Sonntag, 17.08.2008

Olympia

Mindestens Segel-Bronze für Peckolt-Brüder

Qingdao - Bronze sicher, Silber möglich: Für die segelnden Peckolt-Brüder entwickelte sich die Medaillenvergabe in der 49er Klasse zur Hängepartie.

Olympia, Peking, Segeln, Peckolt
© DPA

Erst Stunden nach einem denkwürdigen und von Kenterungen geprägten Finale, der anschließenden Protestlawine an Land und einer Doping-Kontrolle durften Jan-Peter und Hannes Peckolt in Qingdao endlich über den Gewinn der Bronzemedaille jubeln.

Damit haben der Steuermann aus Hamburg und sein Vorschoter aus Kiel der deutschen Flotte das erste olympische Edelmetall seit den Spielen in Sydney 2000 beschert.

Entscheidung am Montag

Da die endgültige Entscheidung der internationalen Jury nach stundenlangen Beratungen auf den nächsten Tag veschoben wurde, ist sogar noch der nachträgliche Gewinn der Silbermedaille möglich. Ulrike Schümann dagegen segelte mit ihrem Team im Yngling als Vierte an einer Medaille vorbei.

"Das war bis jetzt einer der schönsten Tage in unserem Leben" sagte Hannes Peckolt, "aber die Anspannung ist noch nicht ganz abgefallen. Es war nicht nur alles schön da draußen, es war kein Zuckerschlecken."

Der 25-jährige Medizinstudent spielte auf das atemberaubende Medaillenrennen direkt vor dem Olympiahafen an, in dem fast alle zehn Teilnehmer bei stürmischen Winden um 25 bis 30 Knoten und hohem Wellengang mindestens einmal kenterten.

Nervenzerrendes Spektakel 

"Wir wussten im Ziel nicht, welchen Platz wir belegt haben und wie die anderen durchgekommen sind", sagte Hannes Peckolt, "aber sicher war: wer am wenigsten gekentert ist, der liegt am Ende vorne."

Die spektakuläre Kenter-Wettfahrt hatte in ihrem 30-minütigen Verlauf auch an den Nerven der Zuschauer an Land und vor den Fernsehbildschirmen gezerrt.

Teamchef Hans Sendes sagte: "Ich habe mich selbst erschrocken, als ich meine zitternden Finger sah." Die schnellen Brüder erreichten nach großem Kampf mit der Konkurrenz und den Elementen die Ziellinie nach nur einer Kenterung als Zweite und sicherten sich damit Platz drei im Abschlussklassement.  Vorausgegangen war dem Finalrennen der Mastbruch der dänischen Spitzenreiter Jonas Warrer und Martin Ibsen auf dem Weg zum Start.

"Dänen verdienen Gold"

Das Duo lieh sich deshalb in einem Blitzmanöver den 49er der Kroaten, die sich für das Finale nicht qualifiziert hatten, aus, startete mit zweieinhalb Minuten Verspätung in das bereits laufende Rennen und erkämpfte sich noch Rang sieben.

"Wenn es nur nach meinem sportlichen Herz ginge, hätten die Dänen Gold verdient, nachdem, was sie geleistet haben", sagte Rigo de Nijs, der niederländische Coach der Peckolt-Brüder.

Dagegen allerdings protestierten die zweitplatzierten Spanier Iker Martinez und Xabier Fernandez, die Olympiasieger von Athen, sowie die Wettfahrtleitung selbst. Auch weit nach Mitternacht (Ortszeit) hatte die Internationalen Jury in Qingdao noch keine Entscheidung getroffen und sich deshalb auf den nächsten Tag vertagt.

Jubel bei Eltern 

Jubel auch bei den Eltern der Peckolts in Mannheim und den Freundinnen in Hamburg und Kiel. "Als wir mit unseren Eltern telefoniert haben, war so einiges im Hintergrund zu hören", berichtete Hannes Peckolt und konnte endlich lachen.

Gemeinsam mit dem großen Bruder freut er sich nun auf einige Tage in Peking. "Es war schön hier in Qingdao, aber etwas fehlte doch: Andere Sportarten und etwas mehr olympische Atmosphäre."

Nach den Olympischen Spielen wollen die Segler vom Yacht-Club Langenargen am Bodensee "die Zeit zu Hause und alles was da kommt genießen" und anschließend Urlaub machen; dann jedoch getrennt: "Wir haben zuletzt mehr als 250 Tage im Jahr zusammen verbracht und verstehen uns immer noch gut, aber Urlaub machen wir dann doch jetzt einmal alleine." Mit der Medaille erfüllten die Brüder ihren selbst aufgestellten Acht-Jahres-Plan.

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