Boxen

Ist der Riese Walujew ein Feigling?

SID
Ein Bild aus dem ersten Kampf zwischen Walujew(r.) und Chagaev - der kleine Usbeke gewann
© Getty

Ist Nikolai Walujew, der größte Boxer der Welt ein Feigling? Offenbar wollte sich der Riese vor dem WM-Kampf gegen Ruslan Tschagajew nicht gegen Hepatitis B impfen lassen.

"Nikolai Walujew ist nicht nur der größte Boxer, er ist auch der größte Feigling", sagte Klaus-Peter Kohl. Die Erregung über die Absage des für Samstag angesetzten Schwergewichtskampfes um die WBA-WM zwischen Kohls Schützling
Ruslan Tschagajew und dem russischen Riesen aus dem Stall von Promoter Wilfried Sauerland war dem Hamburger Veranstalter auch am Montag noch anzumerken.

"Walujew jagt Wildschweine, aber er hat Angst vor einem Piks", erklärte Kohl auf einer Pressekonferenz, "mit einer Impfung hätte der Kampf auf jeden Fall stattfinden können."

Die Ereignisse in Helsinki, die letztlich am Freitag um 22.19 Uhr Ortszeit zur Absage des Fights zwischen dem WBA-Weltmeister Tschagajew und dem Interims-Champion Walujew durch den finnischen Boxverband führten, werfen wieder einmal kein gutes Licht auf die Praktiken im Profiboxsport.

Was ist los bei King und Sauerland?

Es entsteht der Eindruck, dass das Walujew-Lager um Sauerland und den US-Promoter Don King, die sich beide die Promoterrechte an St. Petersburger teilen, nicht alles versucht haben, den Kampf stattfinden zu lassen. Tschagajew ist seit Jahren als "Hepatitis B Anti-Gen-Träger" bekannt.

Seine Werte sind seit drei Jahren unverändert, mit diesen Werten hat er auch den ersten Kampf zwischen beiden bestritten, bei dem er im April 2007 Walujew die bislang einzige Niederlage beibrachte und dessen WBA-Titel eroberte.

"Tschagajew ist dennoch gesund und nicht ansteckend", erklärte am Montag in Hamburg Dr. Heiner Wedemeyer, Generalsekretär Deutsche Lebergesellschaft und einer der herausragenden Experten auf dem Gebiet von Lebererkrankungen in Deutschland, "es besteht und bestand nie eine Gefahr für Dritte."

Bedenkzeit ohne Entscheidung

Dennoch hätte mit einer Impfung einhundertprozentige Sicherheit für Walujew geherrscht. Dem 2,13 Meter langen Russen wurde eine Bedenkzeit eingeräumt, ob er sich impfen lassen will. Eine Entscheidung des 35-Jährigen wurde aber in Helsinki nicht mehr mitgeteilt, stattdessen erfolgte in der Nacht die Absage.

Auch der deutsche Ringarzt Walter Wagner, der bei Sauerland-Veranstaltungen immer zugegen ist, hatte erklärt, Tschagajew könne boxen. Die Intervention des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) nützte ebenfalls nichts. "Dieser Kampf hätte stattfinden müssen", sagte BDB-Präsident Dr. Bodo Eckmann, "wir haben seit Mittwoch gebetsmühlenartig mit dem finnischen Verband gesprochen, aber der hat versäumt, sich kundig zu machen."

Sauerland verliert eine halbe Million

Sauerland wies den Verdacht, er habe eine Absage billigend in Kauf genommen, natürlich weit von sich: "Das ist absurd. Ich wäre doch verrückt, wenn ich freiwillig eine Kampfabsage riskieren würde. Wir haben durch die Absage eine halbe Million Euro verloren, weil die Versicherung bei Hepatitis B nicht zahlt."

Don King, an Walujew zu 50 Prozent beteiligt, aber sprach Klartext und verdeutlichte seine Ziele: "Die WBA muss Walujew schleunigst und eindeutig zum alleinigen Champion erklären." King muss aber keine Rücksicht nehmen auf den Verlust von rund 500.000 Euro, den Sauerland durch die Absage zu tragen hat, ihn interessiert die Verärgerung der ARD nicht.

Tschagajew versteht die Welt nicht mehr

Tschagajew war naturgemäß am Boden zerstört, als er die Nachricht von der Absage erfuhr. "Ich bin gesund und fit und verstehe nicht, warum ich nicht boxen darf", sagte der 30 Jahre alte Usbeke: "Ich hoffe, dass die WBA so schnell wie möglich einen neuen Termin für den Kampf findet."

Die WBA will nun innerhalb von sieben Tagen entscheiden, wie es weitergehen soll. Kohl ist klug genug, vorher keine Forderungen zu stellen. Dass er eine Neuansetzung möchte ist jedoch klar. Universum hat gleichzeitig bereits rechtliche Schritte gegen den finnischen Verband und Sauerland angedroht.

"Klarer Regelburch"

"Der finnische Verband hätte laut WBA-Regeln vor einer Absage ein dreiköpfiges Ärztepanel hinzuziehen müssen", sagte Kohl, "das war ein klarer Regelbruch." Tschagajew ist sportlich eine Gefahr für Walujew, das ist jedem bewusst, auch Don King und dem Sauerland-Team.

Bei einer weiteren Niederlage wäre die Karriere des 35 Jahren alten Ringgiganten möglicherweise beendet gewesen. Der angestrebte Mega-Zahltag für eine Titelvereinigung mit einem der Klitschko-Brüder wäre wohl nicht zustandegekommen.

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