Pferdesport

Ahlmann erhebt schwere Vorwürfe gegen FN

SID
Dienstag, 16.09.2008 | 14:44 Uhr
Pferdesport, Doping, Ahlmann
© dpa
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Der gesperrte Springreiter Christian Ahlmann und die Besitzerin seines Olympia-Pferdes Cöster haben schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) erhoben.

"Es gab vor den Olympischen Spielen einen positiven Vor-Test, darüber sind wir nicht informiert worden", sagte Ahlmann. Insgsamt gab es fünf positive Befunde bei den Untersuchungen im Vorfeld der Wettbewerbe in Hongkong.

"Ich war ziemlich überrascht davon. Ich habe das erst aus einer Fachzeitung erfahren", meinte Ahlmann, der derzeit vom Turniersport suspendiert ist, weil bei Cöster während der Olympischen Spiele in Hongkong die verbotene Substanz Capsaicin gefunden worden war. Pferde-Besitzerin Marion Jauss erwägt nach Angaben der "WAZ" rechtliche Schritte gegen die FN.

Tierarzt geht beim Vor-Test nicht von Doping aus

Der deutsche Mannschafts-Tierarzt Björn Nolting bestätigte die positive Probe bei einem Test vor den Spielen. Er sagte, dass es sich nicht um ein Dopingmittel, sondern um Rückstände einer medizinischen Behandlung des Pferdes gehandelt habe:

"Cöster ist nach Absprache mit Christian und seinem Tierarzt behandelt worden. Es war klar, dass ein Rest der Substanz zu finden war." Es habe sich nicht um Capsaicin gehandelt.

Positive Tests bei mehreren Pferden

Aber nicht nur bei Cöster gab es bei den Untersuchungen während der Quarantäne in Warendorf einen positiven Befund, sondern auch bei Shutterfly von Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) sowie bei Lord Luis, dem Pferd des zweiten Ersatzmannes Alois Pollmann-Schweckhorst.

Bei einem weiteren Vor-Test in Hongkong gab es außerdem positive Werte bei dem Vielseitigkeitspferd Mr. Medicott von Frank Ostholt (Warendorf) und dem Dressurpferd Bonaparte von Heike Kemmer (Winsen).

"Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass Pferde behandelt werden", sagte FN-Geschäftsführer Reinhard Wendt. Es seien bei den Vor-Tests genau jene Substanzen gefunden worden, mit denen die Pferde behandelt worden seien. Es habe sich in keinem der fünf Falle um Substanzen von der Dopingliste gehandelt, sondern um Medikamente, die grundsätzlich erlaubt, aber im Wettkampf verboten seien.

Diese Unterscheidung zwischen Doping und verbotener Medikation gibt es bei Menschen nicht, sondern nur im Pferdesport.

Fader Beigeschmack bleibt

Dennoch hinterlassen die vom Verband durchgeführten Vor-Tests und vor allem der Umgang damit einen mehr als faden Beigeschmack. Auf Fragen nach den Ergebnissen hatte Nolting während der Olympischen Spiele in Hongkong gesagt: "Es gab keine Beanstandungen." Wendt hatte erklärt, dass "es unbedenklich ist".

Ahlmann und Pferde-Besitzern Jauss sind äußerst verärgert über die Geheimniskrämerei. Ahlmann bestätigte, dass seine Mäzenin nun juristisch Schritte gegen die FN prüft. Zudem machte die Besitzerin dem Tierarzt und dem noch bis Ende Dezember amtierenden Bundestrainer Kurt Gravemeier Vorwürfe. "Die haben versagt", wird Jauss in der "WAZ" zitiert.

Ahlmann wurde nicht informiert

Nolting bestätigte, dass er Ahlmann über das Ergebnis nicht informiert habe. "Das habe ich immer so gehalten, dass ich das nur intern besprochen habe, unter anderem mit dem Bundestrainer", sagte der Mannschaftstierarzt und verwies auf seinen Vertrag mit dem Verband.

Welche Substanz bei Cösters Vor-Test gefunden wurde, dürfe er aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nicht verraten.

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