Sicherheitsdebatte nach Wheldons Tod

"Ich konnte ihre Angst spüren"

Von Alexander Mey
Dienstag, 18.10.2011 | 13:32 Uhr
Dan Wheldon (l.) kam bei diesem Horrorunfall in Las Vegas ums Leben
© Getty
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Der tödliche Unfall von Dan Wheldon beim IndyCar-Rennen in Las Vegas tritt eine gewaltige Sicherheitsdiskussion los. Aus den USA und Europa hagelt es Kritik. Die USA haben nun ihren Ayrton-Senna-Moment.

Nach dem tragischen Unfalltod von Dan Wheldon, der nach einem Massencrash in die Fangzäune krachte und im Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen erlag, ist die Trauer riesig. Motorsportler aus aller Welt, auch aus der Formel 1, zeigten sich erschüttert.

Doch der Schockzustand, der direkt nach dem Horrorunfall in Las Vegas herrschte, weicht langsam der Erkenntnis, dass es bei den IndyCars nicht so weitergehen kann wie bisher.

Piloten hatten schlechtes Gefühl

Die wahrscheinlich schnellste Rennserie der Welt ist einfach viel zu gefährlich, Rennen wie das in Las Vegas gleichen gar einem Himmelfahrtskommando. IndyCar-Pilot Adrian Fernandez berichtete von einem Treffen mit Wheldon und anderen Fahrern kurz vor dem Rennstart am Sonntag: "Niemand fühlte sich wohl, ich konnte ihre Angst spüren."

Der Kurs, ein ultraschnelles 1,5 Meilen-Oval, auf dem im Training Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 350 km/h erreicht wurden, war mit 34 gemeldeten Autos überfüllt. "Wir wussten alle: Wenn sich hier zwei Autos berühren, dann endet das im Desaster", gab Pilot Alex Tagliani zu.

"Die kleinsten Fehler haben katastrophale Auswirkungen"

Ex-Formel-1-Weltmeister und IndyCar-Champion Nigel Mansell erklärte: "Das Problem ist, dass es keine kleinen Unfälle gibt. Die kleinsten Fehler haben katastrophale Auswirkungen und Dan war leider das letzte Glied in der Kette."

Wheldon hatte in der Tat mit dem eigentlichen Crash beim Rennen in Las Vegas nichts zu tun. Er kam erst später an die Unfallstelle, raste jedoch einem abbremsenden Vordermann aufs Hinterrad, hob ab und knallte anstatt in die abfedernden so genannten SAFER-Walls in die veralteten Fangzäune, die eher die Zuschauer schützen sollen als die Fahrer.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände, aber auch ein Szenario, das gleich mehrere Schwachstellen im Sicherheitskonzept der IndyCars aufgedeckt hat.

Mehrere Schwachstellen im Sicherheitskonzept

Die Geschwindigkeit: Eine der Fragen nach dem Drama in Las Vegas war: Müssen IndyCars unbedingt mit über 350 km/h über die Strecken rasen? Würden nicht 250 auch reichen? "Man muss nicht so schnell fahren, um die Zuschauer zu unterhalten", erklärte David Coulthard im "Telegraph". Ex-IndyCar-Pilot Mark Blundell stellte die Frage: "Würden die Zuschauer den Unterschied zwischen 350 km/h und 250 km/h überhaupt sehen?"

Die Autos: Es ist Fakt, dass ein IndyCar-Bolide nicht so sicher ist wie ein Fomel-1-Bolide. Das liegt vor allem am Monocoque, dessen Sicherheit in der F1 in den letzten 15 Jahren bis nahe an die Perfektion verbessert worden ist.

Ein wichtiger Pluspunkt ist zum Beispiel, dass der Tank eines Formel-1-Autos von der gleichen Kohlefaser-Struktur geschützt wird wie der Fahrer. Das macht Feuerunfälle, wie sie in den USA häufiger vorkommen, zumindest sehr viel unwahrscheinlicher.

Beiden Formel-Autos gemein sind die freistehenden Räder. In der Formel 1 führt das nur in Ausnahmefällen zu schlimmen Unfällen wie gerade zuletzt dem von Michael Schumacher und Sergio Perez in Singapur oder dem Überschlag von Mark Webber 2010 in Valencia. Auf einem Oval rasen die Piloten das ganze Rennen über Rad an Rad um den Kurs - und zwar ohne riesige Auslaufzonen, die auf Formel-1-Rennstrecken heutzutage Standard sind.

