Die grüne Welle

Von Torsten Adams
Donnerstag, 03.07.2008 | 10:07 Uhr
tour de france, radsport, frankreich, mcewen, freire, zabel, massensprint
© Imago
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München - Bei den Leichtathleten wird die letzte Runde eingeläutet, im Radsport gibt es die Flamme Rouge. Wenn dieses rote Stück Stoff erscheint, schlägt die Stunde der Sprinter.

Ob Thor Hushovd, Robbie McEwen oder Erik Zabel, sie alle haben ein Ziel: das Grüne Trikot des besten Sprinters der Tour am 27. Juli in Paris zu tragen.

SPOX.com stellt die Männer mit den schnellen Beinen vor und sagt, wer sich berechtigte Hoffnungen auf das berühmte Maillot Vert machen darf.

  Robbie McEwen (Silence-Lotto): Der Draufgänger
 

Der 36-Jährige ist bekannt für seine rücksichtslose und aggressive Fahrweise. Packt im Massenspurt schon mal den Ellenbogen aus und hat sich aufgrund dessen schon den Kampfnamen "Rambo" erworben. Besticht allerdings auch durch seine exzellenten Steuerkünste und herausragende Radbeherrschung.

Im Feld der Sprinter ist der Einzelgänger derjenige, der am wenigsten auf eine Mannschaft angewiesen ist. Unterstrich bei der Tour de Suisse mit zwei Etappensiegen seine starke Form. Einziges Manko: Er hat bei steilen Rampen mitunter Schwierigkeiten, im Grupetto zu bleiben, was ihn enorme Energie kostet.  

Fazit: Bringt alles mit für einen vierten Streich. Schon  2002, 2004 und 2006 gewann er das Maillot Vert. Setzt man die Zahlenreihe fort, heißt der Sprintkönig 2008 Robbie McEwen.

  Thor Hushovd (Credit Agricole): Das Multitalent
 

Der Norweger ist ein echter Allrounder: durchsetzungsfähig in Ausreißergruppen, passabler Zeitfahrer, kommt gut über die Berge und verfügt vor allem über eine hohe Endschnelligkeit. Gerade in flachen oder abfallenden Sprintankünften aufgrund seines hohen Gewichts (81 kg) kaum zu stoppen. Will sich nach 2005 zum zweiten Mal das begehrte Trikot sichern.

Sein Vorteil: Das komplette Team steht ihm zur Unterstützung zur Verfügung. Sein Nachteil: Im kompletten Team befindet sich kein Fahrer mit herausragenden Anfahrer-Qualitäten.

Fazit: Nach dem Ausfall der drei Topsprinter Tom Boonen, Daniele Bennati und Alessandro Petacchi ist Hushovd zusammen mit McEwen der Topfavorit auf Grün.

  Erik Zabel (Milram): Der Rekordsieger
 

Nach Rudi Altig (1962) und Olaf Ludwig (1990) erst der dritte Deutsche, der das Grüne Trikot gewann. Das aber gleich sechs Mal. Mittlerweile sind die Erwartungen an den 37-jährigen Berliner nicht mehr ganz so hoch: "Das Team soll Erik Zabel wieder so nah wie möglich ans Grüne Trikot heranbringen", sagte Team-Manager Gerry van Gerwen.

Auch Zabel selbst schätzt seine Chancen realistisch ein: "Ich gehöre nicht mehr zu den vier bis fünf schnellsten Sprintern. Für einen Tageserfolg brauche ich die eine Etappe, bei der alles stimmt." Aber: Im Kampf um Grün ist neben Etappensiegen vor allem das konstante Sammeln von Punkten entscheidend. Zabels Traum erscheint daher nicht ganz unerfüllbar: "Mein Ziel ist es nach wie vor, das Grüne Trikot zu erobern."

Fazit: Auch mit geringerer Endschnelligkeit und zweiten Etappenplätzen kann man Grün holen. Zabel ist einmal mehr ein heißer Kandidat.

  Oscar Freire (Rabobank): Der Sensible
 

Der dreifache Weltmeister ist unter den Topsprintern der stärkste auf welligem Terrain. Sein Punktekonto könnte daher bereits in der ersten Tourwoche einen stattlichen Vorsprung aufweisen. Einer der Topfavoriten auf den Sieg der ersten Etappe.

Die große Schwäche des Spaniers ist seine Verletzungsanfälligkeit. Immer wiederkehrende Rückenbeschwerden hinderten ihn bis dato, nach dem Grünen Trikot zu greifen. Drei vorzeitige Ausstiege bei vier Tour-Teilnahmen sprechen eine eindeutige Sprache.

Fazit: Der Spanier hat nur eine Chance auf Grün in Paris, wenn er drei Voraussetzungen erfüllen kann: ein beträchtliches Punktepolster vor den ersten Bergankünften, die physische Stabilität über 21 Etappen und die mentale Stärke bis zum letzten Meter auf den Champs Elysees.

  Gerald Ciolek (Columbia): Der Neuling
 

Der Pulheimer gibt sein Tour-Debüt und muss seine Konstanz erst noch unter Beweis stellen. Ex-Profi Marcel Wüst glaubt dennoch an den ganz großen Wurf des 21-Jährigen: "Ich traue ihm sogar zu, dass er die Abschlussetappe auf den Champs Elysees gewinnt."

Ciolek ist bekannt für seine Power-Sprints, regeneriert gut und verkraftet schwere Etappen. Könnte früh für Furore sorgen, da die Zielankünfte besonders zu Beginn nicht komplett flach, sondern ansteigend sind.

Fazit: Angesichts der starken Konkurrenz kommt ein Angriff auf das Grüne Trikot für ihn noch zu früh. Blendet Ciolek den für ihn unbekannten Medienrummel aus und bestätigt seine starken Leistungen aus der Vorbereitung, kann er jedoch zur großen Überraschung avancieren.

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