Montag, 28.11.2016

Dokumentation "I am Bolt" - eine Rezension

Usain Bolt: (K)ein Star zum Anfassen

Usain Bolt steht für Dominanz. Für Show auf und abseits der Tartanbahn. Für eine gehörige Portion Lässigkeit. Bei einem der größten Sportler unserer Zeit denken wir bereits zu wissen, für was er in Gänze steht. Der Dokumentarfilm "I am Bolt", der am 28. November in den deutschen Kinos anläuft, will ein dezidierteres Bild des neunfachen Olympiasiegers zeichnen. Doch die Filmemacher scheitern zumeist an zu viel Oberflächlichkeit.

Wie bringe ich das Leben eines Athleten auf die große Leinwand, dessen Haupttätigkeit nach nicht mal zehn Sekunden wieder vorbei ist? Über diese Frage mussten sich die Dokumentarfilmemacher Benjamin und Gabe Turner (unter anderem "The Class of 92", "In The Hands of God") für ihr neuestes Werk "I am Bolt" den Kopf zerbrechen.

Für die Umsetzung des Dokumentarsfilms hat das Brüderpaar Sprintsuperstar Usain Bolt in regelmäßigen Abständen über zwei Jahre lang auf dem Weg zu seinen dritten und letzten Olympischen Spielen begleitet und in Kombination mit alten Aufnahmen und Videotagebuch-Einträgen von Bolt selbst eine klassische Sportlerdokumentation erstellt.

Den Schwerpunkt der Doku bildet die Saisonvorbereitung Bolts auf die Spiele in Rio 2016, die geprägt sind von Verletzungssorgen, Motivationsproblemen des Superstars zwischen Trainingseinheiten und den Versuchungen des süßen jamaikanischen Lebens sowie der Rivalität zum US-amerikanischen Sprint-Enfant-Terrible Justin Gatlin.

Gerade Letzterer wird, wohl auch um einen unmittelbaren Spannungsbogen zu erzeugen, bewusst fast schon zu negativ dargestellt. Provozierende Aussagen Gatlins über Bolt sowie die Dopingvergangenheit des US-Sprinters tauchen immer wieder auf, während die durchaus vorhandenen Dopingprobleme des jamaikanischen Leichtathletikverbandes mit keiner Silbe erwähnt werden.

Einblicke ins Training

Dabei spielen die wenigen Trainingssequenzen Bolts im Film doch auf jamaikanischen Boden. Wer sich aber interessante Einblicke in die Laufmethoden oder sonstige Erfolgsgeheimnisse des Weltrekordlers erhofft hat, wird enttäuscht. Auch Bolt selbst äußert sich nicht zum Thema Doping.

"I am Bolt" packt den Zuschauer fast ausschließlich in der Crunchtime, also während der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung Bolts bei den Spielen in Rio. Von den Spielen sind sehenswerte Bilder rund um Brasiliens Olympiastadion entstanden, die einen für ein paar Momente zu einem Teil von Bolts kleinem Team machen. Durchaus interessant sind ebenfalls rückblickende Videoaufnahmen rund um die Spiele 2008 und 2012, die das Verhältnis zu Bolts Teamkollegen - allen voran Yohan Blake und Asafa Powell - darstellen.

Zu Bolts privatem Team gehört der schwergewichtige, gemütlich wirkende Trainer Glen Mills, Physiotherapeut Everald Edwards, Manager Simms und vor allem Nugent Walker. Letzterer tritt offiziell als Exekutive Manager auf, ist aber in erster Linie Bolts ältester Schulfreund und engster Vertrauter.

Zu oberflächlich

Die Sequenzen, die das Quartett auf der einen Seite im Umgang mit Bolt im Alltag, auf der anderen Seite über den Superstar sprechend zeigen, verraten zwar etwas über den Menschen und Athleten Usain Bolt. Sie dürften aber noch viel intensiver und tiefgründiger gezeichnet sein und verlaufen sich zumeist an oberflächlichen Dingen.

Vor allem das Verhältnis zu Walker, das sehr vertraut sein soll, wird kaum behandelt. Einmal wird Manager Simms mit den Worten zitiert: "Er liebt ihn wie seinen eigenen Bruder." Zusammen sieht man sie selten.

Der Film besteht insgesamt zu großen Teilen aus immer wiederkehrenden Siegen Bolts mit dazu passender Musik sowie Public Viewing ähnlichen Bildern von Fans aus seiner Heimat. Dinge, die Fans bereits über Bolt wissen und kennen.

Dazu gehört auch, dass Bolt durchaus zum Lebemann neigt und gerne feiert. Auch das wird in der Doku - gerne überspitzt - dargestellt. Nichts Neues also?

