Boxen

Zu leicht für den K.o., zu schwer für den Sieg?

Von Martin Jahns
Alexander Powetkin muss gegen Marco Huck seinen WBA-Gürtel im Schwergewicht verteidigen
© spox

Huck: Mit 1,87 Metern Körpergröße ist Huck nur unwesentlich kleiner als Powetkin (1,88 m). Zudem sieht er im Aufstieg zum Schwergewicht keine allzu große körperliche Umstellung. Im Gegenteil: "Es erleichtert die Trainingsarbeit ungemein. Früher musste ich jeden Tag aufpassen, nicht zu viel Muskelmasse aufzubauen, vor Kämpfen musste ich Gewicht verlieren und stand mehrmals täglich auf der Waage", sagte Huck der "Süddeutschen Zeitung". Klingt fast so, als könnte Huck erst jetzt im Schwergewicht seine Wunschmasse auf die Waage bringen.

Powetkin: Ex-Champion Lennox Lewis fasste Powetkins körperliche Stärken einmal so zusammen: "Powetkin bewegt sich gut. Er ist stark und er boxt spielerisch." Der Mann hat Recht. Eine gute Balance aus Masse und Beweglichkeit machen den Sauerland-Profi aus.

Huck: Hucks Trumpf im Cruisergewicht war seine unverschämte Schnelligkeit und das Herzblut, mit dem er seine Gegner überrannte. Der "Zeit" sagte er: "Ich aber habe Herz, und ich bin kein typischer Boxer. Ich schlage aus alle Rohren." Doch nun werden die Karten neu gemischt. Gut möglich, dass sich Huck mit der Gewichtszunahme seiner stärksten Waffen selbst beraubt hat. Es stellt sich die Frage, ob Huck nun nicht zum Punchen zu leicht, aber für überfallartige Konter zu schwer und undiszipliniert ist.

Powetkin: Der "White Tiger" ist ein gefährlicher Allrounder, der häufig schon in den ersten Runden die Entscheidung sucht. Sein variabler Boxstil, die Fähigkeit, gegnerische Schlagsalven auszupendeln und durch die eigene Beweglichkeit gefährliche Kombinationen zu setzen, machen den Linksausleger zu einem unbequemen Gegner. Powetkin investiert viel, was nicht selten zu einem Durchhänger in den mittleren Runden führt. Doch in der Schlussphase rappelt sich der 32-Jährige in der Regel zu einer pfundigen Schlussoffensive auf.

Huck: Marco Huck ist im Ring unberechenbar. Einerseits strotzt der Käpt'n vor Selbstvertrauen, auf der anderen Seite bringt er sich immer wieder durch eigene Unkontrolliertheiten in die Bredouille, wie etwa beim Kampf gegen Pietro Aurino 2006, als Huck dem Italiener einen Kniestoß versetzte oder 2011 gegen Rogelio Omar Rossi klar nach dem Gong zwei Treffer setzte. Immer wieder ist ein Kampf Hucks eine Gratwanderung zwischen taktisch klugem Boxen und wilden Ausbrüchen.

Powetkin: Der Russe ist besonnener. Er hat die Erfahrung aus 21 Profikämpfen, die er bis zu seiner ersten Chance auf einen WM-Gürtel absolvierte und die Ruhe, die taktischen Vorgaben von Coach Zimin umzusetzen. Es ist nicht zu erwarten, dass sich Powetkin von Hucks Mätzchen provozieren lässt.

Die Vorzeichen sind klar: Huck ist klarer Außenseiter, alles andere als ein Powetkin-Sieg wäre eine Überraschung. Dennoch wird der Kampf für den Russen kein Selbstläufer: Als Fallobst wird sich Huck wohl nicht präsentieren. Wenn er taktisch diszipliniert boxt, ist ein Gang über die vollen zwölf Runden durchaus drin.

Powetkins Erfahrung und seiner exzellenten Technik hat Huck lediglich ein großes Kämpferherz entgegenzusetzen.

Zwar hat der Käpt'n nichts zu verlieren - seinen Cruisergewichtstitel wird er auch bei einer Niederlage behalten - aber ganz ohne vorherige Aufbaukämpfe ist Powetkin für ihn wohl noch eine Nummer zu groß. Von den Klitschkos ganz zu schweigen.

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