Samstag, 14.03.2015

Innenminister de Maizière zum Anti-Doping-Gesetz

"Primat der Politik"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat dem Sport bei der Ausgestaltung eines Anti-Doping-Gesetzes eine Nebenrolle zugewiesen. "Das betone ich an dieser Stelle: Wir reden hier über Strafrecht und ein Bundesgesetz. Da gilt das Primat der Politik - und nicht die Autonomie des Sports", sagte de Maizière im Doppel-Interview mit Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), in der Tageszeitung Die Welt.

Thomas de Maiziere erwartet von sportlichen Großveranstaltungen mehr Nachhaltigkeit
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Thomas de Maiziere erwartet von sportlichen Großveranstaltungen mehr Nachhaltigkeit

In der letzten Zeit sei ihm im Zuge der Diskussionen um ein Anti-Doping-Gesetz "kaum einmal ein neues Argument vorgetragen worden", sagte de Maizière. Sport und Politik hätten sich "neutralisiert mit dem Vortragen von Gegenargumenten".

Es gebe in einigen Fragen einen Dissens mit dem Sport. "Damit lässt sich umgehen. Aber es muss auch mal Ende der Debatte sein. Jetzt ist der Punkt, wo wir aus den verschiedenen Argumenten ein Ergebnis erzielen wollen. Es wird nicht besser, wenn man alles noch zwei Jahre diskutiert", sagte de Maizière. Der Entwurf für ein Anti-Doping-Gesetz aus dem Innen- und Justizministerium war im Sport auf Kritik gestoßen.

Der für den Sport zuständige Innenminister forderte eine Woche vor der Entscheidung des DOSB, welche deutsche Stadt sich um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 bewerben soll, alle Beteiligten zu positivem Denken auf. "Ich finde, dass wir Deutsche glänzend darin sind, immer Gegenargumente zu finden. Mit der Bewerbung um Olympische Sommerspiele können wir beweisen, dass wir auch zum Gegenteil in der Lage sind. Dass wir - natürlich ohne Gegenargumente zu missachten - positiv an ein Projekt herangehen können", sagte de Maizière.

Grundlegende Änderungen erfordert

Laut Hörmann sei Olympia mehr als nur ein großes Fest, das wenig nachhaltigen Nutzen bringt. "Der Mehrwert der Spiele muss sich an anderen Dingen festmachen. Das Bewusstsein für die Sportentwicklung im ganzen Land vom Kinder- über den Jugend- bis hin zum Breiten- und Leistungssport wird zum Beispiel geschärft. Es kommt zu Effekten, die weit über eine ökonomische Berechenbarkeit hinausgehen", sagte Hörmann.

Im Zuge der Neuordnung der Sportförderung, die derzeit auf Initiative de Maizières und Hörmanns vorangetrieben wird, verwies der Innenminister auf einen inakzeptablen Status quo. "Wenn wir nach Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen heimkamen, haben wir die Dinge öffentlich manchmal ein wenig schön geredet, waren aber irgendwie doch enttäuscht. Es hat sich in Wirklichkeit eine Entwicklung nach unten verfestigt. Für eine Sportnation, wie wir sie sind, und auch mit Blick auf den finanziellen Einsatz, ist diese Entwicklung nicht akzeptabel", sagte de Maizière.


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