Freitag, 05.03.2010

Fredrik Evensen im Interview

"Sie hielten mich für Fernando Torres"

Fredrik Evensen ist in Deutschland durch seine Videos mit der Boarder-Crew von Isenseven bekannt geworden. Der 23-jährige Norweger gehört zu den besten Snowboardern in Europa. SPOX sprach mit ihm über die Olympischen Spiele, seine Hobbys und das Leben als Snowboard-Profi.

Fredrik Evensen ist in Deutschland durch seine Filme mit Isenseven bekannt geworden
© Getty
Fredrik Evensen ist in Deutschland durch seine Filme mit Isenseven bekannt geworden

SPOX: Herr Evensen, Sie sind einer der besten europäischen Boarder. Haben Sie die olympischen Winterspiele nicht gereizt? Shaun White gewann relativ sicher eine Goldmedaille.

Fredrik Evensen: Momentan hab ich da nicht so Lust zu. Es ist zwar cool, dass Snowboarden olympisch ist und Stars der Szene mitmachen, aber für mich kommt eine Teilnahme vorerst nicht in Frage.

SPOX: Wieso nicht?

Evensen: Das Programm müsste umgebaut werden. Sprünge von großen Schanzen wie beim Air and Style müssten eine Disziplin sein. Dann würde ich auch gerne dabei sein.

SPOX: Sie haben schon viele Pisten dieser Welt gesehen. Wo würden Sie gerne noch snowboarden?

Evensen: Mir fehlen nur noch Südamerika und Alaska, dann habe ich alles abgegrast, wo man so runterfahren kann. Ich hoffe also, dass ich diese beiden Länderpunkte auch schnellstmöglich abhaken kann.

SPOX: Und wo fahren Sie am liebsten Snowboard?

Evensen: Also am liebsten fahre ich nach Japan zum Boarden. Das Gebiet heißt Hokkaido und gefällt mir am besten. In Japan ist mir auch mal etwas Lustiges passiert.

SPOX: Dann schießen Sie mal los.

Evensen: Bei einem Dreh in der U-Bahn von Tokyo haben mich mal ein paar Kids für Fernando Torres gehalten. Natürlich habe ich mitgespielt. In kurzer Zeit war ich umgeben von hundert schreienden Teenies, die alle ein Autogramm wollten...

SPOX: ...ein Autogramm, das Sie auch gerne verteilt haben?

Evensen: Natürlich, man will den Kids ja eine Freude machen.

SPOX: Als Double verdient man sicherlich nicht schlecht. Aber wie sind Sie eigentlich zum Snowboarden gekommen?

Evensen: Es ist einige Jahre her, da war ich jeden Tag im Winter mit meinen Freunden in Oslo snowboarden. Wir waren zwischen zehn und 15 Jahre alt und es ging nur darum, Spaß zu haben - es gab nie das Ziel Profi zu werden.

I got a Snowboard under my Feet
Hohe Sprünge und schöne Kulissen gibt es beim Snowboarden oft zu bestaunen
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Ob auf der Piste oder in der Stadt, Snowboarden ist mit Schnee überall möglich
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Wer kennt ihn nicht, den kleinen Mann an der Piste, der mit dem Board unterm Arm den Berg hoch wandert
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Immer wieder spektakulär: Sprünge in der Halfpipe
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"I can fly so high, i can fall so deep"
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Shaun White, Snowboard, Halfpipe
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Das Medieninteresse am Boarden wächst gerade in Übersee zunehmend
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Und auch hübsche Mädels dürfen nicht fehlen - gesehen auf dem Air and Style in München 2006
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2006 und 2007 wurde beim Air and Style durchs Münchener Olympiastadion gesprungen
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Schneeresistent muss die Kleidung natürlich auch sein
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SPOX: Was Sie dann aber doch geworden sind.

Evensen: Nachdem ich mit der Schule fertig war, begann es dann ein wenig seriöser zu werden. Viele Leute sagten mir, ich hätte Talent und die ersten Sponsoren kamen auf mich zu und wollten, dass ich mit ihrer Ausstattung fahre. So ergab dann das Eine das Andere. Aber eigentlich mache ich es immer noch, weil es mir in erster Linie Spaß macht.

SPOX: Was würden Sie machen, wenn Sie nicht professionell durchs Gelände springen würden?

Evensen: Wahrscheinlich würde ich Häuser bauen, schließlich habe ich das gelernt. Ich mag es, Dinge mit den eigenen Händen zu errichten.

SPOX: Sie können ganz gut Golfen, heißt es. Wäre das keine Alternative?

Evensen: Ich liebe es, Golf zu spielen und wann immer ich die Zeit und die Möglichkeit habe, stehe ich auf dem Grün. Momentan habe ich ein Handicap von 17,9. Aus Spaß erkläre ich den anderen Jungs immer, dass ich nach dem Snowboarden eine Golferkarriere auf der PGA starte. Diesen Sommer habe ich aber auch viel Tennis gespielt. Das hat mir enorm viel Spaß gemacht, vor allem wenn man so gut ausgerüstet wird, wie ich von Head. Aber da wird es wohl nicht mehr zum Profi reichen.

SPOX: Was macht ein Snowboarder sonst so im Sommer? Vom Klischee her würde surfen ganz gut passen.

Evensen: Was soll ich sagen, aber es stimmt. So oft es geht, versuche ich an den Strand zu kommen und zu surfen. Sechs Wochen sind bei mir im Sommer immer für Indonesien eingeplant. Ein perfekter Ort zum Surfen und zum Krafttanken für den Winter.

Fredrik Evensen in "let's go to get lost" von Isenseven

SPOX: Wer ist Ihr Idol, wen bewundern Sie?

Evensen: Mein Vorbild - da muss ich überlegen. Also Terje Hakonsen hat mich immer sehr inspiriert und momentan mag ich Gigi Rüf und Wolle Nyvelt, die echt klasse Sprünge abseits und auf der Piste machen.

SPOX: Der Durchnittssnowboarder liegt am ersten Tag fast nur auf dem Boden und kommt mit jeder Menge blauen Flecken heim. Was war Ihre schwerste Verletzung?

Evensen: Ich bin mal auf der Piste mit einem Kumpel zusammengeprallt. Wir waren ziemlich schnell unterwegs und ich habe mir eine Rippe gebrochen, die dann auch noch meine Milz verletzte. Ich musste zwei Wochen im Krankenhaus bleiben. Das war schon ziemlich übel.

SPOX: Für Ihren Sport muss man sehr austrainiert sein. Wie oft gehen Sie in der Woche in den Fitnessraum?

Evensen: Ich will gar nicht lügen. Ich bin fast jeden Tag im Fitnessraum und trainiere. Für mich ist aber am wichtigsten, dass ich überhaupt Sport betreiben kann. Ob Fußball oder Free-Climbing, am wichtigsten ist, dass ich mich bewege.

SPOX: Zum Ende noch zu einem Vorurteil: Es kommt zum Teil so rüber, dass das Leben eines Snowboardprofis dem eines Rockstars gleicht: Partys, Mädels und Alkohol. Was ist da dran?

Evensen: Ach da ist nichts dran...

Spox: ...wirklich nicht?

Evensen: Vielleicht war das vor ein paar Jahren so. Ich muss schon zugeben, dass eine kleine Nuance des Snowboardens auch das Feiern und die hübschen Frauen mit einschließt. Aber für mich ist das Ganze jetzt zu ernst geworden. Ich versuche mich ein wenig davon fern zu halten.

Gold für White in der Halfpipe

Interview: Andre Mader

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