Freitag, 08.02.2008

Magdalena Neuner im Interview

Kaffee, Kuchen, Sprint-Gold

Hamburg - Magdalena Neuner feiert am ersten Wettkampftag der Biathlon-Weltmeisterschaft im schwedischen Östersund ihren 21. Geburtstag: "Eine kleine Feier im Rahmen der Mannschaft mit Kuchen und Kaffee wird es sicherlich geben." 

Biathlon, Neuner
© Getty

"Aber der Tag steht natürlich ganz klar unter dem Zeichen des Wettkampfs", sagte die Sportlerin aus Wallgau in Bayern. Die dreifache Weltmeisterin will optimal in die Titelkämpfe starten. "Ja, ich werde versuchen, meinen Sprint-Titel aus Antholz zu verteidigen", so Neuner.

Ein ganz besonderes Lob erhielt sie vor WM-Start von Norwegens Star Ole Einar Björndalen. Sie sei "das Wunderkind", sagte Björndalen in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Es sei "unglaublich, was sie von der Geschwindigkeit her leistet. Von der Substanz, von der Kraft, das ist selten bei einer Frau zu sehen", erklärte der 80-malige Weltcup-Gewinner.

"Magdalena hat auch etwas im Kopf, und das ist sehr wichtig, weil der Druck in Deutschland noch höher ist als in Norwegen", sagte der fünfmalige Olympiasieger Björndalen weiter. 

Frage: Bislang haben Sie im Weltcup läuferisch überzeugen können. Am Schießstand waren Sie aber nicht immer treffsicher. Was können Sie tun, um Ihre Zielsicherheit wieder zu finden?

Magdalena Neuner: Eigentlich muss ich nur schauen, dass ich die guten Trainingsschießergebnisse abrufe. Ich habe in der Wettkampfpause selbstverständlich ein Trainingsschwerpunkt auf das Schießen gelegt und hoffe, dass ich die Dinge nunmehr besser umsetzen kann.

Frage: Bei ihrer letzten Junioren-Weltmeisterschaft haben Sie vor kurzem noch zweimal Gold geholt. Wie wichtig war dieser Doppel-Erfolg kurz vor der "richtigen" WM für Ihr Selbstvertrauen?

Neuner: Siege sind immer gut für das Selbstvertrauen. Die Juniorenweltmeisterschaften habe ich natürlich auch unter dem Aspekt des Schießens als Testwettkämpfe verstanden. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich vor heimischem Publikum zwei weitere Juniorentitel erlangen konnte.

Frage: Beim ersten WM-Wettbewerb in Schweden, dem Sprint-Rennen, sind Sie Titelverteidigerin und rein sportlich gesehen eine "Seniorin". Sie werden ausgerechnet am ersten Wettkampftag 21 Jahre alt. Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?

Neuner: Eine kleine Feier im Rahmen der Mannschaft mit Kuchen und Kaffee wird es sicherlich geben, aber der Tag steht natürlich ganz klar unter dem Zeichen des Wettkampfs. Ja, ich werde versuchen, meinen Sprint-Titel aus Antholz zu verteidigen.

Frage: Mit drei Titelgewinnen bei der letzten WM sind Sie zur jüngsten Dreifach-Weltmeisterin aufgestiegen. In Antholz waren Sie die erfolgreichste Biathletin. Sind diese Superlative mehr Belastung oder Ansporn?

Neuner: Belastung sind meine Erfolge aus Antholz sicherlich nicht. Auf das Erreichte bin ich sehr stolz, und dies kann mir auch keiner mehr nehmen. Ansonsten habe ich selbst keinerlei große Erwartungen; was natürlich von außen erwartet wird, das kann ich nicht beeinflussen, aber ich werde versuchen, das nicht so sehr an mich ranzulassen. Mein Lebensmotto ist, das Beste zu geben, denn dann braucht man sich überhaupt nichts vorwerfen.

Frage: Können Sie diese Serie in Östersund wiederholen?