2012 kommt das neue IndyCar, das durch halb verkleidete Räder verhindern soll, dass sich Autos ineinander verhaken und abheben. Ein großer Fortschritt, der für Wheldon leider zu spät kommt.

Die Strecken: Dass das Oval in Las Vegas zu klein war für 34 Autos, haben die Piloten selbst erkannt. Aber ist die Frage nicht viel eher, ob Formel-Autos mit freistehenden Rädern überhaupt auf Ovalkursen fahren sollten?

NASCAR-Serienchampion Jimmie Johnson meint, nein: "Ich würde sie nicht auf Ovalen fahren lassen. Diese Autos sind fantastisch für Straßenkurse, aber 350 km/h in einem Oval? Ich bin noch nie 350 km/h gefahren. Und sie haben im Vergleich zu mir viel weniger Knautschzone, ein offenes Cockpit und auch noch frei stehende Räder."

Sein Credo: Überlasst die Ovale den Stockcars, die voll verkleidet sind und genügend Knautschzone besitzen. Blundell stimmt ihm zu: "Diese Art Autos gehört nicht auf solche Rennstrecken."

Die Fahrer: Dan Wheldon war ein Veteran in der Serie und er hatte viel Erfahrung. Das kann man aber bei weitem nicht von allen Piloten behaupten, die in den USA auf die Ovale losgelassen werden. "Ich habe schon nach fünf Runden gesehen, dass die Kerle angefangen haben, Dummheiten zu machen", beschrieb IndyCar-Champion Dario Franchitti die Minuten vor dem Massencrash, in den 15 Autos verwickelt waren.

Sein Kollege Tagliani prangerte ganz offen die Fahrweise einiger Kollegen an: "Ich hoffe, dass ein paar Leute mal darüber nachdenken, wie sie in Zukunft fahren wollen. Einige gehen manchmal über das Limit hinaus, haben keinen Respekt und suchen nach Ärger. Den haben sie jetzt bekommen. Jetzt werden sie hoffentlich aufhören, wie eine Horde von Idioten zu fahren."

Mansell sagte: "Sie müssen sich wirklich Gedanken über die Qualität ihrer Fahrer machen. Die Piloten, die in die Formel 1 kommen, sind allesamt großartige Fahrer, die Titel gewonnen haben, sich durch die Nachwuchsklassen nach oben gearbeitet haben und eine Superlizenz besitzen. An dieser Qualität zweifle ich bei den IndyCars manchmal. Und es sind in der Regel die unerfahrenen Piloten, die Unfälle provozieren."

Piloten denken an Rücktritt

Wheldon war nicht unerfahren und trotzdem hat er auf der Rennstrecke sein Leben verloren. Ein Alarmsignal für andere Piloten. "Ich muss darüber nachdenken, ob ich nun zurücktrete oder nicht. Meine Frau will, dass ich es tue, meine Eltern auch. Ich brauche ein paar Tage zum Nachdenken", sagte IndyCar-Veteran Paul Tracy.

Ex-Formel-1-Weltmeister Jody Scheckter forderte seinen Sohn Tomas sogar auf, sich aus der Serie zurückzuziehen. Der weigerte sich jedoch. Er will ebenso weitermachen wie Tony Kanaan, ein guter Freund Wheldons. Danica Patrick hatte schon vorher beschlossen, 2012 komplett in die NASCAR-Serie zu wechseln.

Wie die Formel 1 nach dem Senna-Tod

Es gibt auch Stimmen wie die von Rennsport-Legende Mario Andretti, der Wheldons Unfall als eine Verkettung unglücklicher Umstände ansieht, die Strecke in Las Vegas für sicher hält und vor übereiltem Aktionismus in Sachen Sicherheit warnt. Diese Gelassenheit haben im Moment aber wenige.

Es wird sich viel ändern in der IndyCar-Serie, so wie sich 1994 nach dem tödlichen Unfall von Ayrton Senna in der Formel 1 viel geändert hat.

Es ist nur ein Jammer, dass es immer erst einen der Besten und Populärsten erwischen muss, bevor die Rennsportwelt kollektiv aufschreit.

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