Die große Krise des Ronnie O'Sullivan

SID
Samstag, 16.04.2011 | 16:12 Uhr
Ronnie O'Sullivan ist die schillernde Figur des Snooker
© Getty
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Ronnie O'Sullivan ist das Enfant Terrible im Gentlemen-Sport Snooker. Drogenskandale, öbszöne Pressekonferenzen und sein geniales Spiel wechseln sich regelmäßig ab. Vor der Weltmeisterschaft ab Samstag im legendären Crucible Theater in Sheffield will O'Sullivan seine Leidenschaft mit Hilfe eines Sportpsychologen neu entfachen.

Es ist eine krankhafte Beziehung, die Ronnie O'Sullivan zu seinem Sport führt. Oft hasst er das Snooker-Spiel, das er so gut beherrscht wie niemand sonst auf dieser Welt. Nur noch selten liebt er die Momente am Tisch, wenn die Kugeln einzig und allein ihm gehorchen und scheinbar magisch ihren Weg in die Taschen finden.

Vor der Weltmeisterschaft, die am Samstag im altehrwürdigen Crucible Theater in Sheffield beginnt, steht O'Sullivan am Scheideweg. In seiner Not hat er sich Hilfe geholt.

Sportpsychologe soll O'Sullivans Karriere retten

Dr. Steve Peters heißt der Mann, der O'Sullivans Karriere retten soll. Er ist Sportpsychologe. Eigentlich. Denn für den depressiven, manchmal aggressiven und momentan ständig lustlosen Ausnahmespieler mimt Peters momentan eine Art Eheberater. Peters hat einen klaren Auftrag: Er soll O'Sullivans Leidenschaft zum Snooker neu entfachen, das zerrüttete Verhältnis zwischen dem Genie und seiner großen Liebe in Ordnung bringen.

Doch wo soll Peters ansetzen bei dem Mann, der all das Schöne und Rekordverdächtige im Snooker verkörpert, jedoch seit Jahren ums eigene Gleichgewicht ringt? Die britischen Bahnradfahrer brachte Peters vor den Olympischen Spielen auf Medaillenkurs - eine vergleichsweise einfache Aufgabe zur Arbeit mit dem Enfant Terrible der 15 roten Kugeln.

Meister der obszönen Gesten

O'Sullivan macht den Menschen in seiner Umgebung das Leben schwer. Er schockiert gerne, wie bei einer Pressekonferenz in China, als nicht etwa Queue und Kugeln, sondern Oralsex und die Größe seines Genitals O'Sullivans Gesprächsthema waren.

Verschossene Bälle auf dem Snookertisch quittierte der Meister mit dem ausgestreckten Mittelfinger. Er wurde positiv auf Cannabis getestet und gab zu, alkoholkrank zu sein. Für all die Vergehen verdonnerte ihn der Snookerverband zu Geldstrafen. Gelernt hat O'Sullivan nichts daraus.

O'Sullivan eine lebende Snooker-Legende

Der einzige Mensch, der ihm etwas beibringen konnte, war sein Vater, Inhaber einiger Sex-Shops im Londoner East End. Als Ronnie O'Sullivan 16 Jahre alt war und bei einem Jugendturnier in Thailand an seiner Karriere bastelte, wurde sein Mentor festgenommen. "Lebenslang wegen Mordes" lautete das Urteil nach einer Messerstecherei in einem Nachtclub.

O'Sullivan ging dennoch seinen Weg, wurde dreimal Weltmeister und spielte die fünf schnellsten Maximum Breaks der Snooker-Geschichte - ein Ausdruck wahrer Perfektion. Doch die Vorstellung, einfach alles hinzuschmeißen, quält ihn seit der Jugend, zuerst leise, dann wurde sie immer lauter. "Meine Dämonen" nennt der heute 36-Jährige die Gedanken, ohne Snookerleben zu müssen.

Dr. Peters soll diese Dämonen nun bekämpfen. Oft genug hat es O'Sullivan selbst geschafft, immer war es ein Kraftakt. Nur die Leichtigkeit am Tisch, die fließenden Kombinationen und die Wechsel zwischen der rechten und linken Hand am Queue überspielten den verzweifelten Streit mit sich selbst. "Ronnie zu beobachten, ist wie Gott bei der Arbeit zuschauen zu dürfen", sagte Konkurrent Alan McManus einmal tief beeindruckt.

Start bei der WM lange fraglich

Worte, die mittlerweile nur noch wie das Echo der längst vergangenen Geschichte klingen. Seit November hat O'Sullivan nun kein offizielles Match mehr gewonnen, die German Open sagte er mit einer fadenscheinigen Begründung kurzfristig ab.

Nach seiner Erstrundenpleite bei den China Open klang er fatalistisch wie selten: "Ich habe keine Ahnung, wie lange ich das noch mitmachen will. Ich sage nicht, dass ich aufhöre, aber es sieht nicht gut aus."

Sein Start bei der WM in Sheffield war lange fraglich. Am vergangenen Donnerstag rief er beim Verband an um abzusagen. Einen Tag später war er wieder am Telefon. Diesmal sagte er zu. So ist er, "The Rocket", die Rakete. Immer für einen Volltreffer oder einen Rohrkrepierer gut.

Alle Begegnungen der 1. Runde der WM im Überblick:

  • Neil Robertson (TV) - Judd Trump
  • Marco Fu - Martin Gould
  • Graeme Dott - Mark King
  • Ali Carter - Dave Harold
  • Ding Junhui - Jamie Burnett
  • Peter Ebdon - Stuart Bingham
  • Stephen Hendry - Joe Perry
  • Mark Selby - Jimmie Robertson
  • Mark Williams - Ryan Day
  • Jamie Cope - Andrew Pagett
  • Mark Allen - Matthew Stevens
  • Stephen Maguire - Barry Hawkins
  • Shaun Murphy - Marcus Campbell
  • Ronnie O'Sullivan - Dominic Dale
  • Ricky Walden - Rory McLeod
  • John Higgins - Stephen Lee

 

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