Briscoe siegt beim Herzschlagfinale

Von © Motorsport-Total.com
Sonntag, 30.08.2009 | 13:08 Uhr
So sehen: 0,0077 Sekunden Zeitunterschied aus: Ryan Brisco vor Scott Dixon
© Getty
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Das war wortwörtlich ein Herzschlagfinale: Winzige 0.0077 Sekunden trennten Sieger Ryan Briscoe und Scott Dixon in einem atemberaubenden IndyCar-Rennen auf dem Chicagoland Speedway.

Was für ein spektakulärer IndyCar-Krimi! Der Chicagoland Speedway sah den viertengsten Zieleinlauf der IRL-Geschichte. Winzige 0.0077 Sekunden trennten in einem atemberaubenden Finale Ryan Briscoe und Scott Dixon, wobei der Australier um einen Wimpernschlag die Oberhand behielt.

Nach der Pole-Position, den meisten Führungsrunden und seinem dritten Saisonsieg holte sich Briscoe damit die maximale Punkteausbeute von 53 Zählern, und vergrößerte seine Führung in der Gesamtwertung.

Dixon macht bei Boxenstopps Boden gut

Dixons Ganassi-Dallara zeigte sich im Rennverlauf zwar dem puren Penske-Speed etwas unterlegen, dafür machte der amtierende IndyCar-Champion nahezu bei jedem Boxenstopp viel Boden gut.

Briscoe wiederum wurde nach einer anfänglichen Führung gegen Rennmitte bis auf Platz 13 ins enge IndyCar-Mittelfeld zurückgeworfen, weil das Penske-Team versuchen musste, dem rot-weißen Dallara-Honda ein hartnäckiges Untersteuern auszutreiben.

Feld anfangs dicht zusammen

Als es nach dem dritten und letzten Restart in das Zehn-Rundenfinale ging, lag das komplette Feld dicht zusammen. Dixon hatte sich zuvor jede Menge Zusatz-PS aufsparen können, während Briscoe die meisten seiner 20 Push-to-Pass-Anläufe bei seiner Aufholjagd zurück an die Spitze verbraucht hatte.

Der Neuseeländer fuhr auf dem schnellen 1,5-Meilen-Oval beharrlich auf der inneren Linie und zwang Briscoe damit auf die etwas längere Außenbahn. Trotz einiger Extrameter gelang es dem Australier in einem allerletzten Anlauf, Dixon außen herum auszubeschleunigen. Im Sprintduell zur Ziellinie hatte Briscoe nach 200 Runden die Nase um einen knappen halben Meter vor Dixon.

Penske und Ganassi dominieren zu Beginn

Penske und Ganassi bestimmten den Rennverlauf von Chicagoland zunächst deutlich. Im ersten Renndrittel, das ohne jegliche Gelbphase über die Bühne ging, entwickelte sich eine Zwei-Klassengesellschaft, als Briscoe und Dixon zusammen mit Dario Franchitti (Ganassi) und Helio Castroneves (Penske) dem Rest des Feldes um fast acht Sekunden davonfuhren.

Speziell Castroneves zeigte sich zu diesem Zeitpunkt extrem kompromisslos, als er bei den ersten Überrundungen ganz außen eine dritte Spur eröffnete und sich knallhart die Führung erkämpfte. Dieses "Three-Wide-Szenario" sollte in der Folge vor allem im engen Mittelfeld zu einem Dauerzustand werden.

Castroneves landet in der Mauer

Castroneves wurde - analog zu Briscoe - aufgrund suboptimaler Stopps später ins Mittelfeld zurückgeworfen. Sein Rennen war vorzeitig beendet, als den Brasilianer 16 Runden vor dem Ende auf Rang drei liegend ein technischer Defekt ereilte, weshalb der "Spiderman" in der Mauer landete.

Auch Franchitti konnte seine zwischenzeitliche Spitzenposition nicht halten. Bei seinem letzten Stopp vergaß der zuständige Ganassi-Mechaniker nach dem Reifenwechsel vorne rechts den Schlagschrauber in Richtung Boxenmauer zurückzuwerfen. Der Schotte konnte nicht sofort losfahren und fiel von Platz eins auf vier zurück.

Extrem enges Mittelfeld

Ab Rennmitte war es zudem mit der dominanten Vorstellung der beiden IRL-Topteams vorbei. Speziell Mario Moraes (KV) mischte munter direkt hinter der Spitze mit und griff eingangs der letzten Runde auf der Außenbahn sogar den drittplatzierten Franchitti an. Der Brasilianer holte auf der Gegengerade ausreichend Schwung und sicherte sich so einen starken dritten Rang.

Auch das Newman/Haas-Team zeigte sich in vorderer Front: Ein kämpferischer Graham Rahal war oft in den haarigen Three-Wide-Situationen zu finden und holte sich einen verdienten fünften Platz. Sein neuer Teamkollege Oriol Servia unterstrich als Siebter, dass er durchaus in der Lage ist, auch auf den IndyCar-Ovalen eine gute Figur abzugeben.

Carpenter bestätigt seine Leistung

Platz sechs ging an Ed Carpenter. Der Vision-Pilot konnte damit zwar nicht ganz an seine Glanzleistung von Kentucky anknüpfen, aber der knallgelbe Vision-Dallara zeigte sich 200 Runden lang locker in den Top 10. Tomas Scheckter (Dreyer  Reinbold), Geburtstagskind Raphael Matos (Luczo-Dragon) und Justin Wilson (Dale Coyne) rundeten die Top 10 ab.

Das Andretti/Green-Team erlitt erneut eine Schlappe. Marco Andretti fuhr nach Problemen an der Tankstelle und einem leichten Mauerkontakt auf Rang elf. Tony Kanaan (13.) geriet im Finale von Chicagoland ausgerechnet mit Andretti, und wenige Meter später mit Danica Patrick (12.) aneinander. Er verließ die Boxengasse mit einem sichtlich dicken Hals. Hideki Mutoh zerlegte seinen AGR-Dallara in der Mauer.

Drei Fahrer im Titelkampf

Wie eng es auf dem Chicagoland Speedway wirklich zuging, verdeutlicht ein Blick auf den Zieleinlauf: Kanaan hatte als 13. (!) lediglich 0.8 Sekunden Rückstand auf Sieger Briscoe. Der Australier verschaffte sich damit bei noch zwei ausstehenden Saisonrennen eine sehr gute Ausgangsposition im Titelkampf.

Denn Briscoes Konto weist jetzt 550 Punke auf, das Ganassi-Duo Franchitti und Dixon liegt 25, beziehungsweise 33 Zähler zurück. Es ist nun auch offiziell ein Dreikampf um den IndyCar-Titel 2009, denn der vierplatzierte Castroneves hat angesichts von 167 Punkten Rückstand keine Chancen mehr.

Am 19. September gastiert der IndyCar-Tross auf dem 1,5-Meilen-Oval im japanischen Motegi. Drei Wochen später fällt wohl die endgültige Entscheidung im Titelkampf, wenn Briscoe, Dixon und Franchitti den Meistertitel auf dem schnellen Intermediate-Oval von Homestead ausfahren.

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