Sporthilfe

Sporthilfe-Chefin Linsenhoff unter Druck

SID
Sonntag, 14.09.2008 | 16:39 Uhr
Sporthilfe, Ann-Kathrin Linsenhoff
© dpa
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Nach nur neuneinhalb Monaten im Amt scheint Sporthilfe-Chefin Ann Kathrin Linsenhoff vor dem Aus zu stehen. Ihr Verhältnis zum Aufsichtsrat ist momentan derart zerrüttet, dass sie sogar zu einem Rücktritt gedrängt werden könnte.

Nach einer Sitzung des Aufsichtsrates wurden ihr bei einem Krisentreffen in Frankfurt offen die Kritik und Position des übergeordneten Gremiums mitgeteilt. Vorgeworfen werden ihr vor allem fehlende Teamfähigkeit und ein Interessenkonflikt wegen ihrer Zusatztätigkeit als stellvertretende Vorsitzende des Kinderhilfswerks UNICEF.

"Ich bin mir der Ernsthaftigkeit der Lage bewusst, aber ich denke absolut nicht an Rücktritt", sagte Linsenhoff, "ich bin Sportlerin und werde kämpfen. Ich hatte Gelegenheit, mich zu den Vorwürfen zu äußern, und jetzt muss man weitersehen."

Ilgner in Warteposition

Tatsächlich macht sich der Aufsichtsrat bereits Gedanken über eine Übergangsregelung. Geschäftsführer Michael Ilgner soll vorgesehen sein, die tägliche Arbeit zu übernehmen, bis eine permanente Lösung gefunden ist.

"Frau Linsenhoff ist eindrucksvoll mit den Vorwürfen umgegangen", erklärte Ex-Wella-Boss Peter Zühlsdorff, der sich als Krisenmanager während der Olympia-Bewerbung Leipzigs profiliert und ihr als Mittler die unangenehme Botschaft überbracht hat.

Das Führungsvakuum ist in finanziell schwierigen Zeiten der Sporthilfe besonders prekär. In diesem Jahr wurde die Einrichtung von der Bundesregierung bereits mit einem Zuschuss von einer Million Euro unterstützt. Das Sozialwerk des deutschen Sports will zudem sein Förderkonzept ändern, das im November verabschiedet werden soll.

Angst vor Imageschaden groß

Durch dauerhafte Negativstimmung könnte erheblicher Imageschaden entstehen. Ein Scheitern von Linsenhoff wäre nach dem Rücktritt des ehemaligen Sporthilfe-Vorsitzenden Hans-Ludwig Grüschow Ende Juli 2005 nach der Schmiergeldaffäre um den ehemaligen MDR-Sportchef Wilfried Mohren bereits der zweite herbe Rückschlag innerhalb von nur drei Jahren.

Große Unterstützung im Aufsichtsrat hat Linsenhoff gegenwärtig nicht. Vor allem "die Kommunikationsdefizite" (Zühlsdorff) mit ihrem Vorgänger und Förderer Hans Wilhelm Gäb belasten die Stiftung erheblich und haben in den vergangenen Monaten zu einer Sprachlosigkeit der Institution geführt.

"Das ist ein Thema, mit dem sich der Aufsichtsrat beschäftigt hat, und wir suchen nach Wegen, der Sporthilfe wieder die Sprachfähigkeit zurückzugeben", meinte Aufsichtsratschef Gäb, der in seinen 29 Monaten an der Spitze als Reformator und Stabilisator der Stiftung gewirkt hat.

Linsenhoff ist gesprächsbereit

"Ich hätte mir von Ann Kathrin Linsenhoff mehr Teamwork gewünscht", sagte Gäb, der sich monatelang für die Dressurreiterin als seine Nachfolgerin eingesetzt hatte. Konfrontiert mit der Unzufriedenheit des Aufsichtsrats zeigte sich die Mannschafts- Olympiasiegerin von 1988 gesprächsbereit und offen.

"Ich bin lernfähig. Kein Mensch ist unfehlbar", betonte die 48-Jährige, aber einige Vorwürfe hätten sie schon überrascht. Vor allem den Aufschrei, ihr Engagement für die UNICEF sei mit der Arbeit für die Sporthilfe nicht vereinbar, könne sie nicht nachvollziehen.

"Seit 2002 habe ich eine eigene Stiftung unter dem Dach der UNICEF. Das war bekannt", meinte die Tierärztin. Im April 2008 war sie zur stellvertretenden UNICEF-Vorsitzenden gewählt worden.

Kerner sorgt für Unruhe

Die Personalie Johannes B. Kerner sorgt für zusätzliche Brisanz. Der TV-Moderator, seit drei Jahren im Stiftungsrat, ist als künftiger Vize-Präsident der Sporthilfe vorgesehen. Die Art und Weise, wie dies entschieden wurde, sei allerdings "nicht sauber" gewesen, offenbarte Linsenhoff, die in der 31-jährigen Geschichte der Sporthilfe die sechste Vorsitzende nach Gäb, Grüschow, Erich Schumann, Willi Daume und Josef Neckermann ist.

"Kerner wäre bereit, operativ in der Stiftung zu arbeiten, und Frau Linsenhoff hat ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben und erklärt, Herr Kerner sei eine große Bereicherung", meinte dagegen Gäb.

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