Angesichts der Verletzungsmisere

Jochen Behle mit Galgenhumor

SID
Dienstag, 04.01.2011 | 12:16 Uhr
Der ehemalige aktive Langläufer betreut die deutsche Mannschaft seit 2002
© Getty
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Für die kränkelnden deutschen Langläufer entwickelt sich die Tour de Ski immer mehr zum Alptraum. Bundestrainer Jochen Behle macht noch gute Miene zum bösen Spiel, sieht die Felle aber allmählich davonschwimmen.

Bundestrainer Jochen Behle hustete kurz, sagte aber noch im selben Atemzug: "Also, ich bin gesund". Immerhin - denn fast die Hälfte der deutschen Langlauf-Mannschaft hatte sich während der ersten vier Etappen der Tour de Ski krankheitsbedingt abgemeldet.

Nach dem jüngsten Rückzug des einstigen Vorläufers Axel Teichmann sieht Behle die Chancen seiner kriselnden Athleten für die kommenden Weltmeisterschaften in Oslo langsam schwinden. Versprechen mag der Bundestrainer nichts mehr, "aber ein Überraschungserfolg ist dort schon möglich", sagte er tapfer.

Noch begegnet Behle der Misere mit Galgenhumor. "Eigentlich waren die Krankmeldungen heute bescheiden: Nur ein Pressesprecher und ein Techniker haben sich abgemeldet", hatte er noch unmittelbar nach dem Abschluss des vierten Renntags der Tour in Oberstdorf gesagt.

Die Hiobsbotschaft kündigte sich da aber bereits an: Zwei Stunden nach dem Jagdrennen über 20 Kilometer verkündete Ex-Weltmeister Teichmann seinen vorzeitigen Ausstieg. Diagnose: "Die Batterie ist leer". Dabei sollte sie doch gerade aufgeladen werden.

Sieben Ausfälle

Nach Teichmanns Heimreise fehlen Behle nun schon sieben prominente Läufer - fast die Hälfte seiner Mannschaft steht schon zur Halbzeit der Tour nicht mehr zur Verfügung: Teamsprint-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle, Nicole Fessel und Thomas Bing hatten auf die Tour de Ski ohnehin verzichtet, Franz Göring und die Olympiazweiten Tobias Angerer und Tim Tscharnke stiegen ebenfalls vorzeitig aus.

Der Rest läuft der Weltspitze um die überragenden Gesamt-Führenden Dario Cologna (Schweiz) und Justyna Kowlaczyk (Polen) weit hinterher. Das beste deutsche Resultat war bisher ein siebter Platz von Newcomerin Jana Herrmann im Prolog, Podestplätze lassen weiter auf sich warten.

Dabei war die Tour eigentlich als Aufbauhilfe auf dem Weg zum Saison-Höhepunkt in Oslo (23. Februar bis 6. März) vorgesehen. Die zuletzt oft angeschlagenen Teichmann und Angerer sollten laut Behle "Wettkampfhärte sammeln".

Nach enttäuschenden Ergebnissen musste aber auch der 50-Jährige einsehen, "dass es niemandem was bringt, wenn sie kaputt sind". Für die kommenden Etappen in Toblach (ab Mittwoch) und das Finale in Val di Fiemme ist von der DSV-Rumpfmannschaft nicht mehr viel zu erwarten, und auch die Zeit bis zur WM wird immer kürzer.

Behle ist skeptisch

Behle beurteilt seine Situation deshalb skeptisch. "Planung sieht für mich anders aus, die Zeit wäre da, aber ich muss schon gesunde Sportler haben. Es wird schwierig, weil keine Basis da ist", sagte er rund sieben Wochen vor Beginn der Titelkämpfe. Seinen einstigen Stars würden Selbstbewusstsein und Routine fehlen: "Das macht die Sache nicht einfacher".

Wie groß die Enttäuschung über die verkorkste Tour ist, hatte Teichmann schon direkt nach seinem 56. Platz im Jagdrennen durchblicken lassen. Er spurtete an allen anwesenden Journalisten vorbei und äußerte sich auch am Tag danach nicht zu seinem Rückzug.

"Er hat zunächst alles getan, dass er dabei ist. Aber momentan ist das zu viel für ihn", sagte Behle. Warum seine Läufer ständig kränkeln, kann sich auch er nicht erklären: "So global, wie das dieses Jahr auftritt, das ist doch der Wahnsinn", klagte der Bundestrainer. Einen Zusammenhang der zahlreichen Krankheiten schloss er aber aus: "Das ist Zufall".

Überraschungserfolg möglich

Von seinen ursprünglichen Zielsetzungen hat sich Behle mittlerweile verabschiedet.

Dass wenigstens der von ihm erhoffte Überraschungserfolg möglich ist, habe ein "totgesagter" Teichmann in Vancouver gezeigt: Dort war er mit Tscharnke zur Silbermedaille in der Teamverfolgung gelaufen.

Natürlich werde die Mannschaft "an ihren Erfolgen gemessen", sagte Behle. Dass in sieben Wochen noch viel passieren kann, weiß aber gerade er: "Meine Aufgabe ist es jetzt, auch mal gelassen zu bleiben und Ruhe zu bewahren". Das macht er (noch) ganz gut.

Axel Teichmann muss Hoffnungen begraben

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