Ma Long abgelöst

Timo Boll wieder Weltranglistenerster

SID
Dienstag, 04.01.2011 | 10:46 Uhr
Platz eins der Weltrangliste erreichte Timo Boll erstmals im Januar 2003
© sid
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Timo Boll hat zum dritten Mal die Spitze der Weltrangliste erobert und sieht sich völlig zurecht vor den Weltmeistern und Olympiasiegern aus China platziert.

Rückkehr an die Spitze mit Rekord: Timo Boll hat sich mit seinem dritten Sprung an die Spitze der Weltrangliste einen Eintrag in die Geschichtsbücher gesichert. "Das ist nach so vielen Jahren ein tolles Gefühl. Ich war nicht sicher, ob mir das noch einmal gelingen würde, darum ist es umso schöner", sagte der Europameister, der nach sieben Jahren und zwei Monaten auf den ersten Platz zurückkehrte.

Ein Comeback nach so langer Zeit ist ein Novum in der 83-jährigen Geschichte des Rankings. Zweifel an seinem frisch verbrieften Status als bester Spieler der Welt tangieren den bislang einzigen Deutschen an der Spitze, dem ein WM-Titel oder ein Olympiasieg allerdings noch fehlen, nicht wirklich.

"Natürlich ist es auch mein großes Ziel, bei Olympia und einer WM möglichst weit oben auf dem Treppchen zu stehen, doch dafür muss vieles zusammenpassen", sagte Boll: "Die Weltrangliste aber drückt das wahre Leistungsniveau besser aus als einzelne Erfolge zu bestimmten Zeitpunkten, man kommt nicht durch Zufall ganz nach oben. Ich habe im vorigen Jahr konstant gut gespielt und dabei schließlich auch einige der besten Chinesen geschlagen."

43 Punkte Vorsprung hat der 29-Jährige zu Beginn des WM-Jahres in der Wertung des Weltverbandes ITTF auf den Asienmeister und vorherigen Spitzenreiter Ma Long aus China. Ausschlaggebend für Bolls Comeback an der Spitze waren sein Erfolg beim ITTF-Eliteturnier Anfang Dezember in Braunschweig durch einen Finalsieg über Olympiasieger Ma Lin und die Abwesenheit von Chinas Weltmeistern beim Pro-Tour-Jahresfinale kurz vor Weihnachten in Seoul.

"Chinas Staatsfeind Nummer eins"

Exakt vor acht Jahren war Boll durch eine famose Serie großer Triumphe kometenhaft erstmals an die Spitze gestürmt und damit zu "Chinas Staafsfeind Nummer eins" (Ex-Doppelweltmeister Steffen Fetzner) avanciert. Von August bis Oktober 2003 stand der Linkshänder nochmals auf Rang eins - danach führten bis Dienstag ausschließlich Chinesen aus gleich zwei Spieler-Generationen das Ranking an.

In dieser Zeitspanne hat sich aus Sicht des Nachfolgers von Schwedens Ikone Jan-Ove Waldner als EM-Rekordtitelgewinner in Deutschland die Wahrnehmung des Tischtennis-Sports auch dank seiner Erfolge spürbar verändert. "Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ende angekommen. Wir haben einige Schritte nach vorne gemacht, die Menschen verfolgen das Geschehen in unserem Sport viel aufmerksamer."

Jüngstes Indiz für die Richtigkeit der Einschätzung war sein zweiter Platz bei der Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres 2010 hinter Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.

"Globaler Botschafter des Tischtennis-Sports"

Bolls Strahlkraft hält auch Ehrenpräsident Hans Wilhelm Gäb vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB), zugleich Berater des Team-Olympiazweiten, für bedeutsam: "Weltranglistenplätze sind wichtig, aber noch interessanter ist, dass Timo trotz Superathleten aus China wie Ma Lin und Ma Long, Wang Liqin oder Wang Hao in der globalen Welt der sportinteressierten Menschen wahrscheinlich der bekannteste Tischtennis-Spieler geworden ist."

"Er ist ein globaler Botschafter dieses Sports, eine unverwechselbare Marke. Dies ist entstanden durch sein einzigartig kreatives und oft geniales Spiel, durch persönliche Zuverlässigkeit und Fairplay, durch Integrität und Bescheidenheit auch im Sieg", sagte der Ex-Nationalspieler und frühere Sporthilfe-Chef.

Bolls nächstes Ziel: Die Einzel-WM

Das nächste Ziel Bolls im vorolympischen Jahr ist die Einzel-WM in Rotterdam (8. bis 15. Mai). "Ich möchte bei den Turnieren vorher möglichst viel gegen die beste Chinesen spielen. Das ist der beste Weg, um bei der WM vorne dabei zu sein." Erinnerungen an 2003, als Boll während seiner ersten "Regentschaft" bei der WM schon in Runde zwei scheiterte, sind für den zweimaligen Weltcupsieger kein böses Omen: "Ich bin nicht abergläubig."

Zweitbester Deutscher ist European-Supercup-Sieger Dimitrij Ovtcharov (Hameln), der vom elften auf den zwölften Platz abrutschte. Bei den Damen führt unverändert die Chinesin Guo Yan. Beste Deutsche ist Ex-Europameistern Jiaduo Wu (Kroppach), die fünf Plätze verlor und auf dem 21. Rang liegt.

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