Reaktionen auf Armstrong-Comeback

"Das ist eine Sensation"

Von Torsten Adams
Dienstag, 09.09.2008 | 23:46 Uhr
radsport, armstrong
© Getty
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Es ist der Knüller schlechthin: Lance Armstrong, der siebenmalige Sieger der Tour de France, steigt wieder auf's Rad!

"Ich komme wieder", sagte der 2005 zurückgetretene Amerikaner in einem Interview der "Vanity Fair". "Ich werde versuchen, eine achte Tour de France zu gewinnen", erklärte der 36-Jährige auf der Internetseite des Magazins.

Armstrongs Sprecher Mark Higgins bezeichnete die Tour 2009 als "Ziel". Sein Anwalt Bill Stapleton sagte der Nachrichtenagentur "AP": "Wir werden nicht versuchen, Zweiter zu werden." Bei welchem Rennstall er sein Comeback feiern werde und welche anderen Rennen er bestreiten wolle, sei noch offen. 

Columbia-Sprinter Gerald Ciolek zeigte sich auf Nachfrage von SPOX überrascht von der plötzlichen Rückkehr Armstrongs: "Das ist natürlich eine Sensation. Und mit fünf Rundfahrten kommt er in etwa auf die Anzahl Renntage, die fast jeder andere Profi hat. Ich bin gespannt."

"Wenn er zurückkommt, dann richtig"

Ähnlich erstaunt reagierte Jens Voigt vom Team CSC-Saxo Bank: "Wenn er tatsächlich zurückkommt, dann richtig. Er wird ein ernstzunehmender Gegner auf einem sehr guten Niveau sein und nicht kommen, um Letzter zu werden. Halbe Sachen macht Lance nicht, dafür ist er ja bekannt."

Allerdings glaubt Voigt, dass es Armstrong nach drei Jahren Abstinenz vom Profi-Radsport schwer haben wird: "Zwar habe ich mitbekommen, dass er wohl einen Marathon gelaufen und ein paar Mountainbike-Rennen gefahren ist, aber das ist normalerweise kein Ersatz für eine mehrwöchige Rundfahrt."

Ullrich noch skeptisch

Und was meint Jan Ullrich zur Rückkehr seines ewigen Widersachers? "Ich glaube es erst, wenn Lance in Monaco am Start steht", sagt der Tour-Sieger von 1997 gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer kann dem sensationellen Comeback etwas Positives abgewinnen: "Für den Radsport ist es aus kommunikativer Sicht gut, denn durch Armstrong wird der Radsport wieder mehr Publicity bekommen", sagte der 54-Jährige im Gespräch mit SPOX.

Armstrongs alte Weggefährten

Bereits zuvor hatte das amerikanische Fachmagazin "VeloNews" angekündigt, der 36-Jährige könnte beim kasachischen Team Astana sein Comeback geben. Laut "VeloNews" will Armstrong bei fünf Rennen für die Equipe des Kreuzlingers Andreas Klöden an den Start gehen.

Personell würde die Konstellation Sinn ergeben: Mit Viatcheslav Ekimov ist Armstrongs langjähriger Freund und Teamkollege Sportlicher Leiter bei Astana. Unter Teamchef Johan Bruyneel hatte der Texaner bei US-Postal und später Discovery Channel seine größten Erfolge erzielt.

Angesprochen auf die mögliche Rückkehr des Tourminators sagte Bruyneel: "Wenn er es ernst meint, kann ich nur sagen: Ich habe ein Team und kann mir nur schwer vorstellen, Lance bei einem Rennen in einem CSC- oder Rabobank-Trikot zu sehen."

Und auch Astana-Sprecher Philippe Maertens bestätigt: "Wenn es eine Möglichkeit gäbe, ihn zu verpflichten, würden wir natürlich darüber nachdenken. Er wäre willkommen."

Blutwerte werden im Internet veröffentlicht

Ein Indiz für die Ernsthaftigkeit der Pläne des siebenfachen Tour-Rekordsiegers war die Anmeldung im Pool bei der US-Anti-Doping-Agentur - Voraussetzung für die Aufnahme des Rennbetriebes.

Armstrong sei in das Testprogramm für Kontrollen außerhalb des Wettkampfes aufgenommen worden, bestätigte Erin Hannan, eine Sprecherin der Anti-Doping-Agentur.

"VeloNews" meldete, dass er seine Blutwerte im Internet veröffentlichen werde, "um totale Transparenz zu gewährleisten und zu zeigen, dass er ein sauberer Athlet ist".

Rennen ab Februar möglich

Armstrong wurde während und nach seiner Karriere immer wieder mit Doping in Verbindung gebracht und führte deshalb zahlreiche Prozesse. Im August beendet er ein 160 Kilometer-Mountainbike-Rennen in den Rocky Mountains als Zweiter.

Davor tat sich Armstrong, dem Reporter der französischen Sportzeitung "L'Equipe" vor drei Jahren durch eine nachträglich vorgenommene Urin-Analyse aus dem Jahr 1999 EPO-Doping nachgewiesen hatten, zweimal beim New York Marathon hervor.

Durch seine Anmeldung im Anti-Doping-Pool könnte Armstrong, der 1996 an Hodenkrebs erkrankte und geheilt wurde, vom 1. Februar 2009 an internationale Rennen bestreiten.

Armstrong glücklich 

Die Tour of California, die laut "VeloNews" neben der Frankreich-Rundfahrt, Paris-Nizza, Dauphine Libere und der Georgia-Rundfahrt zu Armstrongs Programm 2009 gehören soll, beginnt im kommenden Jahr am 14. Februar.

"Nach Gesprächen mit meinen Kindern, meiner Familie und engen Freunden bin ich glücklich über die Ankündigung, dass ich in den Profiradsport zurückkehre, um auf die Last der Krebskrankheit aufmerksam zu machen", sagte Armstrong.

"Lance leidet"

"Wenn er zurückkommen will, hat er jedes Recht dazu", sagte Weltverbands-Präsident Pat McQuaid, der vermutet, dass Armstrong unter den Doping-Anschuldigungen der Vergangenheit, die "niemals bewiesen wurden", leidet.

Das neu installierte Anti-Doping-Programm mit der Einführung biologischer Pässe der Fahrer könnte Armstrong bei einer Rückkehr nach den Worten des Iren helfen, "zu beweisen, der Athlet zu sein, der er nach seinen Beteuerungen immer war".

Tour-Idol ist willkommen

Die Organisatoren der Tour de France würden Armstrong willkommen heißen. Allerdings räumten sie ein, dass sich das Tour-Idol dem selben Anti-Doping-Reglement wie alle anderen Fahrer unterwerfen müsse.

"Er wird behandelt wie jeder andere Profi auch. Und unsere Regeln sind strikter als je zuvor", sagte Tour-Direktor Christian Preudhomme. 

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