Dienstag, 30.03.2010

Dominik Britsch im Interview

Britsch: "Sturm? Ich boxe jeden"

Dominik Britsch ist IBF-Junioren-Weltmeister im Mittelgewicht. Zusammen mit Arthur Abraham kämpfte er zuletzt erstmals in den USA - und schlug dort Lokalmatador Matt Berkshire in der zweiten Runde k.o. Im SPOX-Interview erklärt der 22-Jährige, warum er die Disqualifikation von Abraham für gerechtfertigt hält und spricht er über Lob von Henry Maske, die Nachfolge von Sven Ottke und einen möglichen Kampf gegen Felix Sturm.

Dominik Britsch schließt einen Kampf gegen Felix Sturm nicht aus
© Getty
Dominik Britsch schließt einen Kampf gegen Felix Sturm nicht aus

SPOX: Sie haben vor Arthur Abraham im Rahmenprogramm gekämpft und sich seinen Kampf gegen Andre Dirrell anschließend angeschaut. Was ist Ihre Meinung zu der Disqualifikation Abrahams?

Dominik Britsch: Ich glaube, dass die Disqualifikation gerecht war, denn Dirrell war am Boden und Arthur hat nachgeschlagen. Aber man kann Arthur dafür keine richtige Schuld geben, denn der Ringrichter hätte schneller eingreifen müssen. Außerdem glaube ich, dass Dirrell hätte weiterboxen können. Die Aktion von Arthur kam ihm wahrscheinlich sehr gelegen. Denn ihm schien langsam die Puste auszugehen.

SPOX: Hat es Sie überrascht, dass Abraham bis zur Disqualifikation nach Punkten hinten lag?

Britsch: Wir haben damit gerechnet, dass er die ersten Runden abgibt, aber nicht, dass es so klar wird. Ich bin mir sicher, dass er in der letzten Runde große Chancen gehabt hätte, Dirrell k.o. zu schlagen.

SPOX: Viele haben auf Abraham als Turniersieger beim Super Six gesetzt. Wie geht es weiter?

Britsch: Jetzt ist alles offen. Die Favoriten Mikkel Kessler und Abraham wurden von den Außenseitern Andre Ward und Andre Dirrell besiegt. Aber ich tippe weiterhin auf Arthur. Er kann es packen. Ward allerdings sehe ich auch weit vorne.

SPOX: Am selben Abend lief noch der Kampf zwischen Steffen Kretschmann und Denis Bakhtov. Kretsche hat in der 9. Runde in Führung liegend aufgegeben. Wie erklären Sie sich das?

Britsch: Ich habe den Kampf nicht gesehen, aber Kretschmann hatte natürlich einen Riesentrubel mit dem Dokufilm über seine Vorbereitung. Vielleicht hat er das nicht so gut verkraftet. Aber als Berufsboxer kann man nicht einfach aufgeben. Entweder man verliert nach Punkten oder nach K.o., aber nicht durch Aufgabe. Das kommt für mich auf keinen Fall in Frage.

SPOX: Ihre Vorbereitung auf den Kampf gegen Matt Berkshire lief optimal. Wie war es, das erste Mal in Amerika zu boxen?

Britsch: Es war eine super Erfahrung. Ich war vor ein paar Jahren schon einmal als Zuschauer bei einem Kampf von Arthur in Amerika dabei. Von daher war es natürlich großartig, nun mit ihm zusammen zu boxen.

SPOX: Waren Sie deshalb nervöser als sonst?

Britsch: Es ist schon etwas anderes, im Ausland zu boxen. Es ist eben keine Sauerland-Veranstaltung. Aber Ring ist Ring. Sobald der Kampf begonnen hat, sind alle Gedanken weg und man versucht nur noch, sein Ding runterzuboxen.

SPOX: Ihr Gegner ging in der zweiten Runde k.o. 2008 hat er ein ganzes Jahr lang gar nicht gekämpft, weil er im Knast saß. Beeinflusst Sie so etwas?

Britsch: Nein. Ich wusste so gut wie gar nichts über den Gegner. Ich kannte nur seinen Kampfrekord. Ich gehe immer mit Respekt in den Kampf, erwarte einen starken Gegner und eine große Schlacht. Ich bin im Ring eigentlich nie leichtsinnig.

SPOX: Henry Maske hat anschließend über Sie gesagt "Er hat den Kampf sehr resolut geführt und mich beeindruckt." Wie sehr freut Sie das Lob?

Britsch: Henry Maske war einer der größten deutschen Boxer. Er hat sehr taktisch und klug geboxt, weshalb ein Lob von ihm etwas Besonderes ist. Das motiviert mich und gibt mir Kraft. Aber das Wichtigste war, dass Ulli Wegner mit mir zufrieden war.

SPOX: Wichtiger, als dass Sie selbst zufrieden sind?

Britsch: Auf jeden Fall. Ich selber bin nie ganz zufrieden. Aber wenn Ulli Wegner sagt, es ist okay, dann bin ich beruhigt.

SPOX: Ulli Wegner ist für klare Worte bekannt. Arthur Abraham weist er gerne zurecht. Ist er bei Ihnen zahmer?

Britsch: Eigentlich kommt es nicht vor, dass er richtig mit mir schimpft. Ich bin sehr zielstrebig und sehr diszipliniert. Es passiert nie, dass er mich zum Training antreiben muss.

