Mittwoch, 14.05.2008

Leichtathletik

DLV prüft Dopingvorwürfe gegen Kollark

Hamburg - Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) will Doping-Vorwürfe gegen Erfolgstrainer Dieter Kollark vom SC Neubrandenburg prüfen. Dies kündigte DLV-Präsident Clemens Prokop an.

Nach einem Bericht von "NDR 1" "Radio MV" und NDR-"Nordmagazin" soll der 63-jährige Kollark in den 80er Jahren "offenbar auch in das DDR-Dopingsystem verstrickt" gewesen sein.

Entsprechende Hinweise sind nach Angaben des NDR in der Stasi-Akte des früheren Neubrandenburger Sportarztes Klaus Böhm gefunden worden.

DOSB entscheidet letztendlich

Laut Böhm-Bericht vom 3. Dezember 1980 soll Kollark Dopingmittel "entsprechend der Festlegung an die Athleten ausgegeben" haben.

Kollark wollte sich auf "dpa"-Anfrage nicht direkt dazu äußern, sagte aber: "Das sind alte Kamellen. Ich bin der einzige nicht-belastete Ost-Trainer, deshalb versucht man, an meinem Stuhl zu sägen."

Kollark trainiert unter anderen Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch; auch Kugelstoßerin Petra Lammert gilt als Olympia-Hoffnung für Peking. Als einer der erfolgreichsten deutschen Leichtathletik-Trainer ist Kollark auch für die Olympia-Mannschaft vorgesehen.

Über die Nominierungen für Peking entscheidet jedoch nicht der DLV, sondern letztendlich der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB).

"Das liegt 30 Jahre zurück"

Kollark, der mit seinem SCN-Team in dieser Woche noch zum Trainingslager in Albufeira/Portugal weilt, wurde von dem NDR-Bericht überrascht:

"Da bin ich erstaunt, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Das liegt 30 Jahre zurück." Er wolle gar nicht sagen, dass er "mit dem Dopingsystem in der DDR nichts zu tun gehabt habe".

Aber: "Alle meine Sportler sind von der Staatsanwaltschaft verhört worden, und keiner hat gesagt, dass sie Dopingmittel von mir bekommen haben." Nach Überzeugung von Kollark hat es "wohl keinen Leichtathletik-Spitzentrainer in Ost und West gegeben, der vor der Wende nicht mit Dopingmitteln in Berührung gekommen" ist.

Wir werden die Vorwürfe prüfen"

Bei seien Recherchen ist NDR 1 Radio MV auf den 28 Jahre alten Vermerk in der Stasi-Akte von Böhm gestoßen, der damals Leichtathletik-Sportarzt beim SC Neubrandenburg war.

"Die Präparate, in der Regel handelte es sich um das Anabolikum Oral-Turinabol, wurden vom entsprechenden Sportarzt an die Trainer ausgegeben, diese reichten die Mittel dann weiter an die Sportler", berichtete der Hörfunksender.

"Wir werden die Vorwürfe mit allem Nachdruck prüfen", sagte DLV-Chef und Jurist Prokop der dpa. Erst dann könne man den Sachverhalt bewerten "und erst danach entsprechende Entscheidungen treffen". Die Vorwürfe gegen Kollark werden indes keine juristischen Folgen haben, da die Fälle verjährt sind.


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