Leichtathletik

Schwarzkopf mit starkem Auftritt

SID
Sonntag, 22.06.2008 | 18:41 Uhr
Leichtathletik, Mehrkampf, ratingen
© DPA
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Ratingen - Die EM-Dritte Lilli Schwarzkopf hat den Zehnkämpfern bei der finalen Olympia-Qualifikation in Ratingen die Schau gestohlen.

Mit 6536 Punkten katapultierte sich die 24-jährige Paderbornerin in den Kreis der Siebenkampf-Medaillenkandidatinnen für Peking.

"Ich hoffe noch etwas drauflegen zu können", sagte sie. Komplettiert wird das Olympia-Trio von Jennifer Oeser (Leverkusen/6436) und Sonja Kesselschläger (Neubrandenburg/6311).

Abele dominiert Zehnkampf

In einem dramatischen Vierkampf setzten sich im Zehnkampf der Vorjahressieger Arthur Abele (Ulm/8372 Punkte), der WM-Fünfte Andre Niklaus (Berlin/8273) und Senkrechtstarter Michael Schrader (Uerdingen/Dormagen/8248) durch. Das Nachsehen hatte der Frankfurter Pascal Behrenbruch, der verletzt aufgeben musste und nur mit sechs Punkten weniger als Schrader hauchdünn die Peking-Spiele verpasste.

"Das war ganz großer Sport. Da hat man gesehen, was der Gedanke an Olympia für Kräfte freisetzen kann", bilanzierte Siebenkampf-Bundestrainer Klaus Baarck. In Peking setzt er vor allem auf Schwarzkopf. "Mit 6500 Punkten ist man eine Medaillenkandidatin", hofft er. Die letzte Olympia-Medaille im Siebenkampf holte 1992 in Barcelona die Wattenscheiderin Sabine Braun (Bronze).

Niklaus im Glück

Eine nervenaufreibenden Zitterpartie mit Happy End war die Peking-Ausscheidung für den Berliner Niklaus. Im Hürdensprint wäre der 25-Jährige um ein Haar an der drittletzten Hürde gestürzt, rettete sich aber gerade noch mit 14,60 Sekunden ins Ziel. Bei einem Sturz hätte er Olympia am TV-Bildschirm verfolgen müssen, da er bereits beim Meeting in Götzis ausgestiegen war.

"Ich habe die Hürde schon von unten gesehen und das Knie fast auf dem Boden", sagte Niklaus zu der heiklen Situation. "Ich weiß, dass ich etwas drauf habe und will es nun in Peking zeigen."

Behrenbruch im Pech

Tatenlos zusehen musste Behrenbruch, wie ihm der deutsche Junioren-Meister Michael Schrader das fast sicher geglaubte Olympia-Ticket noch mit einem großartigen 1500-Meter-Lauf aus der Tasche zog. Wegen einer Fußverletzung musste der EM-Fünfte nach dem Hochsprung aussteigen, hatte aber in Götzis 8242 Punkte vorgelegt.

"Es war eine totale Quälerei, aber es hat sich gelohnt", jubelte der 20-jährige Schrader. 4:20,30 Minuten hätte er über 1500 Meter laufen müssen - nach 4:19,32 Minuten kam Schrader ins Ziel. "Es ist ein überragendes Gefühl", freute sich auch der frühere Turner Abele.

Schwarzkopf klettert auf Rang vier

Für den Glanzpunkt des Mehrkampf-Showdowns sorgte Lilli Schwarzkopf, die mit ihrer Siegerleistung auf Platz vier in der Weltrangliste kletterte. Besonders stark trumpfte sie im Speerwurf auf: Mit 54,81 Meter übertraf sie ihre persönliche Bestleistung um 37 Zentimeter.

"Vor allem im Sprintbereich kann ich mich noch verbessern", meinte die glückliche Gewinnerin. Am meisten Manschetten hat sie vor dem schwülen Klima in Peking. "Bei der WM im vergangenen Jahr in Osaka hat es mich fast umgehauen", sagte Schwarzkopf, die in Japan dennoch den fünften Platz belegte.

Kesselschläger zum zweiten Mal dabei

Nicht richtig freuen konnte sich Sonja Kesselschläger. "Ich bin erleichtert und traurig zugleich", meinte die 30 Jahre alte Olympia-Sechste von 2004. Erst im 800-Meter-Lauf hatte sie ihre mit einem 18-Punkte-Vorsprung in das Rennen gegangenem Neubrandenburger Vereinskameradin Julia Mächtig noch abgehängt.

"Zum zweiten Mal ist mein Traum von Olympia in Erfüllung gegangen, doch diesmal ist es etwas zwiespältig", meinte Kesselschläger, die fast drei Sekunden schneller als ihre acht Jahre jüngere Rivalin ins Ziel kam.

Mehrkämpfer schlossen Erklärung ab

Die deutschen Mehrkämpfer wollen mit finanziellen Sanktionen den Anti-Doping-Kampf weiter forcieren. In einer "Ratinger Erklärung" schlossen alle teilnehmenden Athleten am Wochenende mit dem TV Ratingen, Veranstalter des traditionellen Mehrkampf-Meetings, eine Vereinbarung.

Danach müssen alle Prämien und sonstigen finanziellen Leistungen zurückerstattet werden, wenn ein Teilnehmer im laufenden Jahr des Dopings überführt wird. "Und das, um dem Strafcharakter der Maßnahmen zu entsprechen, in doppelter Höhe", heißt es in der Erklärung.

"Die Athleten an der Ehre zu packen, reicht nicht mehr aus, es muss ihnen auch ans Eingemachte gehen", sagte Zehnkampf-Team-Präsident Paul Meier. Der frühere WM-Dritte Meier hofft, dass die Ratinger Erklärung Schule macht und Vorbildcharakter für andere Meeting-Veranstalter hat.

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