"Ich will der Beste sein - überall"

Von Interview: Daniel Börlein
Freitag, 04.01.2008 | 09:33 Uhr
Ole Einar Björndalen
© Getty
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München - Er hat alles gewonnen. Er ist der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten. Er ist der Dominator schlechthin. Doch vom Siegen kann Ole Einar Björndalen nicht genug bekommen.

Im Gespräch mit SPOX.com erklärt der 33-Jährige, was ihn antreibt, wobei er abschalten kann - und warum es nur sportliche Schlagzeilen über ihn gibt.

SPOX: Im Weltcup läuft es in dieser Saison schon sehr früh sehr gut. Schafft es noch Mal ein Konkurrent, sie von Platz eins der Gesamtweltcupwertung zu verdrängen?

Ole Einar Björndalen: Momentan schaut es sehr gut aus. Es gibt aber einige Russen, die in diesem Jahr sehr stark sind. Im Januar werden sich die Deutschen auch noch deutlich steigern. Auch mit den Norwegern rechne ich noch. Insgesamt ist die Konkurrenz härter als im letzten Jahr.

SPOX: Viele Leute wundern sich, wie Sie sich immer wieder aufs Neue motivieren können. Immerhin haben Sie schon alles gewonnen. Wie gelingt Ihnen das?

Björndalen: Für mich sind meine Erfolge eigentlich immer relativ schnell Geschichte. Ich denke immer wieder an die Zukunft. In jedem Jahr geht es wieder bei Null los. Ich freue mich jedes Jahr, diesen Sport machen zu dürfen und, dass es wieder los geht. Ich gehe dann in die Saison rein und sage mir: Ich will der Beste am Schießstand und der Beste in der Loipe sein.

SPOX: Gibt es nicht auch mal Tage, an denen sie sagen: Ich habe keine Lust?

Björndalen: Solche Momente gibt es wirklich nur sehr selten. Klar gibt es Tage, an denen einem alles schwerer fällt. Aber da muss man dann kämpfen und sich Ziele setzen. Und wenn man diese Ziele erreichen will, dann muss man eben auch durch solche Tage durch.

SPOX: Vor allem in der Loipe sind Sie im Normalfall unschlagbar. Trainieren Sie mehr oder besser als der Rest oder ist es einfach Talent?

Björndalen: Ich habe sicher ein gewisses Talent, aber es gibt auch viele andere Athleten mit Talent. Auch vom Training her gibt es nicht die großen Unterschiede. Man muss einfach hart trainieren, wenn man erfolgreich sein will. Ich denke, bei mir spielt der Kopf eine große Rolle. Der ist beim Biathlon sehr wichtig. Zudem hatte ich immer sehr gute Trainer, die mir sehr viel beigebracht haben.

SPOX: Was machen Sie zum Ausgleich? Wobei können Sie vom Sport abschalten?

Björndalen: Meine Frau Natalie hat ein Pferd. Ich kann zwar selbst nicht wirklich reiten, aber ich probiere es immer wieder mal. Und das macht sehr viel Spaß. Denn dabei kann ich auch viel Zeit mit meiner Frau verbringen. Wenn ich alleine bin, dann fahre ich gerne Auto. Dabei kann ich gut entspannen und abschalten.

SPOX: Welche Ziele haben Sie sich über die Saison hinaus gesteckt?

Björndalen: Das liegt immer daran, was ich noch leisten kann. Wenn ich meine Erwartungen erfülle, dann kann man immer den nächsten Schritt machen.

SPOX: Gibt's schon Pläne für die Zeit nach der Karriere? Wird man Sie vielleicht als Trainer wiedersehen?

Björndalen: Einen Trainer werde ich nicht machen. Vielleicht Privattrainer. Aber für eine Mannschaft sicher nicht.

SPOX: Immer wieder machen Sie auch einen Ausflug zum Langlauf. Warum eigentlich?

Björndalen: Es ist einfach sehr schön, den Vergleich zu ziehen. Das ist sehr motivierend für mich, vor allem, wenn ich dann noch vorne mitlaufen kann. Andererseits sehe ich auch, wo ich mich noch verbessern kann. Gegen Axel Teichmann hatte ich beispielsweise keine Chance, obwohl ich mich gut gefühlt habe.

SPOX: Sie leben seit einiger Zeit bei Ihrer Frau in Südtirol. Ist das Ihre neue Heimat?

Björndalen: Ich fühle mich sehr wohl dort unten. Ich werde dort sicher bleiben, solange ich aktiv bin. Was nach meiner Karriere passiert, habe ich noch nicht entschieden.

SPOX: Woran liegt es eigentlich, dass man von Ihnen relativ wenig sieht, hört und liest? Immerhin sind Sie der beste Biathlet aller Zeiten.

Björndalen: Ich konzentriere mich auf den Sport. Das ist das Wichtigste. Ich versuche, Schlagzeilen durch den Sport zu machen und nicht durch sonst irgendetwas. Meine Stärken liegen eben im sportlichen Bereich, und warum sollte ich durch sonst irgendetwas von mir Reden machen. In anderen Sportarten sorgen die Athleten schon immer wieder für Schlagzeilen, aber für Biathleten passt das irgendwie nicht.

SPOX: In Deutschland macht man sich ein wenig Sorgen um Michael Greis, der bislang doch weit hinterherlief. Was ist los mit ihm?

Björndalen: Ich denke, Michael ist in keinem Loch. Im Januar wird er wieder kommen. Er hat im Sommer gut gearbeitet und hat alles, was ein guter Athlet braucht. Wenn er sich wieder etwas Selbstvertrauen holt, dann gelingt ihm auch mehr.

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