Dienstag, 16.09.2008

Radsport

Kupfernagel doch im WM-Zeitfahren dabei

Weltmeisterin Hanka Kupfernagel rudert zurück, hat aber eine Woche vor der Rad-WM in Varese trotzdem die Wellen im deutschen Lager hochschlagen lassen.

Radsport, Hanka Kupfernagel
© Getty

Die Titelverteidigerin im Zeitfahren fährt nun doch zur Rad-Weltmeisterschaft nach Italien, nachdem sie am Vortag noch mit einer Absage geliebäugelt hatte. Aus Verärgerung über ihre Nicht-Nominierung für das WM-Straßenrennen am 27. September hatte die olympische Silbermedaillen-Gewinnerin von Sydney 2000 mit Start-Verzicht gedroht.

Am Dienstag lenkte sie aber - auch mit Blick auf ihre Sponsoren - ein. "Sie hat als Weltmeisterin ein persönliches Startrecht. Wenn sie es nicht in Anspruch nimmt, wäre das schade", sagte Verbands-Sportdirektor Burckhard Bremer.

"Unsportlichkeit höchsten Grades"

"Die Entscheidung des Verbandes ist absolut daneben. Wir müssen die Unsportlichkeit höchsten Grades aber hinnehmen. Hanka bereitet sich aufs Zeitfahren vor", sagte ihr Trainer und Lebenspartner Mike Kluge, der damit den Kampf gegen die Verbands-Entscheidung vorerst abblies.

"Unter Berücksichtigung der letzten Ergebnisse" hätte Bundestrainer Jochen Dornbusch das Frauen-WM-Team "so ausgerichtet, dass es Erfolg in Varese hat", nannte Bremer die Gründe für die WM-Aufstellung.

Streitereien unter den Rad-Damen

Hintergrund der Querelen sind lange währende Auseinandersetzungen im Lager der deutschen Rad-Amazonen. Die auch persönlich eng verbundenen Judith Arndt und Trainer-Assistentin Petra Roßner sowie weitere Fahrerinnen stehen dem Tandem Kupfernagel/Kluge unversöhnlich gegenüber.

Der vierfachen Cross-Weltmeisterin aus Gera, die mit Kluge in Denzlingen im Schwarzwald lebt, wird mangelnder Einsatz für das Straßen-Team schon bei der WM in Stuttgart und zuletzt in Peking vorgeworfen. Kupfernagel weist die Vorwürfe aus verständlichen Gründen zurück und kritisierte ihrerseits Bundestrainer Dornbusch, der den Verband zum Saisonende verlässt.

Konflikte als Ursache für Peking-Misserfolg

Die Unruhe im Team war vielleicht mit ein Grund, warum in Peking der erwartete Medaillensegen für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) auf der Straße komplett ausblieb und für Frustrationen auf allen Seiten sorgte.

Auf die aktuellen WM-Chancen angesprochen, wirkte Ex-Profi Kluge eher zurückhaltend: "Als Titelverteidigerin tritt Hanka natürlich mit höchsten Ambitionen in Varese an, und der im Vergleich zu Peking flachere Kurs kommt ihr entgegen. Aber die Olympia-Belastungen und die Querelen der letzten Zeit sind als Faktor schwer einzuschätzen."

"Eine Medaille wird schwer"

"Ich traue ihr eine gute Platzierung zu. Eine Medaille zu holen, wird aber schwer", meinte Bremer, der am Wochenende nach Varese reist, wo der BDR die ernüchternde Olympia-Bilanz revidieren will.

Einmal Bronze durch Stefan Schumacher im Straßenrennen und das Kupfernagel-Gold im Zeitfahren nach vierjähriger WM-Abstinenz der Thüringerin war die WM-Ausbeute vor einem Jahr in Stuttgart.


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