Wolf nun mit Gewichtheber-Coach

SID
Mittwoch, 24.10.2007 | 17:32 Uhr
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Berlin - Die Vorbereitung war perfekt, Verletzungen blieben aus: Jenny Wolf ist so schnell wie nie in eine Saison der Eisschnellläufer gestartet.

Schon zwei Wochen vor dem offiziellen Auftakt mit den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Erfurt egalisierte die "schnellste Frau auf dem Eis" in 38,25 Sekunden in Inzell den Freiluft-Weltrekord über 500 m und ließ eine Woche später in ihrer Heimatstadt Berlin in 38,01 Sekunden die nächste Topzeit folgen.

"Beide Rennen habe ich aus vollem Training heraus bestritten. Da darf man gespannt sein, was in dieser Saison möglich ist. Auf jeden Fall will ich zeigen, dass mein Weltrekord kein Ausrutscher war", kündigte die 28-jährige Berlinerin an.

Die Literaturstudentin hat nun ihre Magisterarbeit zum Thema "der Nationalsozialismus in der Kinder- und Jugendliteratur" abgegeben. "Ich fühle mich jetzt wie befreit nach den vielen stressigen Monaten. Jetzt habe ich den Kopf wieder frei für das Eisschnelllaufen", meinte sie. Zur Abrundung ihres Studiums fehlt ihr nun nur noch eine Abschlussarbeit.

WM-Titel lange im Kopf

Der fantastische Ausklang der vorangegangenen Saison, als sie in Weltrekordzeit von 37,04 Sekunden in Salt Lake City einzige deutsche Eisschnelllauf-Weltmeisterin wurde, spukte noch lange in ihrem Kopf herum.

"Natürlich ist es ein Bürde, so eine Traumzeit zu laufen, an der man nun immer gemessen wird. Aber es ist auch ein schönes Gefühl, dass ich jetzt in dieser Situation bin. Ich muss nur sehen, wie groß der Druck nun wird", sagte die Hauptstädterin.

Veränderungen des Trainings

Im Training hat sie gegenüber dem Vorjahr einiges verändert, so unter anderem das Krafttraining mit Hilfe eines Gewichtheber-Trainers vom Olympiastützpunkt Berlin intensiviert. "Auch Shorttrack stand natürlich wieder auf dem Programm, und auch die Umfänge haben zugenommen. Die Zeiten zu Saisonbeginn zeigen, dass meine Form klasse ist. Im Sommer hatte sich dies schon angedeutet."

Trotz der Erfolgsstory im vorigen Winter mit dem Titel "der schnellsten Frau auf dem Eis", dem Weltrekord, dem Gewinn der Gesamt-Weltcups über 100 und 500 Meter und sechs Streckensiegen auf Weltcup-Eis, wurmt die Berlinerin immer noch ein wenig der Sturz bei den Welttitelkämpfen im Sprint-Vierkampf in Hamar. Im Februar dominierte sie zwei Mal die 500 m, stürzte dann aber über 1000 m und büßte alle Hoffnungen auf ihre erste WM-Medaille ein.

Anni Friesinger gewann damals souverän den Titel.

Brennen auf die Revanche

"Die 1000 Meter habe ich weiterhin nicht sonderlich trainiert. Aber eines ist klar: Mit einer höheren Grundschnelligkeit werde ich auch auf der längeren Strecke Fortschritte machen. Diesmal finden die Sprint-WM ja auf meiner Lieblingsbahn in Heerenveen statt: Da brenne ich auf Revanche", kündigte sie auch Anni Friesinger einen heißen Kampf an.

Diese ist auf dem längeren Kanten der Berlinerin bisher weit überlegen und gilt wieder als Top-Favoritin auf Vierkampf-Gold.

Verzicht auf die 100 Meter 

Hinweise, wie ernst es Jenny Wolf mit dem Vierkampf ist, könnten schon die deutschen Meisterschaften ab Freitag in Thüringen geben. Immerhin verzichtet Jenny Wolf erstmals auf einen Start über die nichtolympischen 100 Meter, auf denen sie seit Einführung der Distanz 2003 sechs Mal in Folge zu Titelehren gekommen ist. Dafür tritt sie über die 1000 Meter an.

"Ich möchte jede Möglichkeit zu einem Start über die längere Strecke nutzen und vor allem ein wenig an der Technik feilen", sagte sie.

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