Geschwindigkeit, Schritte, Rekorde - Usain Bolt in Zahlen
Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt. Fakt. Acht Goldmedaillen bei Olympia - zwei davon in Rio. Doch was steckt hinter seinem Erfolg?
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Usain Bolt ist der schnellste Mann der Welt. Fakt. Acht Goldmedaillen bei Olympia - zwei davon in Rio. Doch was steckt hinter seinem Erfolg?
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"Die Leute kommen, um einen schnell rennen zu sehen. Aber sie kommen auch, um eine Show zu sehen, eine Performance... Die gebe ich ihnen."
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Bei der WM 2009 Berlin drückte Usain Bolt den Weltrekord auf 9,58 Sekunden, ein Gepard bräuchte 5,8 Sekunden für dieselbe Strecke. Seit 2008 ist Bolt in den großen Finals unbesiegt
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Im Vergleich zur Tierwelt ist Usain Bolt nicht gerade schnell. 37 km/h lief er bei seinem Weltrekord in London 2012. Ein Nilpferd schafft 30 km/h, selbst ein Känguru ist mit 70 km/h deutlich schneller als der schnellste Mensch
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Im Vergleich zur Tierwelt ist Usain Bolt nicht gerade schnell. 37 km/h lief er bei seinem Weltrekord in London 2012. Ein Nilpferd schafft 30 km/h, selbst ein Känguru ist mit 70 km/h deutlich schneller als der schnellste Mensch
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Die absolute Höchstgeschwindigkeit von Usain Bolt ist noch höher: 45 km/h zwischen der 60- und 80-Meter-Marke - auch hier gilt: Schneller war kein Mensch jemals zuvor
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Die absolute Höchstgeschwindigkeit von Usain Bolt ist noch höher: 45 km/h zwischen der 60- und 80-Meter-Marke - auch hier gilt: Schneller war kein Mensch jemals zuvor
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Für die 100 Meter braucht Bolt nur 41 Schritte. Jeder Step ist also im Durchschnitt 2,43 Meter lang
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Hartes Training? Eher ein Wunder der Natur. "Wenn ich ins Fitnessstudio gehe, denke ich an die Chicks, an den Strand zu gehen, gut auszusehen. Ich mache das für die Frauen", Usain Bolt
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Hartes Training? Eher ein Wunder der Natur. "Wenn ich ins Fitnessstudio gehe, denke ich an die Chicks, an den Strand zu gehen, gut auszusehen. Ich mache das für die Frauen", Usain Bolt
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Nur einen Patzer erlaubte sich Usain Bolt: Bei der WM 2011 wurde er disqualifiziert. Fehlstart über 100 m. Egal: Er holte Gold über 200 m.
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Nur einen Patzer erlaubte sich Usain Bolt: Bei der WM 2011 wurde er disqualifiziert. Fehlstart über 100 m. Egal: Er holte Gold über 200 m.
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Das Erfolgsrezept von Usain Bolt? "Ich stelle mir einfach vor, die anderen Läufer wären Spinnen. Dann bekomme ich riesige Angst."
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Die Ausnahmestellung von Bolt ist einfach zu beweisen: Seit alle Rennen mit elektronischer Zeitmessung erfasst wurden (1977), sackte der Rekord um 0,008 Sekunden pro Jahr. Bolt verbesserte die Fabelmarken um 0,010 Sekunden pro Jahr
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Hat Usain Bolt seinen Zenit überschritten? In der Saison 2016 rannte er in 9,88 s nur die viertschnellste Zeit über 100 m. Justin Gatlin (9,80), Trayvon Bromell (9,84) und Jimmy Vicaut (9.86) waren schneller
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Hat Usain Bolt seinen Zenit überschritten? In der Saison 2016 rannte er in 9,88 s nur die viertschnellste Zeit über 100 m. Justin Gatlin (9,80), Trayvon Bromell (9,84) und Jimmy Vicaut (9.86) waren schneller
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Die Antwort auf diese Frage lieferte der Jamaikaner in Rio. Über die 100 Meter gab es in 9,81 Sekunden mal wieder Gold. Gatlin und Co. waren chancenlos
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Die Antwort auf diese Frage lieferte der Jamaikaner in Rio. Über die 100 Meter gab es in 9,81 Sekunden mal wieder Gold. Gatlin und Co. waren chancenlos
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Der angekündigte Weltrekord über 200 Meter gelang auf regennasser Bahn in Rio nicht. Dennoch wurde es in 19,78 Sekunden souverän der achte Olympiasieg
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Der angekündigte Weltrekord über 200 Meter gelang auf regennasser Bahn in Rio nicht. Dennoch wurde es in 19,78 Sekunden souverän der achte Olympiasieg
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Dennoch steht fest: Bolts Auftritte in Rio de Janeiro werden die letzten seiner Olympia-Karriere sein. Er hat schon angekündigt, sich nach der WM 2017 zur Ruhe zu setzen
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Dennoch steht fest: Bolts Auftritte in Rio de Janeiro werden die letzten seiner Olympia-Karriere sein. Er hat schon angekündigt, sich nach der WM 2017 zur Ruhe zu setzen
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Die Ängste Bolts

Die wenigen intensiven Momente erlebt der Zuschauer, wenn Monologe aus Bolts Videotagebuch gezeigt werden. Hier kommt man Usain Bolt durchaus näher. Am nächsten, als der beste Sprinter der Welt offen zugibt, dass er jedes Jahr Angst vor dem ersten Rennen habe und sich fragt: "Bin ich noch schnell? Bin ich noch der Schnellste?"

Doch das war es weitestgehend: Darüber hinaus muss sich der Zuschauer mit zunehmend gleichen Lobeyhymnen von Sportstars wie Serena Williams, Pele oder Neymar zufrieden geben.

Fans des überragenden Sprinters unserer Zeit, der sich in London zum dritten Mal das Triple-Gold bei Olympischen Spielen sicherte, werden sich diesen Film dennoch gerne anschauen. Allgemeine Sportfans, die Sportlerbiografien- und Dokumentationen ob ihrer Tiefgründigkeit, ihrer mentalen Komponente und Trainingsmethoden lieben, werden dagegen enttäuscht.

Hat doch gerade Usain Bolt mehr Facetten zu bieten, als das unmenschliche Naturtalent, die 100 Meter unter zehn Sekunden und vor allem schneller als jeder andere zu laufen.

Jannik Schneider

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