Treffen sich zwei Systeme

Golden State Göttingen

Von Oliver Kucharski
Mittwoch, 10.10.2007 | 16:24 Uhr
BG 74, Göttingen, BBL, Basketball, Patrick
© BG
Advertisement
NBA
Cavaliers @ Bucks
NBA
Warriors @ Grizzlies
BSL
Fenerbahce -
Gaziantep
ACB
Real Madrid -
Malaga
NBA
Hawks @ Nets
NBA
Warriors @ Mavericks
Basketball Champions League
Ludwigsburg -
Neptunas
Basketball Champions League
Bonn -
Nymburk
NBA
Knicks @ Celtics
Basketball Champions League
Olimpija -
Bayreuth
Basketball Champions League
Oldenburg -
Karsiyaka
NBA
Pacers @ Thunder
NBA
Celtics @ Bucks
NBA
Thunder @ Timberwolves
NBA
Cavaliers @ Pelicans
BSL
Galatasaray -
Fenerbahce
ACB
Valencia -
Gran Canaria
NBA
Spurs @ Pacers
NBA
Spurs @ Celtics
Basketball Champions League
Aris -
Bonn

München - Die Liga der behäbigen Fleischberg-Defense lernt mit dem unorthodoxen Aufsteiger aus Göttingen gerade eine neue, aufregende Art von Basketball kennen. Denn der spielt mit gefühlten fünf Guards und wahnwitzigem Tempo - und könnte damit auch für so manchen Favoriten ziemlich unbequem werden.

BBL, zweiter Spieltag, Aufsteiger Göttingen gegen Rekordmeister Leverkusen. Der Auftrag an die Spieler ist klar: "Wir müssen Ruhe bewahren und dürfen uns nicht beeindrucken lassen."

Damit wir uns richtig verstehen: Dieses Zitat stammt nicht von BG-Trainer John Patrick, sondern von Giants-Coach Achim Kuczmann. Der Rekordmeister soll sich also nicht beeindrucken lassen. Vom Aufsteiger. Hört man auch nicht oft.

Nur einen Spieltag. Mehr hat Göttingen also nicht gebraucht, um der BBL nachhaltig klar zu machen, dass man den in der Zweiten Liga nahe an der Perfektion zelebrierten Tempo-Basketball auch in der höchsten deutschen Spielklasse aufzuführen gedenkt.

Treffen sich zwei Systeme - und es ist nicht der wuselige Aufsteiger, der sich der eher physisch zu Werke gehenden BBL anpasst, nein, es scheint umgekehrt.

Vier Guards, höchstes Tempo, 40 Minuten Stress

Es war ja auch wirklich zu beeindruckend, was die BG in der Zweiten Liga trotz Mini-Etat aufs Parkett gezaubert hat. Aufstieg fünf Spieltage vor Schluss, gerade mal zwei Niederlagen, eine davon, als alles schon egal war. Zudem beste Offense UND beste Defense der Liga (96:75 im Schnitt). Gab's nicht oft, so was, wahrscheinlich noch nie. Kurzum: Alles in Grund und Boden gespielt haben sie. Beinahe nach Belieben.

Und es war ein ziemlich unorthodoxer Basketball, den die BG da gezeigt hat. Wahnwitzig schnell und atemberaubend attraktiv. Von druckvoller Pressverteidigung war die Rede, von überfallartigen Schnellangriffen, vom Guard-Terror - Trainer John Patrick selbst spricht dagegen vom "organisierten Chaos". Small-Ball-Basketball vom Feinsten, vier Guards, höchstes Tempo, 40 Minuten Stress für den Gegner.

Man ist selbstbewusst: 100 Punkte? Machbar!

Und das hat sie nun eben selbstbewusst gemacht in der kleinen Universitäts-Stadt. Man gedenke nicht, den erfolgreichen Stil umzustellen, hatte John Patrick gesagt, auch wenn in der BBL der kraftvolle Verteidigungs-Basketball herrscht. Die großen Jungs würden der BG sicher Probleme bereiten, klar, andersrum sei dies aber genauso, und überhaupt, "auch in der BBL sind die hundert Punkte möglich", so Patrick. Forsche Ansage.

Das 88:81 in Gießen zum Auftakt war nun der erste Fingerzeig. Höchste Punktzahl des Tages, furiose Spielzüge, Göttingen am Wirbeln, Gießen im Stress. Und dann vor heimischen Publikum der Rekordmeister. Mit 15 Punkten führte die BG zwischenzeitlich - und als es dann doch noch knapp wurde, blieb der Aufsteiger für einen Aufsteiger erschreckend cool: 91:85 hieß es am Ende. Verdient und zu Recht.

Golden State Göttingen vs. Alba Mavericks

Dass die BG einen der kleinsten Etats der BBL vorzuweisen hat, dass dieser auch noch aufgeteilt werden muss, weil die BG-Damen ebenfalls in der Ersten Liga antreten (ein Luxus, den sich noch kein BBL-Club geleistet hat), dass vor der Saison mit Kyle Bailey auch noch der Top-Scorer der Zweiten Liga nach Ulm abgegeben werden musste - alles geschenkt. Denn in Göttingen regiert das System.

Und am dritten Spieltag ist das System nun wieder auf Reisen. Bei einem anderen System. Göttingen ist zu Gast in Berlin. Bei den großen Jungs von Alba. Das letzte Mal, als sich zwei solch unterschiedliche Systeme trafen, war es April. Es war NBA, es war die erste Runde der Playoffs - und die Dallas Mavericks schafften und schafften es nicht, sich auf das unkonventionelle Spiel der Golden State Warriors einzustellen. Eine Pleite mit Ansage.

Mal sehen, wie lange die BBL nun braucht, sich auf das forsche Spiel des Aufsteigers einzustellen. Es gibt, rein vom System her, ja so einige Mavericks in der BBL...

 

PS, ein nett gemeinter Nachtrag: Lieber BG-DJ, eine ranzige Schmonzette wie Whitney Houstons "One Moment In Time" nach einem Sieg einzuspielen, ist ein absolutes No-Go! Bis zum nächsten Heimspiel bitte dringend von einem erfahrenen DJ beraten lassen.

 

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung