Boxen

50 Jahre Madison Square Garden: Das waren die legendärsten Boxkämpfe im MSG

Von Johannes Wiest
Der Madison Square Garden feiert sein 50-jähriges Jubiläum.
© getty

In der Nacht zum 4. März steigen gleich zwei große Boxkämpfe in New York. Während Schwergewichts-Weltmeister Deontay Wilder im Barclays Center Brooklyn auf den ungeschlagenen Herausforderer Luis Ortiz trifft (live auf DAZN), kommt es zeitgleich zum WM-Kampf zwischen Sergey Kovalev gegen Igor Mikhalkin (live auf DAZN). Ort des Geschehens des zweitgenannten Kampfes ist der legendäre Madison Square Garden. Der MSG feiert an diesem Standort sein 50-jähriges Jubiläum. SPOX hat eine Auswahl der legendärsten Kämpfe im Mekka des Boxsports getroffen.

Muhammad Ali vs. Joe Frazier: Der Kampf des Jahrhunderts

Am 8. März 1971 kam es im MSG zum Kampf, der als "Fight of the Century" angekündigt wurde und so in die Geschichte eingehen sollte: Muhammad Ali traf zum ersten Mal auf Joe Frazier. Ali kehrte mit dem Kampf aus seinem dreijährigen Exil zurück, nachdem er 1967 wegen Wehrdienstverweigerung verurteilt worden war. Im Rahmen des Prozesses wurde dem ungeschlagenen Boxchampion nicht nur sein Titel aberkannt, sondern auch die Boxlizenz entzogen. In der Abwesenheit Alis errang und verteidigte Frazier den Schwergewichts-Titel ohne Niederlage.

Der Kampf hatte neben dem sportlichen auch einen besonderen kulturellen Reiz. Ali galt nicht nur wegen seiner Kriegsdienstverweigerung als Rebell und war Befürworter der Black Supremacy-Ideologie. Frazier auf der anderen Seite war zwar auch Afroamerikaner, stand jedoch für eine vollkommen andere Strömung in der amerikanischen Gesellschaft. Er wurde von den Weißen als "guter Neger" gewürdigt, weswegen Ali ihn als "Onkel Tom" verspottete.

Beim ersten Aufeinandertreffen zweier ungeschlagener Schwergewichts-Champions behielt Frazier die Oberhand. Er konnte seinen Konkurrenten im Laufe des Kampfes vor allem durch Kopf- und Lebertreffer schwächen und ließ sich auch nicht von den "Clownereien" Alis irritieren. Am Ende gewann Frazier den Kampf einstimmig nach Punkten, Ali konnte sich zuvor mehrmals nur knapp vor dem K.o. retten.

Beim zweiten Kampf der beiden Legenden im Madison Square Garden knapp drei Jahre später gelang Ali mit einem knappen Sieg die Revanche.

Roberto Duran vs. Davey Moore: Brutalität bis zur Ohnmacht

Das Duell zwischen Duran und Moore am 16. Juni 1983 bleibt vor allem wegen seiner Einseitigkeit und Brutalität bis heute in den Köpfen der Boxfans. An seinem 32. Geburtstag dominierte "Hands of Stone" Roberto Duran den Kampf um den Halbmittelgewichtstitel gegen den ungeschlagenen Favoriten und gewann in der achten Runde durch technischen K.o.

Der Kampf war derartig einseitig, dass sowohl Moores Mutter als auch dessen Freundin im Publikum zwischenzeitlich in Ohnmacht fielen und darum flehten, das Blutbad zu beenden. Im Nachhinein wurde der Ringrichter harsch dafür kritisiert, dass er das Match nicht schon früher beendete.

Riddick Bowe vs. Andrew Golota: Riot at the Garden

Auch bei der größten Massenschlägerei im Mekka des Boxsports spielte der Referee eine entscheidende Rolle: Am 11. Juli 1996 dominierte Andrew Golota den Kampf gegen Riddick Bowe und führte klar nach Punkten. Der sichergeglaubte Sieg wurde dem Polen allerdings entrissen. Wegen wiederholten Tiefschlägen wurde Golota in der siebten Runde disqualifiziert.

Infolgedessen stürmte Bowes Team in den Ring, um Golota zu attackieren. Einer der Randalierer schlug dem Polen wiederholt mit einem Handy auf den Kopf. Es folgte eine riesige Massenschlägerei zwischen den Parteien der beiden Boxer, die erst nach über einer halben Stunde aufgelöst werden konnte. Das Ergebnis war verheerend: 15 Zuschauer, neun Polizisten und ein Mitglied von Golotas Team wurden ins Krankenhaus gebracht, 16 Menschen wurden verhaftet.

Lennox Lewis vs. Evander Holyfield: Ein umstrittener Ausgang

Dass man auch gewaltlos einen bleibenden Eindruck in der Boxwelt hinterlassen kann, zeigte das Publikum am 13. März 1999. Eigentlich schien Lennox Lewis nach dem Vereinigungskampf im Schwergewicht gegen Evander Holyfield der klare Sieger zu sein.

Doch als die Jury den Kampf als Unentschieden wertete, ließen viele der über 21.000 Zuschauer im Madison Square Garden ihren Unmut mittels Pfiffen und Buh-Rufen freien Lauf. Die umstrittene Entscheidung führte zu einem Rematch acht Monate später in Las Vegas, das Lewis für sich entschied.

Die Szene regierte empört:

  • "Ich analysiere Boxen seit 20 Jahren. Das ist in den Top 5 der schlechtesten Entscheidungen, die ich jemals gesehen habe." (Steve Farhood, Box-Experte)
  • "Ich schäme mich als New Yorker. Das ist eine Farce." (Rudolph Giuliani, damaliger Bürgermeister von New York)
  • "Die Entscheidung der Judges war das Widerlichste, das ich beim Boxen jemals gesehen habe." (Frank Bruno, ehemaliger Boxer)
  • "Das sind Dinge, die den Boxsport zugrunde richten." (Emanuel Steward, damals Trainer von Lewis)
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