Turn-WM in Tokio

Reck: Hambüchen Vierter - Rang sieben für Boy

SID
Sonntag, 16.10.2011 | 11:54 Uhr
Fabian Hambüchen belegte bei der Turn-WM am Reck den undankbaren vierten Platz
© Getty
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Gegen die Asiaten war zum Abschluss der Turn-Weltmeisterschaften in Tokio am Reck kein Kraut gewachsen. Fabian Hambüchen und Philipp Boy wollen sich aber bei Olympia 2012 in London revanchieren.

Als die Titelträume am Reck geplatzt, die Medaillenhoffnungen zerstoben waren, einte die beiden Erzrivalen Fabian Hambüchen und Philipp Boy die Enttäuschung, aber auch der unbedingte Wille zu einer erfolgreichen Olympia-Revanche in London.

"Meine Übung ist grundsätzlich super, ich muss sie nur noch weiter stabilisieren", meinte der Cottbuser Boy. Ex-Weltmeister Hambüchen bastelt derweil schon am Computer an einer neuen noch schwierigeren Kür. "Ich bin da schon am Rechnen, wie ich auf einen höheren Schwierigkeitsgrad komme", sagte der Wetzlarer.

Beim fulminanten Abschluss der Kunstturn-Weltmeisterschaften in Tokio war dem ungleichen Duo im mit 6000 Zuschauern fast ausverkauften Metropolitan Gymnasium die geballte Phalanx der Asiaten am "Königsgerät" diesmal noch voraus.

Mit Ausgangswerten von 7,7 und 7,6 Punkten und nahezu perfekten Ausführungen landeten Zou Kai (16,441) und Titelverteidiger Zhang Chenglong (16,366) einen chinesischen Doppelsieg, der überragende Stilist Kohei Uchimura aus Japan (16,333) schnappte Hambüchen (16,233) mit der letzten WM-Übung überhaupt die Bronzemedaille weg.

Fataler Fehler von Boy

Boy hatte 7,7 Schwierigkeitspunkte vorbereitet, doch ein folgenschwerer Fehlgriff beim Adler mit halber Drehung mit Sturz vom Gerät warf den Lausitzer völlig unvermittelt auf den siebten Platz (14,300) zurück.

"Das ganz große Ziel, eine Mehrkampfmedaille, habe ich ja erreicht, also darf ich eigentlich nicht enttäuscht sein. Aber es tut trotzdem weh, denn in der Einturnhalle lief es noch super", haderte der 24-Jährige, der nur zu gern wenigstens das nationale Duell gegen Hambüchen gewonnen hätte.

Der Hesse war über den Startplatz eins im Reckfinale ein bisschen unglücklich, gab sich aber anschließend angriffslustig: "Keiner ist unschlagbar, unsere Ausgangsposition für London ist gar nicht schlecht."

Hambüchen gibt Grünes Licht

Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen kündigte Detailarbeit an, "denn Fabians winziger Hopser bei der Landung hat zumindest Bronze gekostet."

Doch bevor sich die beiden Gerätartisten beim Abschlussbankett im Meiji-Garten japanische Spezialitäten schmecken ließen, veröffentlichte Hambüchen mit einem breiten Lächeln sein ganz persönliches medizinisches Bulletin: "Mit Sprung und Boden werde ich meinen Fuß in den nächsten beiden Wochen nicht belasten, aber ich bin schmerzfrei und brauchte am Reck schon kein Tape mehr."

Erst im Januar hatte sich der Olympia-Dritte von Peking einen Achillessehnenriss zugezogen.

"Queen Mum" zieht positive Bilanz

Wie die beiden deutschen Protagonisten am Reck will auch die "Queen Mum" des Kunstturnens unbedingt nach London. Und so genoss Oksana Chusovitina kurz ihren silbernen Triumph, ballte nach ihren beiden Sprüngen sogar ganz untypisch die Faust, aber die Gedanken der 36 Jahre alten Kölnerin wanderten nach dem erfolgreichen Ende ihrer zwölften Welttitelkämpfe rasch zu ihren bevorstehenden sechsten Olympischen Spielen.

Bei aller Vorfreude hatte die gebürtige Usbekin aber auch nicht vergessen, dass ihre einzigartige Karriere noch zu Jahresbeginn auf der Kippe gestanden hatte: "Zwei Schulteroperationen, und dann noch eine OP an der Achillessehne, das war hart für mich, ich hatte ein bisschen Angst." Aber das Comeback gelang, auch bei den Europameisterschaften in Berlin im April sprang die Mannschafts-Olympiasieger von 1992 (!) zur Silbermedaille.

Bis London gilt es nun, wieder ganz gesund zu werden, ihre schmerzhafte Bauchmuskelzerrung auszuheilen und sich mit dosiertem Training fit zu halten. "Ich muss immer mal wieder einen Punkt überwinden, an dem es mir schwer fällt. Aber ich kämpfe dafür", sagte "Chuso", die dank ihrer immensen Erfahrung auch ein ganz wichtiger stabilisierender Faktor für die deutsche Riege ist, die sich in der japanischen Hauptstadt wie auch das Männer-Sextett für Olympia qualifizieren konnte.

Neuer Sprung-Weltmeister wurde Yang Hak Seon aus Südkorea, den Titel am Schwebebalken sicherte sich die Chinesin Sui Lu. Danell Leyva aus den USA triumphierte am Barren, am Boden setzte sich die Russin Xenija Afanasjewa durch. Nach dem Olympiajahr 2012 finden die nächsten Weltmeisterschaften 2013 in Antwerpen statt.

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