Freitag, 20.06.2008

Nachwuchs-Förderer Niki Pilic im Gespräch

Akademie der Tenniskünste

München - So sieht sie also aus - die Akademie, an der die Tennis-Rohdiamanten zu Vollblutprofis geschliffen werden.

Tennis, Gulbis, Pilic
© Imago

Im Münchner Norden, genauer gesagt kurz vor Oberschleißheim, liegt die Niki-Pilic-Academy recht unscheinbar an einer Zubringerstraße zur Autobahn.

Hier hat Novak Djokovic also millionenfach die gelbe Filzkugel aufgetippt, Aufschläge geübt, mit seinen Mitstreitern aus aller Herren Länder Schabernack getrieben. Doch bei allem jugendlichen Übermut trainierte der mittlerweile Dritte der ATP-Weltrangliste stets mit demselben Ernst wie sein Lehrmeister.

Genau wie Ernests Gulbis (im Bild links), der als nächste Newcomer aus derselben Tennisschule bereits in den Startlöchern steht. Bei den French Open unterlag der gebürtige Lette seinem einstigen Trainingskollegen Djokovic zwar knapp, aber für Wimbledon wird er bereits als Geheimtipp gehandelt.

"Gulbis nicht 100 Prozent Profi"

"Die beiden Jungs waren eine große Herausforderung für mich. Aber gerade das macht es aus, solche Kerle in die richtige Bahn zu bringen", so Pilic im Gespräch mit SPOX.com über seine beiden grundverschiedenen Schützlinge, die derzeit die Szene aufmischen.

Djokovic - genannt Nole - erschien schon mit 13 Jahren vor jeder Trainings-Session vorbildlich zum 20-minütigen Warmup. Gulbis hat zwar mittlerweile auch der Ehrgeiz gepackt, aber manchmal sieht er das Profidasein nocht etwas "zu locker". Zum Leidwesen von Pilic.

"Ernests ist ein lieber Kerl, meine Vorstellung von einem Profi ist aber eine andere. Manchmal vergisst er einfach seine Schläger oder bemüht sich nicht um neue Saiten. Wenn er ein Profi wäre wie ich, wäre er ein Kandidat für die Top Ten", sagt Pilic.

Die lustige Seite des Trainings im Video

Djokovics ehrgeiziges Ziel

Pilic sitzt in seinem Büro hinter einem großen hölzernen Tisch. Das ganze Zimmer ist gespickt mit Trophäen und Auszeichnungen, hinter ihm prangen Bilder von ihm mit Koryphäen wie Björn Borg, Goran Ivanisevic oder Boris Becker an der Wand.

Schon während des Gesprächs wirft Pilic regelmäßig einen Blick auf die Uhr, ohne dabei unhöflich zu sein. Vielmehr hat er schon die nachmittägliche Trainingseinheit im Hinterkopf.
"Train with brain for fame and glory", ist die Devise der Akademie - eine Devise, die augenscheinlich vom Inhaber stammt.

Djokovic hat die Mentalität seines Mentors eins zu eins weiter transportiert. Mittlerweile schnuppert Nole daran, Roger Federer und Rafael Nadal zu beerben - sein erklärtes Ziel, auf das er verbissen hinarbeitet.

"Haas hat den Mund zu voll genommen"

Von diesen Sphären können deutsche Spieler derzeit nur träumen. "Vielleicht stimmt es schon ein bisschen, dass sich die Deutschen nicht quälen wollen. Tommy Haas war aber schon ein sehr guter Spieler", fasst Pilic die Situation der einstigen Tennis-Nation Deutschland zusammen.

Haas habe aber von Anfang an den Mund ein wenig zu voll genommen. "Vielleicht hat er sich aus dem Fenster gelehnt, um bessere Verträge zu bekommen. Als Haas 19 Jahre alt und 191. der Welt war, hat Nick Bollettieri mir einmal gesagt, dass Haas besser sei als Becker", so Pilic kopfschüttelnd.

Djokovic ist inzwischen 20, stand allerdings bereits im Halbfinale aller Grand-Slam-Turniere. Sein Anspruch ist die Nummer eins.

Ecclestone und Pilics Schützling

Einer, der auch dorthin will, ist eben dieser um ein Jahr jüngere Gulbis. Als Geheimfavorit für Wimbledon sieht Pilic ihn aber nicht.

"Ich erzähle ihnen mal was: 2000 kam Ivanisevic zu mir. Ich war damals 60 Jahre alt. Wir haben gespielt und er hat verloren. Dann habe ich ihn auf ein paar Challenger-Turniere geschickt. In Heilbronn stand er im Finale, das er gegen Michael Llodra verlor. Bei Wimbledon war die Quote für einen Sieg 1:104 - wer hätte da auf ihn wetten sollen?", so Pilic.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat es trotzdem gemacht - und gewonnen: "10.000 Pfund hat er auf Goran gesetzt. Aber ein Tipp in einem 128-er-Feld ist sehr vage. Gegen Federer zu setzen, wäre fahrlässig, aber diesmal ist meiner Meinung nach ein anderer Spieler dran. Neue Gesichter sind immer gut", so Pilic.

Garant für neue Gesichter

Für die neuen Gesichter im Tennis-Zirkus ist er in den vergangenen Jahren ein Garant. Wenn nicht Gulbis, dann vielleicht Noles kleinster Bruder Djordje, der auch in München trainiert.

"Er ist talentiert, aber er hat ein Problem mit dem Namen Djokovic. Er glaubt, dass alles von alleine kommt, der beste Schläger, die besten Schuhe", erklärt Pilic.

Vielleicht wird er sich aber auch den 12-Jährigen zurechtbiegen. Die Mittagspause ist vorüber. Pilic entschuldigt sich höflich und geht schnellen Schrittes in Richtung Court.

Richard Rother

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