Skisprung-Methusalem plant bis 2026

Kasai pfeift auf alle Grenzen

SID
Dienstag, 17.11.2015 | 12:45 Uhr
Noriaki Kasai ist eine Legende im Skisprung-Zirkus
© getty
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Sapporo, 2026: Ein Name und eine Zahl, die Noriaki Kasais Augen glänzen lassen. "Als ich 40 wurde, habe ich beschlossen, mit 50 aufzuhören", sagt der Skisprung-Methusalem. Nun aber kandidiert seine japanische Heimat wohl für Olympia 2026, und da kann "Nori" unmöglich fehlen: "Dann werde ich zwar fast 54 Jahre alt sein, aber es ist eine zu große Chance, um aufzugeben."

Kasai, der am Wochenende in Klingenthal in seine 27. Weltcup-Saison startet (1994/95 setzte er aus), ist schon jetzt ein Phänomen. Am 17. Dezember 1988 debütierte er in eben jenem Sapporo im Weltcup. In einem Springen, das der damals 25-jährige Matti Nykänen vor dem 19-jährigen Dieter Thoma gewann. Mehr als ein Vierteljahrhundert später lieferte Kasai, der im Juni 43 wurde, einen der besten Winter seiner Karriere ab, gewann 2014/15 ein Weltcupspringen und landete sechs Mal auf dem Podium.

Selbst seine Konkurrenz versetzt der Stilist ein ums andere Mal ins Staunen. "Bei uns in Europa würde man denken, dass man in dem Alter schon daheim auf der Couch sitzt und sich das im Fernsehen anschaut. Jede Sportart braucht solche Typen, die ein bisschen extrem sind", sagt der deutsche Weltmeister Severin Freund über den Skiflug-Weltmeister von - jawohl: 1992.

"Für mich ist es ganz einfach eine große Freude. Es macht mir viel Spaß, noch skispringen zu können", sagt Kasai, der sich 2014 in Sotschi - bei seinen siebten Olympischen Spielen - mit Silber den alten Traum von einer Einzel-Medaille erfüllte.

Große Ziele

Und für einen, dem physikalische und biologische Gesetze schnurzpiepegal sind, ist klar, dass er sich auch für die neue Saison die größtmöglichen Ziele setzt. "Ich will meinen Rekord als ältester Weltcupsieger brechen. Außerdem will ich die Nummer eins im Gesamtweltcup werden", verkündete Kasai in der Japan Times.

"Er ist eine Koryphäe für unseren Sport", sagt einer, der es wissen muss: Der Schweizer Simon Ammann, selbst schon 34, feierte vor knapp einen Jahr mit dem punktgleichen Kasai einen sporthistorischen Doppelsieg - zusammen brachten die beiden Routiniers 75 Lebensjahre aufs Podium.

Der Oldie im deutschen Team ist im Gegensatz zu Kasai ein Jungspund: Michael Neumayer kämpft mit seinen 36 Jahren derzeit um seine Form und einen Platz im Weltcup-Aufgebot. Auch deshalb kann sich der Berchtesgadener nicht vorstellen, einmal der Kasai Deutschlands zu werden.

Neumayer kann Kasai verstehen

"Jenseits der 40 werde ich höchstens noch aus Spaß, falls ich noch in den Anzug passe, mal eine Schanze runterrutschen. Ein offizieller Skispringer werde ich aber sicherlich nicht mehr sein", sagt Neumayer: "Aber ich kann Noriaki komplett verstehen. Er bringt ja auch noch Leistungen, die das rechtfertigen."

Kasai selbst muss sich nicht mehr rechtfertigen. Und deshalb lässt er sich ein Hintertürchen für ein - nun ja - frühzeitiges Karriereende offen: "Wenn Sapporo die Spiele 2026 nicht bekommt, dann höre ich mit 50 Jahren auf."

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