Neuner: Es wird sicherlich schwer werden, wenn man an eine Wiederholung der drei Goldmedaillen denkt, anderseits muss man sehen, dass man auch sehr schnell die Chance haben kann, es zu wiederholen. Der Schlüsselwettkampf ist der Sprintwettbewerb. Wenn einem dieser gelingt und man ihn sogar gewinnen kann, dann hat man eine gute Grundlage für den Verfolger, und in der Staffel können wir die Favoritenrolle ja nicht von uns weisen. Aber das ist alles Spekulation. Ich werde mein Bestes geben, und wir werden sehen, was dabei rauskommt.

Frage: Sie sind nicht nur Dreifach-Weltmeisterin und mehrfache Junioren-Weltmeisterin, sondern auch Sportlerin des Jahres, Juniorsportlerin des Jahres und Biathletin des Jahres. Sie haben den Goldenen Ski erhalten und sind noch mit anderen Trophäen ausgezeichnet worden. Haben Sie als Kind von solchen Erfolgen geträumt?

Neuner: Ich wollte ja immer Leistungssportlerin werden und Leistungssportler haben Ziele und Träume; dass sich meine Träume so schnell erfüllen ließen, damit habe ich selbstverständlich nicht gerechnet.

Frage: Sie gelten mittlerweile als Sport-Star. Wie sehr hat sich Ihr Leben durch den sportlichen Erfolg verändert? Schließlich sollen Sie schon längst Millionärin sein?

Neuner: Ich behaupte einfach, dass ich diejenige bin, die ich auch immer war. In meiner Familie ist das Bewusstsein für die wichtigen Dinge im Leben stark verankert. Ich habe sicherlich mehr Verpflichtungen und weniger Zeit für Privates, aber das sind Äußerlichkeiten, die meinen Kern nicht verändert haben. Den Begriff Werbemillionärin höre ich nicht so gerne, weil er etwas Marktschreierisches hat. Ich habe eine auskömmliche Vermarktungssituation. Im Vordergrund steht für mich aber der Sport.

Frage: Wie schaffen Sie es, sich die notwendigen Ruhepausen zu gönnen?

Neuner: Ich habe gelernt, mir diese Pausen einfach einzuräumen und auch mal zu Dingen Nein zu sagen.

Frage: Wer hält Sie auf dem Boden?

Neuner: Wie schon gesagt ­ in meiner Familie ist das Bewusstsein für die wichtigen Dinge im Leben stark verankert. Ich bin eine gute Biathletin, die sehr wohl den Blick für die Leistung der Menschen in allen Bereichen hat: Ich kann gut laufen und schießen, ein anderer malt schön, ein guter Chirurg führt eine schwierige Operation durch. Jeder Mensch hat Talente für irgendetwas. Ich halte mich für nichts Besonderes, nur weil man mich bei der Ausübung meines Talents auch im Fernsehen sehen kann.

Frage: Auch die Biathletinnen werden immer wieder mit Doping-Verdächtigungen konfrontiert. Belastet Sie das?

Neuner: Ich selbst weiß, wo meine Leistung herkommt, und ich habe auch in mehreren Interviews bereits stärkere Kontrollen für uns alle angemahnt. Ich bin für harte Strafen bei Doping und langfristige Sperren. Ansonsten ist vieles Einzelfallbetrachtung, und die Diskussion über Doping birgt auch manches pauschale Vorurteil in sich.

Frage: Glauben Sie, dass im Biathlon-Sport alles sauber zugeht?

Neuner: Nun, die Frage ist sicherlich zu verneinen, denn es gab ja bereits Dopingfälle. Man sollte einerseits nicht naiv mit dem Thema umgehen, andererseits aber auch nicht mit Pauschalierungen arbeiten, die keine Grundlage haben.

Frage: Wie sollte der Sport mit Dopingsündern umgehen?

Neuner: Stärkere Kontrollen, langfristige Sperren für Dopingsünder.


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