten von vornherein eigentlich keine Medaillenchance. Dass das Mixed Fuchs/Michels ueberhaupt bis ins Viertelfinale gekommen ist, war ein großer Erfolg.

Tennis: Keine Medaille - das war bei den Männern klar. Dort ist die Konkurrenz viel zu groß und die besten Deutschen waren ohnehin nicht am Start. Auch wenn man auf die Frauen mehr Hoffnungen setzen durfte, kann man Angelique Kerber und Sabine Lisicki ihre Niederlagen gegen die Nummer eins und die Nummer zwei der Weltrangliste Victoria Azarenka und Maria Scharapowa nicht wirklich vorwerfen. Am dichtesten war überraschender Weise das Mixed Lisicki/Kas am Edelmetall dran. Aber sowohl das Halbinale als auch das Spiel um Bronze gingen im Champions-Tiebrak verloren.

In Wimbledon war für das deutsche Team mit etwas Glück mehr drin, aber eine gewaltige Enttäuschung ist das Abschneiden nun auch wieder nicht.

Seite 2: Problemdisziplinen Schwimmen, Fechten, Schießen

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