Mittwoch, 08.02.2012
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Lennox Lewis im Interview

"Ich biete David Haye meine Hilfe an"

Eine britische Legende positioniert sich gegen die Klitschkos: Lennox Lewis will David Haye trainieren, wenn es gegen Witali geht. Den Brüdern wirft er vor, das Boxen zu "entwerten". Beim Laureus World Sport Awards in London sprach der 46-Jährige über den Niedergang des Schwergewichts und die Bedeutung von Fairness im Boxen.

SPOX-Chefreporter Haruka Gruber traf Lennox Lewis bei den Laureus World Sports Awards
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SPOX-Chefreporter Haruka Gruber traf Lennox Lewis bei den Laureus World Sports Awards

SPOX: Sie waren einer der Star-Gäste beim diesjährigen Laureus World Sports Award in London, bei der auch ein Zeichen für das Gute im Sport gesetzt werden soll. Aber wie ist dieser Gedanke mit dem Boxen vereinbar, bei dem umstrittene Punktrichter-Urteile immer wieder für Skandale sorgen?

Lennox Lewis: Fairness ist auch im Boxen gegeben - solange man nicht zu unerfahren oder zu naiv ist. Jeder im Geschäft kennt die Regeln und kann sich entsprechend darauf einstellen. Wenn jemand also im Hinterhof seines Gegners einen Kampf bestreitet und nicht auf neutrale Ring- und Punktrichter besteht, ist er selbst schuld. Ich wurde bei meinen ersten Kämpfen in den USA immer ausgebuht, aber ich habe mich im Vorfeld immer dafür eingesetzt, dass wenigstens die Referees nicht zu parteiisch sind. Zu einer professionellen Berufseinstellung gehört nicht nur das Trainieren, sondern auch das Politikmachen im Hintergrund.

Laureus

SPOX: Das Box-Jahr 2011 verlief enttäuschend - und das nicht nur wegen der vielen zweifelhaften Entscheidungen. Das Duell Wladimir Klitschko gegen David Haye sollte zum Highlight schlechthin werden und enttäuschte ob des einseitigen Ausgangs. War Klitschko so gut oder Haye so schlecht?

Lewis: Ich habe mir das angeschaut und nur den Kopf geschüttelt. Ich war von Haye schwer enttäuscht. Sein Gameplan war eine Katastrophe. Er hätte klüger kämpfen und mit seiner Schnelligkeit In-and-Out gehen müssen: Blitzartig in Klitschko reinspringen und ein paar Punches verteilen, dann blitzartig wieder rauslaufen und sich in Distanz bringen. Stattdessen nutzte er seine Schnelligkeit nur dazu, um Klitschko herum zu tanzen. Er hat im gesamten Kampf vielleicht zweimal zugeschlagen. Wie soll das reichen?

SPOX: Hätte Haye im Falle eines Rückkampfs eine Chance?

Lewis: Klitschko hatte es einfach, weil er bei den halbherzigen Angriffen von Haye nur zwei Schritte zurückgehen musste. So gingen Hayes Schläge immer ins Leere. Wenn Haye aber richtig an den Mann gehen würde, könnte Klitschko richtige Probleme bekommen. Der kleine Klitschko ist nicht gut im Infight. Mehr als den Gegner zu umarmen, kann er nicht.

SPOX: Statt eines Rückkampfs gegen Wladimir Klitschko sieht es eher danach aus, als ob Haye gegen den großen Bruder Witali in den Ring steigt.

Lewis: Eine reine Zeitverschwendung.

SPOX: Warum?

Lewis: Witali ist nach wie vor der beste Schwergewichtler der Welt, deutlich stärker als Wladimir. Wie soll Haye den größeren und besseren Klitschko besiegen, wenn er gegen den kleineren und schwächeren Klitschko schon keine Chance hat?

