Snooker-WM 2010 - 2. Runde

Drama, baby, Drama

Von Andreas Lehner / Florian Regelmann
Dienstag, 27.04.2010 | 12:59 Uhr
Steve Davis (l.) konnte seine Leistung gegen Titelverteidiger John Higgins kaum fassen
© Getty
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Der Grand Seigneur des Snookers dreht bei der WM die Zeit zurück und schmeißt den Titelverteidiger raus. Das Crucible Theatre kocht. Ronnie O'Sullivan zeigt eine geniale Leistung, ist aber trotzdem sauer.

John Higgins - Steve Davis 11-13

Drama, baby, Drama! Der Weltmeister ist raus und schafft es auch nicht, als erster Spieler seit Stephen Hendry 1996 seinen Titel zu verteidigen. Dafür steht mit Davis der Grand Seigneur des Snookers zum ersten Mal seit 2005 wieder im Viertelfinale der WM. Damals scheiterte er an Shaun Murphy.

Davis legte den Grundstein für seinen Erfolg schon in der ersten Session, die er mit 6-2 für sich entschied. Higgins fand überhaupt nicht zu seinem Spiel, konnte sein Breakbuilding nicht auf den Tisch bringen und nur rund 80 Prozent seiner Bälle lochen (Davis 95 Prozent).

Mit einer konzentrierteren Vorstellung verkürzte Higgins in der zweiten Session auf 7-9 und glich zu Beginn der abschließenden dritten Session zum 9-9 aus. Dabei schaffte Higgins sein 100. Century im Crucible. Davis schlug zurück, zog wieder auf 11-9 davon, aber wieder glich Higgins aus. Die beiden trieben die Spannung auf die Spitze.

Higgins legte im 24. Frame 43 Punkte vor und verschoss dann eine Rote. "Ich habe einige entscheidende Stöße vermasselt und die Bälle verzeihen dir nicht. Ich wusste, dass er den Tisch abräumen wird, ich wusste es einfach", sagte Higgins. Davis nutzte die Chance und war bis zum Endspiel auf die Farben auf drei Punkte dran.

Er lochte Gelb und Grün und sorgte dann für einen dieser unvergesslichen WM-Momente. "The Nugget" hatte die Wahl, Braun über Bande zu lochen oder eine Safety zu spielen. Der 52- Jährige entschied sich für Risiko und wurde belohnt. "Ich hatte die Möglichkeit, Grün zu lochen und auf Braun eine sehr gute Safety zu spielen, aber dann hätte ich den Frame nicht entschieden", sagte Davis. "Ich hatte die Chance, das Match zu gewinnen und ich dachte mir, zieh den Ball von Grün zurück und lass dir die Chance auf das Double mit Braun. Ich habe den perfekten Winkel bekommen und ich dachte, dass ist dein Moment. Tu es einfach!"

Also lochte Davis Braun und stellte sich gleichzeitig Blau vor die Ecktasche. "Bis ich Pink gelocht habe, habe ich mich zusammengerissen, obwohl ich gezittert habe wie ein Blatt im Wind." Als er Frame und Match sicher hatte, faste sich Davis fast ungläubig an den Kopf und wurde von den Fans im Crucible gebührend gefeiert. Auch Higgins zollte seinem Gegner noch mal Respekt: "Für mich ist er der Größte. Mit 52 Jahren auf diesem Level zu spielen, ist einfach unglaublich."

Neil Robertson - Martin Gould 13-12

Auch das war kein Spiel für schwache Nerven. Der Qualifikant Gould hatte den Sieg eigentlich schon in der Tasche und erspielte sich mit herausragendem Lochspiel und grandiosen langen Einsteigern eine 11-5-Führung.

Aber in der letzten Session hatte Gould deutlich mit dem Druck zu kämpfen. Sein Spiel wurde anfälliger, seine Safeties ungenauer und nicht mehr so zwingend. Während Gould noch die ersten sechs Frames der ersten Session für sich entschieden hatte, gewann Robertson die ersten fünf der dritten (10-11).

Gould zog noch mal auf 12-10 davon, aber Robertson behielt die Nerven und konterte eine verschossene Rote von Gould nach einem 40er Break mit einer 52. Mit einer Roten auf dem Tisch spielte er einen Snooker hinter Schwarz, aus dem Gould zwar regelkonform herauskam, aber Robertson eine Chance hinstellte.

Die nutzte der "Thunder from Down under" eiskalt und ist damit erst der zweite Spieler in der Crucible-Geschichte, der in der Schlusssession ein 5-11 noch in einen Sieg verwandeln konnte. "Ich habe einige Ranglistenturniere gewonnen, aber dieses Comeback zu schaffen, wenn die Trennwand nach oben gefahren ist und das ganze Crucible auf dich schaut, ist definitiv einer der schönsten Siege meiner Karriere", sagte Robertson.

Mark Williams - Ronnie O'Sullivan 10-13

Ronnie at its best! Vor allem in der letzten Session. Aber genau da kommt es ja auch drauf an. Zuvor verlief das Spiel auf sehr hohem Niveau extrem ausgeglichen: 4-4 stand es nach der ersten Session, 8-8 nach der zweiten.

Den ersten Frame der letzten Session gewann Williams, aber dann legte "The Rocket" los. Mit schier unglaublichem Lochspiel gewann er drei Frames in Folge und ging mit 11-9 ins Midsession Interval. Williams kam mit einem Century zurück, aber O'Sullivan machte das Match ebenfalls mit zwei Centuries in Folge zu.

Nach dem Match geriet O'Sullivan im TV-Interview in Rage, als er darauf angesprochen wurde, dass er selbst sein größter Kritiker sei.

"Wenn mir das noch einmal jemand sagt, beende ich sofort das Interview. Ihr habt keine Ahnung, wovon ihr überhaupt sprecht", sagte O'Sullivan, der trotz seiner genialen Vorstellung nicht an den WM-Titel glaubt.

"Im Training spiele ich teilweise furchtbar und loche keine Kugel. Wenn ich dann im Match am Tisch stehe, schaffe ich es aus purer Verzweiflung doch irgendwie, aber ich glaube nicht, dass mein Spiel gut genug ist für den Titel."

Mark Selby - Stephen Hendry 13-5

Eine überragende Vorstellung von Selby. Nach einer engen ersten Session (4-4) zog Selby in der zweiten (7-1) auf 11-5 davon und beendete das Match am Abend ganz schnell. Der siebenfache Champion Hendry hatte nicht den Hauch einer Chance.

Im Viertelfinale trifft Selby nun auf O'Sullivan - ein Match, das man nicht verpassen darf. Das wird eine ganz heiße Sache. "Seit ich ein kleines Kind bin, habe ich zu ihm aufgeschaut. Es wird eine tolle Herausforderung für mich", so Selby.

Ding Junhui - Shaun Murphy 10-13

Lange war es eine ganz enge Kiste. Ding entschied die erste Session (5-3) für sich, dann konterte Murphy, sodass es ausgeglichen (8-8) in den Abend ging.

Der Chinese, der während des Matches nie konstant genug war, ging mit einem 137er Break zwar noch einmal in Führung (10-9), aber danach übernahm Murphy das Kommando und entschied das Match mit vier gewonnenen Frames in Serie. Sein 128er Break zum Abschluss war brillant.

Die Zusammenfassung der 1. Runde

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