"Wie ein Zombie"

Vonn spricht über psychische Erkrankung

SID
Freitag, 14.12.2012 | 13:24 Uhr
Kann wieder lachen: Die US-Amerikanerin Lindsey Vonn in Val d'Isere
© Getty
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"Ich konnte noch nicht einmal mehr weinen": Mit offenen Worten spricht US-Skistar Lindsey Vonn erstmals über ihre psychische Erkrankung. Zwischenzeitlich sei sie nicht mehr aus dem Bett gekommen - umso bemerkenswerter ihre Top-Leistungen, meint Maria Höfl-Riesch.

Ihr strahlendes Siegerlächeln war für Lindsey Vonn lange Zeit nur Fassade. Erstmals hat der US-Skistar im Interview mit dem amerikanischen Magazin "People" eine psychische Erkrankung offenbart, deren Symptome auf eine Depression hindeuten. Nach einer Diagnose im Jahr 2008 sei die Krankheit mit Medikamenten behandelt worden, heißt es in dem Bericht.

"Ich kam nicht mehr aus dem Bett. Ich fühlte mich hoffnungslos, leer, wie ein Zombie", sagte die amerikanische Abfahrts-Olympiasiegerin über diese Zeit in dem Gespräch, das offenbar vor der Weltcup-Saison geführt wurde. "Ich konnte noch nicht einmal mehr weinen."

"Wenn ich Ski fahre, bin ich glücklich"

Aufgetreten seien die Symptome erstmals nach ihren ersten Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City und nach Spannungen mit ihrem Vater, der ihr erster Trainer war. "Wegen meiner Dickköpfigkeit oder Scham oder weil ich nicht zugeben wollte, dass etwas falsch ist, habe ich nichts deswegen gemacht."

Zunächst habe sie sich in ihre Leidenschaft für den Sport geflüchtet, berichtete die 28 Jahre alte viermalige Gesamtweltcupsiegerin dem Magazin. "Als sich meine Eltern scheiden ließen, habe ich zu mir selbst gesagt: Geh schlafen und morgen kannst du Skifahren. Ich habe mich in den Schlaf geweint und morgens war ich auf dem Berg und es ging mir gut. Wenn ich Ski fahre, bin ich glücklich."

Sturz in Val d'Isere

Dies sei eine Erklärung dafür, dass sich Vonn "so wahnsinnig über den Erfolg" definiere, sagte ihre Konkurrentin und Wieder-Freundin Maria Höfl-Riesch am Freitag in Val d'Isere. Im Sommer habe sie mit Vonn über ihre Erkrankung gesprochen. "Wenn sie Rennen gewinnt, ist der ganze Tag super und dementsprechend ist es nicht so, wenn es ein bisschen schlechter läuft. Da sind die Depressionen sicher ein bisschen eine Erklärung." Bei der Weltcup-Abfahrt in den französischen Alpen rutschte Vonn von der Piste, wurde erst vom dritten Fangzaun aufgehalten, blieb dem ersten Augenschein nach aber unverletzt.

Vor vier Jahren seien die Probleme schwerer geworden, berichtete sie, auf Drängen ihres damaligen Ehemann Thomas habe sie einen Arzt aufgesucht. Einen Monat, nachdem sie mit der Einnahme von Medikamenten begonnen habe, sei sie "wie ein anderer Mensch" gewesen. "Es war verrückt. Ich war begeistert, wieder rauszugehen. Ich hatte Glück, sofort die richtige Behandlung zu finden", sagte Vonn, die wegen einer rätselhaften Darmerkrankung diese Saison für mehrere Tage ins Krankenhaus musste.

"Hinter den Kulissen war es ein Kampf"

Von der Diagnose habe sie nur wenigen Menschen erzählt, auch weil sie ein "großes Stigma" gefürchtet habe. "Jeder sah mich am Fernsehen oder konnte die Artikel lesen und es ging um meine großartige Ehe, den weißen Lattenzaun, den ganzen Erfolg und mein perfektes Leben. Aber hinter den Kulissen war es ein Kampf." Als die Beziehung mit ihrem Mann zerbrach - die Trennung gab sie im Herbst 2011 bekannt - habe sie ebenfalls eine schwere Zeit gehabt. "Jeder weiß, dass eine Ehe hart ist. Aber es hat nicht funktioniert, und das machte mich unglücklich."

Die Trennung habe Vonn schwer zugesetzt, schätzte Höfl-Riesch ein, "die Situation war nicht einfach für sie, umso beeindruckender war es, was sie auf der Piste fabriziert hat, mit welcher Souveränität sie da immer runtergefahren ist." Inzwischen hat Vonn auch den Kontakt zu ihrem Vater, Alan Kildow, wieder aufgenommen. "Es war hart, sehr hart, aber wir haben alles besprochen. Ich habe ihn sehr vermisst."

Der Ski-alpin-Kalender 2012/2013 im Überblick

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