Bei Didier piept’s wohl!

Von Martin Mägdefessel
Montag, 17.01.2011 | 13:15 Uhr
Didier Cuche wollte doch nur helfen
© Getty
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Bei Didier Cuche piept's zu häufig, Björn Ferry fährt mit Sparkurs auf Rang eins und Andrea Henkel gibt sich genügsam. Severin Freunds Trainer jubelt auf der Couch in Mieming, Elisabeth Görgl gibt sich zögerlich und die Festung Oberhof wird verteidigt.

+ Björn Ferry fährt ökonomisch

Das loben wir uns! In Zeiten globaler Erwärmung, schmelzender Polkappen und Klimakatastrophen denkt man auch im Leistungssport an ökonomische Ressourcen-Nutzung. Jüngstes Beispiel: Björn Ferry. Der siegte beim Biathlon-Verfolgungsrennen in Ruhpolding - und das äußerst entspannt. Schließlich fuhr er die ganze Zeit im Windschatten und ließ die Drecksarbeit von Michael Greis erledigen.

Ferry fuhr sparsam, holte sich den Sieg und erklärte seine Taktik folgendermaßen: "Das ist wie beim Radfahren. Du kannst ökonomischer laufen, wenn du hinten dran läufst." Auch mit seinen Patronen ging der Schwede schön sparsam um: Er traf alle 20 Scheiben und machte ohne Strafrunde den erst dritten Erfolg eines Nicht-Norwegers in dieser Saison perfekt. So viel ökonomisches Denken ist ganz klar: Top.

- Genügsamkeit, dein Name ist Henkel

Nochmal Ruhpolding. Diesmal allerdings der Gegenentwurf zu Sparfuchs Ferry. Und der heißt: Andrea Henkel. Die scheint aktuell ein Abonnement für den zweiten Platz zu besitzen. Zum vierten Mal in Folge lief sie als Zweite ein. Dabei wäre in Ruhpolding im Sprint mehr drin gewesen: Doch durch zu viel Respekt vor der steilen Schlussabfahrt büßte sie ihren Vorsprung vor Tora Berger ein. Immer schön laufen lassen, hätte Ferry hier sicherlich geraten. Energie sinnvoll nutzen.

Trotzdem fühlte sie sich als Gewinnerin: "Es ist immer schön auf dem Podium zu stehen. Auch wenn viele sagen, nächstes Mal wird es der erste Platz sein, bin ich auch mit meiner Serie zweiter Plätze ziemlich zufrieden." So viel Genügsamkeit ist zwar lobenswert, aber wir würden Andrea Henkel auch gerne wieder auf dem obersten Podestplatz sehen.

+ Die Festung Oberhof verteidigt

Die deutschen Rodler haben in vier Wettkämpfen am Wochenende viermal triumphiert und beim Weltcup in Oberhof die deutsche Dominanz auf der thüringischen Strecke unterstrichen. Österreichs Trainer Rene Friedl resümierte das Geschehen mit Ernüchterung: "Das ist die Oberhofer Festung wie schon in den letzten Jahren."

Nur einen Podestplatz ließen sich die Deutschen nehmen, ansonsten machten sie die ersten drei Plätze stets unter sich aus. Tatjana Hüfner siegte nach ihrem Durchhänger in der vergangenen Woche in Königssee wieder und machte den 104. Sieg in Folge für die deutschen Rodlerinnen klar. Felix Loch konnte mit seiner Fahrt auf Rang eins zudem den Abstand auf den Weltcup-Führenden Armin Zöggeler verkürzen. Die Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt komplettierten das schwarz-rot-goldene Fest, das mit einem Sieg in der Team-Staffel abgerundet wurde.

- Schiebung bei der Abfahrt

Didier Cuche ließ sich bei der Kombinationsabfahrt in Wengen absichtlich disqualifizieren. Dabei nutzte der Schweizer eine Schwachstelle im Reglement: "Am Start piept es fünfmal, wenn man erst nach dem sechsten Piep startet, wird man disqualifiziert", sagte der 36-Jährige. Also startete er erst nach dem sechsten Signalton. Bei dem piept's wohl? Nein. Seine Intention dahinter: Duch Cuches Disqualifikation konnte ein jüngerer Teamkollege die bestmöglichen Verhältnisse im Slalom haben - nämlich den Startplatz Nummer 1.

Aufgrund dieser Schiebung soll im nächsten Winter bei den Regeln nachgebessert werden. Fahrer, die die Kombinationsabfahrt als zusätzliches Training nutzen und auf den Slalom verzichten, sollen für die Kombinationsabfahrt gesperrt werden. Eine weitere Strafe folgte bereits jetzt: Durch einen Fehler bei der Abfahrt fehlten Cuche am Ende nur 0,14 Sekunden auf den Sieger Klaus Kröll. Den Humor hatte der Schweizer dennoch nicht verloren: "Wenn ich gewonnen hätte, dann wäre ich im nächsten Jahr wiedergekommen - in Jeans."

+ Sieg auf der miesen Schanze

Damit hatte wohl niemand gerechnet. Severin Freund beendet die fast vier Jahre anhaltende Durststrecke der deutschen Skispringer und siegt im japanischen Sapporo. Auf einer Schanze, die er selbst als mies bezeichnete, gewann er vor Thomas Morgenstern und Adam Malysz. Und konnte es am Ende selbst kaum glauben: "Man träumt natürlich immer von einem Sieg, aber damit habe ich einfach nicht gerechnet."

Warum Bundestrainer Werner Schuster nicht mit ins Land der aufgehenden Sonne gereist ist, lässt durchaus Spekulationen zu. Hier einige Möglichkeiten.

A) Er wollte sich eine erwartete Niederlage der DSV-Adler nicht anschauen.

B) Die neue Staffel Dschungel-Camp hat begonnen und er will sehen, wie Thomas Rupprath durch die australischen Flüsse krault.

C) Er wollte sich das alles mit etwas Distanz zu Gemüte führen.

Alles natürlich vollkommen aus der Luft gegriffen. Ist ja aber auch egal. Denn zumindest hat er den Erfolg von Severin Freund auf der heimischen Couch in Mieming verfolgt. Sehr gut!

- Gleich geht's los... ach die Zeit läuft schon

So, oder so ähnlich muss sich Elisabeth Görgl in Maribor auf den Riesenslalom vorbereitet haben. Görgl steht am Tor, will die Piste in Angriff nehmen. Sie stößt die Stöcke in den Schnee und betätigt die Zeitnahme mit den Knien. Sie hält inne und mit kurzer Verzögerung rast sie los, um die verlorene Zeit einzuholen. Am Ende ein schöner Lacher ohne Konsequenz: Das Rennen wurde wegen Tauwetters abgesagt.

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