Donnerstag, 30.09.2010

Reitsport: WM in Lexington

Nur Platz zehn für Isabell Werth

Immer wieder hat Isabell Werth in der Vergangenheit das deutsche Team vor Niederlagen bewahrt. Am Mittwoch im Special der Weltmeisterschaften von Lexington war es ihr egal. Sie hat alles aufs Spiel gesetzt und verloren.

Isabell Werth gewann bereits fünf Olympische Goldmedaillen
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Isabell Werth gewann bereits fünf Olympische Goldmedaillen

Warum nicht mal Risiko? Das Gerede um die historische Niederlage war ihr egal. Isabell Werth stieg in den Sattel und gab Gas. Die temperamentvolle Reiterin aus Rheinberg jagte ihren Wallach "Warum nicht" bei der WM in Lexington durchs Viereck, wagte alles - und verlor. Absturz auf Platz zehn im Grand Prix Special für Werth und eine erneute historische Schlappe für die Deutsche Reiterliche Vereinigung.

Doch für Werths Mut gab es anerkennende Worte. "Das ging nur mit vollem Risiko. Sonst hättest du keine Chance gehabt", sagte Pferdegroßhändler und Ex-Reiter Paul Schockemöhle zu ihr und nahm sie kurz in den Arm. "Was sollte sie sonst machen? Entweder die Eisen halten oder sie fliegen. Dass man mal Zehnter wird, geht da ganz schnell", sagte Bundestrainer Holger Schmezer.

Isabell Werth: "No risk, no fun"

Dass am Ende wieder eine Schlappe stand - erstmals gab es bei einer WM seit 1966 in einem Einzelwettbewerb keine deutsche Medaille - war letztlich egal. Und dass sie zumindest auf dem Papier nur noch Mittelmaß war, kümmerte die sechsmalige Weltmeisterin wenig.

Stattdessen stand Isabell Werth zu ihrem Husarenritt: "No Risk, no Fun. Es nicht zu versuchen, wäre falsch gewesen", sagte Werth, die mit ihrem beherzten Ritt auch zeigte, wieviel Sport in der Dressur steckt.

Etwas verwundert nahmen die deutschen WM-Debütanten das Endergebnis zur Kenntnis. Plötzlich standen sie vor Werth im Ranking. Das gab es noch nicht oft. Christoph Koschel, so etwas wie die deutsche Entdeckung im Team, ritt auf Platz sechs. Dafür gab es ein Küsschen von Frau Patricia.

Aussichten auf eine deutsche Medaille gering

Anabel Balkenhol kam dank einer enormen Steigerung nach dem Teamwettbewerb auf Rang acht und konnte damit gut leben: "Ich habe keine Gefühle dabei, dass ich vor Isabell stehe", sagte die 38-Jährige und fand Werths tiefen Fall nicht schlimm: "Ein Absturz ist das schon gar nicht. Sowas passiert halt immer wieder in unserem Sport."

Allerdings nehmen die Rückschläge für das deutsche Team zu. Und auch für den letzten Dressur-Wettbewerb bei den Weltreiterspielen am Freitag in der Kür sind die Aussichten auf eine Medaille für Werth, Koschel und Balkenhol ziemlich gering.

Reiter wie Doppel-Weltmeister Edward Gal, die Britin Laura Bechtolsheimer und selbst ein Spanier namens Juan Manuel Munoz Diaz sind zurzeit stärker als die Deutschen. Werth war's egal. Sie versprach: "Ich greife am Freitag in der Kür noch einmal an."

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