Sonntag, 04.04.2010

Radsport

Cancellara gewinnt Flandern-Rundfahrt

Der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara hat die 94. Flandern-Rundfahrt für sich entschieden. Lance Armstrong zeigte auf den 262 Kilometern eine starke Leistung.

Zeitfahrspezialist Fabian Cancellara wurde in seiner Paradedisziplin 2006, 2007 und 2009 Weltmeister
© sid
Zeitfahrspezialist Fabian Cancellara wurde in seiner Paradedisziplin 2006, 2007 und 2009 Weltmeister

Fabian Cancellara hat den Flamen den inoffiziellen Nationalfeiertag verdorben und die 94. Flandern-Rundfahrt gewonnen. Der Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger setzte sich in einem knallharten Ausscheidungsrennen über 262 km von Brügge nach Meerbeke als Solist deutlich vor den belgischen Radprofis Tom Boonen und Philippe Gilbert durch.

Lance Armstrong zeigte bei dem Frühjahrsklassiker eine starke Leistung, spielte aber im Kampf um den Sieg erwartungsgemäß keine Rolle. Von den deutschen Kopfsteinpflaster-Spezialisten hielten sich Marcus Burghardt (BMC) und Marcel Sieberg (Columbia) am längsten aussichtsreich im Rennen, verpassten aber letztlich das Podium deutlich.

Cancellara sticht flämischen Publikumsliebling aus

In Heinrich Haussler (Cervelo) hatte der einzige deutsche Sieganwärter wegen einer Knieverletzung auf das Rennen verzichten müssen. Trotz des teilweise widrigen Aprilwetters mit Windböen und heftigen Schauern säumten über eine Million Fans die Strecke, die mit unzähligen Kopfsteinpflasterpassagen und 15 giftigen Anstiegen das ganze Können der Profis forderte.

Der Jubel wurde jedoch merklich leiser, als Cancellara (Saxo Bank) den flämischen Liebling Boonen (Quick Step) an der berühmten Mauer von Geraardsbergen knapp 15 km vor dem Ziel abhängte. Cancellara, auch Weltmeister im Kampf gegen die Uhr, hatte zuvor am Molenberg, dem zehnten sogenannten Helling (Anstieg), die vorentscheidende Attacke gesetzt und das Feld gesprengt.

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Auf dem holprigen Kopfsteinpflaster folgte nur Top-Favorit Boonen, an der bis zu 20 Prozent steilen Muur ging aber schließlich auch ihm die Luft aus. Cancellara ließ es dann auf dem letzten Kilometer ruhig angehen und zeigte seinen Glücksbringer mit einem breiten Grinsen in die TV-Kameras. Mit der Nationalflagge in der Hand überquerte er die Ziellinie und feierte den ersten Schweizer Sieg bei der Ronde.

Armstrong-Attacke scheitert

Boonen, der das Rennen 2005 und 2006 gewonnen hatte, verpasste somit erneut die Chance auf den dritten Sieg. In der Geschichte der Rundfahrt siegten bisher nur Johan Museeuw, Eric Leman, Fiorenzo Magni und Achiel Buysse dreimal. Dagegen hat Cancellara nach seinen Siegen bei Mailand-San Remo (2008) und Paris-Roubaix (2006) auch den dritten großen Frühjahrs-Klassiker gewonnen. Der siebenmalige Toursieger Armstrong, der erstmals seit 2005 an dem Rennen teilnahm, zeigte sich lange Zeit im vorderen Teil des Feldes und attackierte 50 km vor dem Ziel sogar.

Cancellaras Angriff nur wenige Kilometer später war dann allerdings zu viel für den 38-Jährigen. Der RadioShack-Kapitän nutzte das Rennen ohnehin nur als Vorbereitung für die Tour de France, die im Juli ebenfalls durch Belgien und über einige Kopfsteinpflasterpassagen führt.

Als die Post auf den letzten 25 km abging, war das Tempo auch für Stijn Devolder zu hoch. Der Sieger der vergangenen beiden Jahre verpasste somit den Hattrick, der bisher nur dem Italiener Magni (1949-51) gelungen war.

Bei den Frauen triumphiert Belgierin Verbeke

Mit der Flandern-Rundfahrt ist nach Mailand-San Remo das zweite von fünf sogenannten Radsport-Monumenten der Saison absolviert. Am kommenden Sonntag folgt Paris-Roubaix, Ende April Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Die Lombardei-Rundfahrt findet traditionell am Saisonende im Oktober statt. Bisher gelang es lediglich den drei Belgiern Rik van Looy, Eddy Merckx und Roger de Vlaeminck jedes dieser Rennen mindestens einmal zu gewinnen.

Im Frauen-Rennen verpasste Vorjahressiegerin Ina-Yoko Teutenberg (Columbia) einen erneuten Triumph. Die Belgierin Grace Verbeke (Lotto) siegte vor dem niederländischen Duo Marianne Vos (Nederland Bloeit) und Kirsten Wild (Cervelo).

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