Freitag, 23.04.2010

Vorfreude auf erste DTM-Saison steigt

Coulthard: "Bin Rennfahrer, seit ich elf war"

Erneut hat es Mercedes-Sportchef Norbert Haug geschafft, einen ehemaligen Formel-1-Fahrer in die DTM zu locken. Nach Jean Alesi, Mika Häkkinen und Ralf Schumacher will nun auch David Coulthard im Tourenwagen angreifen. Vor dem Saisonstart sprach SPOX mit Coulthard und Haug über die neue Herausforderung.

Wie früher die Formel 1 wollen David Coulthard und Norbert Haug jetzt die DTM aufmischen
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Wie früher die Formel 1 wollen David Coulthard und Norbert Haug jetzt die DTM aufmischen

David Coulthard, Formel-1-Legende und eigentlich sportlicher Frührentner, freut sich riesig: "Ich war immer schon Rennfahrer, im Grunde seit ich elf Jahre alt war." Deshalb startet der 39-Jährige am Wochenende ein Comeback, und seine zweite Karriere wird die eines DTM-Fahrers sein.

Obwohl er bis auf einige Testfahrten noch nie in einem Tourenwagen saß, sagt Coulthard: "Für mich ist die DTM die Spitze der Tourenwagen-Meisterschaften. Ich will lernen, und vor allem will ich Spaß haben." Den wird er gleich im ersten Rennen bekommen. Denn da erwartet ihn der Hockenheimring.

Den kennt Coulthard aus seiner Formel-1-Zeit natürlich genau, aber der DTM-Kurs ist anders. Ohnehin: Die Zuschauer erwarten bis auf Valencia und die noch nicht komplett feststehende Neuheit Shanghai zwar die altbekannten Strecken: Der Eurospeedway, der Norisring, der Nürburgring. Für Coulthard aber ist all das Neuland.

Keinerlei Ähnlichkeit zwischen Formel 1 und DTM

Um dennoch gut vorbereitet zu sein, sprach er im Vorfeld mit alten Formel-1-Kollegen, die sich auch in der DTM versuchten, sowie ehemaligen und aktuellen Stars der Rennserie.

"Ich habe wirklich mit jedem gesprochen, der mir über den Weg lief", sagt Coulthard lachend. "Nicht nur mit Mika [Häkkinen] oder Ralf [Schumacher], sondern auch mit den Leuten aus der DTM wie Tom Kristensen. Das sind alles Rennfahrer, die ich respektiere und die große Erfolge gefeiert haben. Ich bin bestimmt nicht der Typ, der sagt: 'Ich war Formel-1-Fahrer, mit euch will ich nichts zu tun haben.'"

Besonders an den Schwächen, die ihn schon in der Königsklasse des Motorsports begleiteten, will Coulthard umgehend arbeiten: "Früher hatte ich Probleme beim Umgang mit den Reifen. Da wollte ich natürlich Tipps haben, wie man diese Dinge in der DTM am besten angeht."

Ob sich all die Ratschläge letztlich auf der Strecke auch in Leistung ummünzen lassen, weiß auch der Schotte selbst noch nicht so genau. Schließlich gäbe es keinerlei Ähnlichkeit zwischen der Fromel 1 und der DTM. "Zum Beispiel habe ich seit Ewigkeiten bei einem Rennen nicht mehr per Hand geschaltet", sagt Coulthard.

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Besser erging es da dem Sieger Shoya Tomizawa, der hier noch unter seinem Helm verborgen ist. Entspannter Jubel nach spannendem Rennen
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Wirklich erkennen kann man den Sieger nach dem obligatorischen Burn Out noch nicht...
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Auch die Nascar-Sprint-Cup-Series machte Halt in Phoenix. Spannende Zweikämpfe waren keine Seltenheit
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Am Ende feierte Ryan Newman seinen ersten Erfolg in der Sprint Cup Series seit 2008. Die Freude darüber ist groß. Ob er mit der Cola jemanden getroffen hat?
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Familienfreundliche DTM hat hohen Wohlfühlfaktor

Deshalb will Coulthard zumindest bestens eingestellt sein, wenn es um die ihm unbekannten Kurse geht. Da wolle er es genau so Hand haben, wie er es schon in der Formel 1 gewohnt war: "Ich gehe sicherlich mit unseren Ingenieuren eine Simulation durch. Aber der beste Weg, um eine Strecke kennen zu lernen, ist immer noch, seine Schuhe anzuziehen und zu Fuß den Kurs abzuwandern."

Man merkt dem Familienvater an, dass es wieder in ihm brennt und dass ihn der Ehrgeiz gepackt hat. "Wenn ich nicht ehrgeizig wäre, würde ich doch gar nicht antreten", sagt er. Aber man spürt auch, dass er gelassener ist als früher. Nur eine Sache des Alters?

Keineswegs, sagt Coulthard: "Die DTM ist sehr familienfreundlich. Meine Frau, meine Kinder und sogar meine Eltern werden beim ersten Rennen dabei sein. Das war eine wichtige Überlegung, bevor ich Mercedes zugesagt habe."

Und auch bei seinem neuen Rennstall AMG fühlt sich der Formel-1-Vizeweltmeister von 2001 pudelwohl. "Mit der Mercedes-Familie ist vieles möglich. Wir gehen sehr ehrlich miteinander um", freut sich Coulthard. "Wenn ich schlecht bin, wird man mir das sagen. So werde ich mich hoffentlich Stück für Stück verbessern. Am Anfang werde ich sicher nicht vorne mitfahren, aber ich hoffe, dass das irgendwann der Fall sein wird."

Haug: "Von Ralf wird noch was kommen"

Davon geht auch sein Vorgesetzter aus. Mercedes-Sportchef Norbert Haug wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, man habe Coulthard nur aus Vermarktungsgründen geholt: "Auch von den früheren Stars, die wir geholt haben, hat sich keiner blamiert. Jean Alesi hat Rennen gewonnen, Häkkinen hat gewonnen. Bei Ralf, da bin ich mir sicher, wird noch was kommen. Wir haben jeden, aber auch wirklich jeden, wegen seiner fahrerischen Fähigkeiten geholt."

Dass die gesteigerte Aufmerksamkeit der Medien ein netter Nebeneffekt ist, leugnet Haug aber keineswegs: "In der Hinsicht sind wir doch meilenweit vorne. Über solche Fahrer wird diskutiert. Alle wollen wissen: Wie schlägt sich Ralf, wie schlägt sich der neue Chinese, wie schlägt sich ein Weltklassemann wie Coulthard? Das wollen die Leute sehen."

Mit "der Chinese" ist Cong Fu Cheng gemeint, ein Mann, den vor kurzem noch niemand auf dem Zettel hatte. Genau wie die geplante Einbindung Shanghais in den Streckenkatalog ist auch die Verpflichtung des 25-Jährigen ein strategische Maßnahme gewesen, um den chinesischen Markt Stück für Stück zu erobern. "Aber er kann schon auch fahren, das kann ich Ihnen sagen", beteuert Haug.

Dennoch gilt Cheng genauso wenig wie Coulthard als einer der heißesten Anwärter auf Siege. An der Spitze werden mit Mattias Ekström, Timo Scheider und Gary Paffett erneut die bekannten Gesichter erwartet. "Aber allein das Vertrauen, das Mercedes mir schenkt, ist eine große Verpflichtung für mich", sagt Coulthard. "Ich will mich mit den Besten messen. Das spornt mich an. Und ich hoffe sehr, dass ich bald vorne angreifen kann."

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Philipp Dornhegge

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