Boxen

Brähmer schickt Kanfouah ins Krankenhaus

SID
Jürgen Brähmer zeigte in Dresden gegen Kanfouah eine Gala-Vorstellung
© Getty

Nach fünf Runden exzellenter Kurzarbeit sprang Jürgen Brähmer auf die Ringseile und ließ sich in Siegerpose von den Fans für sein gelungenes Comeback gegen den Franzosen Rachid Kanfouah und den ersten Europameister-Titel seiner Box-Karriere feiern.

"Richtig schön, so einen großen Titel hatte ich noch nie", sagte der Schweriner Halbschwergewichtler und warf seinen EM-Gürtel lässig über die Schulter.

"Jetzt werde ich noch in diesem Jahr Weltmeister." Sein überforderter Gegner Rachid Kanfouah verabschiedete sich derweil zügig mit komplett zugeschwollenem linken Auge ins Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt.

"Ich war frei im Kopf, bissig und aggressiv"

'Bei mir ist ein Schalter umgelegt worden. Die Vorbereitung, der Kampf, alles hat riesigen Spaß gemacht. Ich war frei im Kopf, bissig und aggressiv", schwärmte Jürgen Brähmer nach seiner Gala-Vorstellung vor 3500 begeisterten Zuschauern in der Dresdner Eis-Arena.

"Jürgen hat heute einfach alles richtig gemacht. Er ist im Halbschwergewicht angekommen. Und er kann noch mehr. Das wird noch ein ganz Großer", kommentierte Klaus-Peter Kohl euphorisch.

Brähmers Promoter kündigte umgehend an, seinen Schützling "Ende des Jahres" erneut um einen WM-Titel kämpfen lassen zu wollen.

Franzose mit komplett zugeschwollenem Auge

Gegen den ausgebufften und schlagstarken französischen Meister Kanfouah bot Brähmer anders als beim im November kläglich verlorenen WM-Duell mit dem Argentinier Hugo Hernan Garay kaum Trefferfläche, stand stabil in der Deckung und stieß mit blitzschnellen Händen immer wieder in die Lücken, die Kanfouah bot.

In Runde fünf landete ein krachender rechter Haken Brähmers am linken Auge des Franzosen, dass blitzschnell zuschwoll. "Ich habe das gesehen und gleich wieder draufgehauen", schilderte Brähmer die Kampfentscheidung. "Wenn das Auge zu ist, sieht man eben schlecht."

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Ringrichter Richard James Davies (Großbritannien) sah das richtig, stoppte das ungleich gewordene Gefecht und gab so Kanfouah vor dessen Abgang ins Krankenhaus noch die Chance, mit kühlendem Eisem auf der golfballgroßen Augenschwellung zu erklären: "Gegen den hätte ich noch 20 oder 30 Runden boxen können."

Rückkampf gegen Garay möglich

Damit behielt auch Brähmers Trainer Michael Timm recht, der vor dem 26. vorzeitigen Sieg seines Schützlinges im 34. Profikampf gemeint hatte. "Im Halbschwergewicht darf sich Jürgen nicht mehr nur auf seine Schlagkraft verlassen. Da fallen die Bäume nicht einfach um, wenn er haut."

Nach dem furiosen Auftritt in Dresden scheint für den erst im Vorjahr ins Halbschwergewicht aufgestiegenen Brähmer der Weg zu einem WM-Rematch mit Stallgefährte Garay frei. "Ich will die Scharte ausmerzen. Ist doch klar", meinte er.

Kohl schloss aber auch ein Gefecht mit WBO-Weltmeister Zsolt Erdei (Ungarn) nicht aus. Zunächst aber soll Brähmer im Sommer seinen EM-Titel freiwillig verteidigen. "Gleich am Dienstag fange ich wieder mit dem Training an. Sonst schlafe ich ein. Ich bin heiß auf Boxen."

Ulrich vor Karriereende

Am Ende mit Boxen ist dagegen Thomas Ulrich. Der einst als große deutsche Halbschwergewichts-Hoffnung gefeierte 33 Jahre alte Berliner ging bei seinem Comeback-Versuch ein Jahr nach verlorenem EM-Titel in der 11. Runde gegen den allenfalls mittelmäßigen Argentinier Mariano Nicolas Plotinsky schwer K.o..

"Es ist aus und vorbei. Das ist nur noch gefährlich", meinte Ulrichs Trainer und Ex-Weltmeister Ralf Rocchigiani, der in der kommenden Woche gemeinsam mit Ulrich dessen Zukunft besprechen will.

Junior-Bantamgewichtlerin Alesia Graf (Stuttgart) verteidigte in Dresden ihre WM-Titel der Verbände WIBF und GBU zum vierten Mal erfolgreich und setzte sich nach zehn Runden einstimmig nach Punkten (98:92, 98:92, 96:94) gegen Herausforderin Magdalena Dahlen (Solingen) durch.

Die Ranglisten der wichtigsten Verbände

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