Samstag, 12.04.2008

Lektion gelernt:

Rogge nimmt Herausforderung an

Peking - Jacques Rogge hat die Lektion der chinesischen Gastgeber verstanden: Sich öffentlich nicht in interne, politische Angelegenheiten Chinas einmischen und sich auf seine Rolle als Oberhaupt der olympischen Familie konzentrieren.

Olympia, Rogge
© DPA

So hielt sich der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bei seiner Abschlussbilanz der turbulenten olympischen Woche in Peking mit politischen Äußerungen denn auch zurück. Auf die heikle Tibet-Frage angesprochen, sagte er: "Diese Linie dürfen wir nicht überschreiten."

Da war sein wichtigstes Statement der Woche allerdings längst um den Globus gegangen, als er am Tag zuvor die chinesischen Verantwortlichen vor der Weltpresse an ihre "moralischen Versprechen" in der Menschenrechts- und Tibet-Diskussion erinnert - und auch brüskiert hatte. Rogge hatte damit auch das IOC klar positioniert.

Ein guter Dialog mit guter Wirkung 

So durften sich am Ende beide Seiten als Sieger der verbalen Muskelspiele fühlen. Rogge, weil er das von der Öffentlichkeit geforderte Rückgrat gezeigt hatte, und die Chinesen, weil sie auf unmissverständliche Art und Weise klar gemacht haben, dass sie auf ihrem politischen Hoheitsgebiet keine Einflussnahme dulden.

Ein Dialog der etwas anderen Art. "Wir haben einen guten Dialog, aber wir wissen nicht, ob er auch gute Wirkung hat", gab IOC-Marketingchef Gerhard Heiberg zu.

Wenigstens die Aufregung um den Fackellauf scheint sich zumindest vorübergehend beruhigt zu haben. Nach dem grotesken Ablauf in San Francisco wurde das weltumspannende Spektakel bei der nächsten Station Buenos Aires nicht zuletzt dank mehr als 5000 Polizisten wie ein Volksfest gefeiert.

Weltöffentlichkeit will keinen Boykott 

Der Vize-Präsident des Pekinger Organisations-Komitees BOCOG, Liu Jingmin, dankte dem "ganz liebenswürdigen argentinischen Volk für die Gastfreundschaft".

Sicherheitsbedenken während der Spiele scheint Rogge ohnehin nicht zu haben. Selbst die aufsehenerregende Nachricht, China habe zwei Terrorgruppen zerschlagen, die Anschläge auf die Spiele und Entführungen von Athleten geplant haben, spielte der Ober-Olympier herunter.

"Wir haben viele Gespräche zum Thema Sicherheit. BOCOG und andere staatlichen Stellen haben uns versichert, dass für die Spiele die notwendigen und angemessenen Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden", erklärte der Belgier, der wieder neu gestärkt wirkt und noch einmal ausdrücklich betonte: "Die olympische Bewegung hat nein zu einem Boykott gesagt, und auch die Weltöffentlichkeit will keinen Boykott, weil sie weiß, die einzig Leidtragenden wären die Athleten."

Die Qualität der Spiele leidet nicht 

Die Meldungen, wichtige Politiker und andere wichtige Würdeträger bleiben aus Protest der Eröffnungsfeier fern, quittierte er sogar mit einem verschmitzten Lächeln.

"Wenn das wirklich passiert, und ich sage noch einmal - abwarten - dann wären die Athleten enttäuscht, weil ihr jeweiliges Staatsoberhaupt sie nicht anfeuern würde", meinte Rogge, "aber die Qualität der Spiele würden darunter nicht leiden, denn die Spiele drehen sich um Athleten."

Da war er noch einmal der souverän wirkende IOC-Chef, der knapp vier Monate vor der Eröffnungsfeier versucht - ganz asiatisch -, sein Gesicht nicht zu verlieren.


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