Die Laureus World Sports Awards 2012 in London
Vor der Preisverleihung in London ließ sich Englands Premier David Cameron (M., vordere Reihe) mit einer namhaften Gruppe von Laureus-Funktionären und Nominierten ablichten. Mit dabei: Boris Becker und der Djoker
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Wo Laureus ist, da ist oft auch Axel Schulz. Der deutsche Laureus-Botschafter erschien in London mit charmanter Begleitung am roten Teppich
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Australian Open gewonnen? Check. Bildhübsche Freundin namens Jelena Ristic? Check. Kein Wunder, dass Novak Djokovic mit breitem Lächeln über den Roten Teppich stolzierte
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Zusammen mit Boris Becker stellte Supermodel Bar Refaeli vor den Awards ein neues Laureus-Polo-Shirt vor. Am Abend erschien sie dann aber zur Freude vieler in eleganter Abendgarderobe
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Natürlich war auch das deutsche Laureus-Urgestein Boris Becker samt perfekt rausgeputzter Lilly in London dabei. Ein wahrhafter Starauflauf eben
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Auch der Moderator der Laureus Sports Awards war ein waschechter Star: Schauspieler Clive Owen, bekannt aus Filmen wie Bourne Identity oder Sin City
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Der Sieg in der Kategorie "World Breakthrough of the Year" ging an Nordirlands Golf-Star Rory McIlroy. Der 22-Jährige hatte 2011 bei den US-Open triumphiert
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Gute Miene bei Langstreckenläuferin Vivian Cheruyiot: Stolz präsentiert die "World Sportswoman of the Year" ihren Laureus-Award
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Da ist das Ding! Für seine Comeback-Qualitäten auf der Golf-Tour erhielt Nordirlands Darren Clarke die Laureus-Trophäe
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Und auch der "Blade Runner" hatte Grund zur Freude: Der auf Fiberglasprotesen sprintende Oscar Pistorius erhielt den "Laureus Disability Award"
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Am Ende bekam auch noch der Star des Abends - Novak Djokovic - seine Trophäe zwischen die Lippen. Wohl bekomm's, Nole!
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Laureus World Sports Awards: Der nächste Titel für Djokovic

SPOX: Ist Witali tatsächlich der Stärkere?

Lewis: Ja, eindeutig. Der große Klitschko ist älter und verletzungsanfälliger geworden, aber er hat das Herz. Ich erinnere mich gerne an den großartigen Kampf zwischen uns. Ich liebe den Fight, weil alles geboten wurde: Es ging hin und her, mal bin ich Inside gegangen, dann er. So etwas sieht man nicht vom kleinen Klitschko: Ihm geht es mehr darum, gut auszusehen und sich nicht zu verletzen. Er weiß, dass sein Kinn nicht viel aushält.

SPOX: Genau dieses Kinn machen alle Gegner als Wladimirs Schwachstelle aus. An dessen Sieg ändert das nur wenig.

Lewis: Haye lieferte uns den Klassiker: Da geht ein Boxer in einen großen Kampf - und in der Ecke steht sein Grundschullehrer. Ein Amateurtrainer, der ihn seit der Jugend betreut. Das klappt nicht.

"Auf der einen Seite hast du einen der zwei besten Boxer der Welt und zusätzlich mit Emanuel Steward den besten Coach der Welt. Das sind zwei große Nummern. Auf der anderen Seite hast du jemanden, der versucht, der beste Boxer zu sein. Und einen Grundschullehrer, der versucht zu beweisen, dass er gut genug ist. Versuchen reicht nicht."

Lennox Lewis

SPOX: Sie sprechen Adam Booth an, der Haye bereits als 16-Jährigen unter die Fittiche nahm.

Lewis: Ein Grundschullehrer ist vielleicht gut darin, Kinder auszubilden. Spätestens, wenn es zur Universität geht, braucht man dennoch einen Professor. Ein Grundschullehrer hat einfach nicht das Level. Viele Leute verstehen es nicht, aber so ist die Wahrheit. Der Kampf zwischen Klitschko und Haye ist der beste Beweis: Auf der einen Seite hast du einen der zwei besten Boxer der Welt und zusätzlich mit Emanuel Steward den besten Coach der Welt. Das sind zwei große Nummern. Auf der anderen Seite hast du jemanden, der versucht, der beste Boxer zu sein. Und einen Grundschullehrer, der versucht zu beweisen, dass er gut genug ist. Versuchen reicht nicht. Haye braucht einen Professor - doch von ihnen gibt es nicht viele. Ich gehöre dazu.

SPOX: Ist das ein Angebot an Haye?

Lewis: Ich habe Adam Booth schon vor dem Kampf gegen den kleinen Klitschko gefragt, ob ich ihn unterstützen soll, aber er hat abgelehnt. Dabei hätte ich genau erzählen können, was in Klitschkos Kopf vor sich geht. Alles, was Steward ihm gesagt hat, wusste ich, weil er über viele Jahre mein Coach war.

SPOX: Würden Sie Haye dennoch zur Seite stehen, wenn es gegen Witali geht?

Lewis: Ganz klar: Ich biete Haye weiter meine Hilfe an.

Teil II: "Klitschkos entwerten das Boxen an sich"

Für SPOX in London: Haruka Gruber

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