SPOX: Trotz Ihres Fleißes boxen Sie momentan noch im Vorprogramm. Stört es Sie, dass Sie derzeit nur der Appetithappen für den Hauptkampf sind?

Britsch: Auf keinen Fall. Jeder Kampf bringt mich weiter. Ich boxe fast immer, wenn Arthur kämpft. Dadurch bekomme ich den ganzen Rummel mit, den man um sich herumhat, wenn man ganz oben steht. Es ist gut, wenn ich nicht ins kalte Wasser geworfen werde, sondern erst Erfahrung sammeln kann. Darüber hinaus habe ich ja inzwischen mit der IBF-Junioren-Weltmeisterschaft schon einen Titel inne. Für mich ist es ein sehr großer Ansporn, vor Augen zu haben, wo ich hin will. Wenn das Fernsehen meine Kämpfe überträgt und die Leute zufrieden mit meiner Leistung sind, ist das eine Anerkennung. Deshalb will ich irgendwann Hauptkämpfe bestreiten und Weltmeister werden.

SPOX: Der Beginn Ihrer Boxkarriere war sehr ungewöhnlich. Sie haben sich in der 11. Klasse beim Sauerland-Boxstall um ein Praktikum beworben. Wie kam es dazu?

Britsch: Ich habe mit sieben Jahren angefangen zu boxen und wollte schon als kleiner Junge Weltmeister bei den Profis werden. Mir war klar, dass ich diesen Weg einschlagen werde. In der 11. Klasse mussten wir dann ein Schulpraktikum machen, also habe ich mich bei Sauerland um ein Praktikum beworben. Ulli Wegner hat mich danach gleich mit ins Trainingslager genommen und mir etwas später einen Vertrag angeboten.

SPOX: Hat Sie das Vertragsangebot überrascht?

Britsch: Natürlich bin ich mit riesigen Erwartungen hingegangen, denn ich wollte unbedingt Profi werden. Aber ich habe nicht damit gerechnet, dass alles so schnell klappt. Ich war mit 18 dort und durfte gleich gegen die Großen ran und mit ihnen Sparring machen. Es hat mich selber überrascht, dass Ulli Wegner gleich von mir überzeugt war.

"Eigentlich kommt es nicht vor, dass Ulli Wegner richtig mit mir schimpft. Ich bin sehr zielstrebig und sehr diszipliniert. Es passiert nie, dass er mich zum Training antreiben muss."

Dominik Britsch über Ulli Wegner

SPOX: Ging damit ein Traum in Erfüllung?

Britsch: Auf jeden Fall. Ich lebe gerade meinen Traum, denn Boxen ist einfach mein Sport.

SPOX: Was fasziniert Sie daran?

Britsch: Das Training hat mir von Anfang an sehr viel Spaß gemacht, weil es so vielseitig ist. Vor allem aber der Kampf Mann gegen Mann. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Wenn man als Sieger den Ring verlässt, ist das ein großartiges Gefühl.

SPOX: Ihre Karriere läuft bisher reibungslos: Als Profi haben Sie eine makellose Bilanz. Was macht Sie so stark?

Britsch: Ich habe viel mit meinem Vater trainiert und eine sehr gute Grund- und Taktikausbildung. Technisch bin ich auch schon sehr weit und zudem noch schnell. Außerdem boxe ich viel mit Köpfchen.

SPOX: Woran müssen Sie noch arbeiten?

Britsch: Auf jeden Fall beim Angriff an der Deckung. Da bin ich noch viel zu offen. Ich feile jeden Tag an den Grundschultechniken, denn im Boxen lernt man nie aus.

SPOX: Im vergangenen Jahr standen Sie neunmal im Ring. Wie halten Sie so ein Mammutprogramm aus?

Britsch: Das ist kein Problem. Schon neben dem Abiturstress hatte ich Boxkämpfe. Jetzt ist die Schule vorbei und ich kann mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Nach einem Kampf mache ich keine Pause, sondern steige sofort wieder ins Training ein.

SPOX: Sie haben während der Schulzeit zweimal täglich trainiert, zum Teil frühmorgens vor dem Unterricht. Woher nehmen Sie die Disziplin?

Britsch: Ich will der Beste werden und Weltmeister sein. Deshalb denke ich jeden Tag daran, wie hart meine Gegner trainieren. Ich will einfach ein bisschen mehr machen als die anderen. Es war nicht immer leicht, so früh aufzustehen, aber ich habe meine Ziele vor Augen. Das hilft enorm.

SPOX: Apropos Ziele. Sie sind Mittelgewichtler. Felix Sturm auch. Wie wäre es mal mit einem Kampf gegen ihn?

Britsch: Sobald mein Manager oder Trainer sagt, dass ich bereit bin, boxe ich gegen jeden. Ich habe keinen Wunschgegner, ich würde gerne alle boxen.

SPOX: Das Studium muss also erstmal warten?

Britsch: Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, bald mit einem Fernstudium zu beginnen. Aber wenn ich siebenmal im Jahr boxe, kann ich mich nicht auf ein Studium konzentrieren. Im Moment ist Boxen wichtiger. Aber in naher Zukunft würde ich gerne studieren, Sportmanagement oder BWL.

SPOX: Bleibt für andere Hobbies auch noch Zeit?

Britsch: Ich gehe gern schwimmen oder spiele Basketball. Die meisten meiner Kumpels sind auch Sportler. Ich bin nicht der Partytyp, sondern gehe gern mit ihnen essen oder mal in eine Bar.

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