"Ich brauche keinen Respekt"

Von Interview: Alexander Mey
Sonntag, 04.03.2012 | 14:00 Uhr
Andy Priaulx (r.) kommt als dreimaliger Tourenwagen-Weltmeister mit BMW in die DTM
© Getty
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Andy Priaulx ist Weltmeister, einer der erfolgreichsten Motorsportler der Welt. In der DTM betritt er mit BMW nun unbekanntes Terrain - und er selbst ist weitgehend unbekannt. SPOX sprach mit dem Engländer über mangelnden Respekt, das Entwicklungspotenzial der DTM, fast vergessene Gefühle, Twitter und den Tod von Whitney Houston.

SPOX: Wann waren Sie zum letzten Mal in Ihrem Leben ein Rookie?

Andy Priaulx: Das ist eine gute Frage. Ich denke, das war 2003, als ich in die Tourenwagen-Europameisterschaft gekommen bin. Das ist also schon eine ganze Weile her.

SPOX: Wie kommen Sie mit diesem fast vergessenen Gefühl zurecht?

Priaulx: Ich liebe es, es ist großartig! Ich habe alles zu beweisen und nichts zu verlieren, das gefällt mir sehr. Jahrelang war ich der Champion und alle hatten es auf mich abgesehen. Jetzt bin ich psychologisch in einer völlig anderen Situation. Alles verändert sich, das mag ich.

SPOX: Als BMW Ihnen angeboten hat, in die DTM mitzukommen, hatten Sie jemals Zweifel? Sie hätten mit 37 Jahren ihre erfolgreiche Karriere genauso gut beenden können.

Priaulx: Ich habe keinen Moment gezögert. Ich hatte eine tolle Karriere mit BMW und wollte schon immer einmal in der DTM fahren. Als dann klar wurde, dass BMW in die DTM geht, war ich sehr aufgeregt. Ich hoffe, die kommenden Jahre werden die besten in meiner Laufbahn. Meine Reise ist noch nicht zu Ende und ich gehe davon aus, dass mein bester Moment im Motorsport noch vor mir liegt.

SPOX: Fühlen Sie sich neben den etablierten DTM-Piloten trotz Ihrer Erfolge als Underdog?

Priaulx: Der war ich, seit ich Rennen fahre, immer. Ich war immer derjenige, der vermeintlich nicht das Geld hatte, zum erfolgreich zu sein. Derjenige, der in den kleinen Teams fuhr. Aber rückblickend muss ich sagen, dass ich in diesen Situationen immer am besten war. Ich lege es nicht darauf an, der Underdog zu sein, weil ich es mir nicht unnötig schwer machen will. Aber wenn es nun einmal so ist, dann ist es okay für mich.

SPOX: Haben Sie ein Problem damit, dass DTM-Fahrer, die wesentlich weniger gewonnen haben als Sie, in Deutschland sehr viel bekannter sind?

Priaulx: Nein, denn außerhalb des DTM-Umfelds geht es ihnen ja genauso. Dort sind sie unbekannter als ich. Das sehe ich auch als eine Aufgabe für die DTM und mich. Die DTM muss international bekannter und bedeutender werden. Mich motiviert die Tatsache, dass ich hier unbekannt bin. Am Ende des Jahres weiß hoffentlich jeder, wer Andy Priaulx ist.

SPOX: Ihre Kollege sollten das jetzt schon wissen.

Priaulx: Sicher, aber ich erwarte trotzdem keinen Respekt. Und ich brauche auch keinen Respekt. Ich mache nur meinen Job und hoffe, mir meinen Respekt durch meine Leistungen zu verdienen. Entscheidend ist für mich ohnehin, dass ich in den Spiegel schauen und stolz sein kann.

SPOX: Was ist der größte Unterschied zwischen Ihrem neuen DTM-Auto und Ihrem alten WTCC-Tourenwagen?

Priaulx: Das DTM-Auto ist viel schneller und abhängiger von der Aerodynamik. Ich erwarte daher weniger Überholmanöver als in der WTCC. Es wird etwas mehr meinen Langstrecken-Einsätzen ähneln, denke ich.

SPOX: Sie haben einmal gesagt, dass ein Fahrer nicht zu lange in einer Serie fahren sollte. War der Wechsel in die DTM überfällig?

Priaulx: Ich war etwas länger in der WTCC, als ich geplant hatte. Nach meinem dritten WM-Titel 2007 wäre vielleicht ein guter Zeitpunkt gewesen, um eine neue Herausforderung zu suchen. Aber ich wollte unbedingt bei BMW bleiben und die waren damals eben nur in der Tourenwagen- und der Formel-1-WM aktiv.

SPOX: BMW für immer?

Priaulx: Auf jeden Fall. Es wäre dumm von mir, meiner Vergangenheit den Rücken zuzukehren. Genauso wäre BMW nicht gut beraten, mich aufgrund meiner Vergangenheit nicht für sich zu nutzen.

SPOX: Haben Sie die DTM schon früher verfolgt?

Priaulx: Ja und nein. Da ich nicht in Deutschland war, war es manchmal nicht ganz leicht, Informationen zu bekommen. Aber seit BMW beschlossen hat zurückzukehren, habe ich mich intensiv mit der DTM befasst.

SPOX: Bedeuten die Namen Mercedes und Audi, gegen die Sie 2012 fahren werden, für Sie ein höheres Maß an Konkurrenz als Seat und Chevrolet in der WTCC?

Priaulx: Vielleicht geht es in den Teams noch etwas professioneller zu, aber auf der Strecke glaube ich das nicht. Wir hatten auch in der WTCC eine extrem hohe Leistungsdichte.

SPOX: Einige ehemalige Formel-1-Fahrer, die in die DTM gekommen sind, hatten große Probleme. Glauben Sie, dass es für Sie als Tourenwagen-Fahrer leichter wird?

Priaulx: Nennen Sie mir einen Fahrer, der keine Probleme hatte, als er in die DTM gekommen ist. Sie tun sich alle schwer. Man muss verstehen, dass die etablierten DTM-Fahrer ihre Kunst beherrschen, weil sie sie schon seit Jahren ausüben. Das kann man nicht mal eben wettmachen, egal, aus welcher Serie man kommt.

SPOX: Sie sind sehr aktiv bei Twitter. Wie wichtig ist Ihnen Social Media?

Priaulx: Am Anfang habe ich es nur für meine Familie genutzt. Anstatt 15 Mal am Tag mit mir zu telefonieren, sollten sie bei Twitter mitverfolgen können, was ich den ganzen Tag mache. Doch seitdem ist Social Media ein viel größerer Markt geworden. Natürlich geht es in erster Linie darum, deinen Namen als Marke aufzubauen. Aber mir ist auch der direkte Zuspruch der Fans in jeder Lebenslage wichtig. Ich nutze das als Motivation.

SPOX: Es gab einen Tweet von Ihnen direkt nach dem Tod von Whitney Houston. Waren Sie ein Fan?

Priaulx: Sie war eine großartige Sängerin und ihr Tod war ein Schock. Ich hoffe, die Leute lernen aus ihrem traurigen Schicksal, dass Ruhm nicht immer glücklich macht. Das Glück muss von einem selbst kommen.

SPOX: Spielt Musik für Sie generell eine große Rolle?

Priaulx: Ich mag alle möglichen Musikstile sehr gerne. Aber ich bin nicht der Typ, der Musik nutzt, um sich zu pushen oder in besondere Stimmungen zu bringen. Dafür habe ich andere mentale Werkzeuge.

DTM-Rennkalender: Alle Rennen im Überblick

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