Internationale Presse zum Fackellauf

SID
Dienstag, 08.04.2008 | 10:01 Uhr
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Paris - Der von pro-tibetischen Demonstranten gestörte olympische Fackellauf in Paris ist von der französischen Presse als Fiasko gewertet worden. Viele Kommentatoren würdigten zwar das Ansinnen der Demonstranten, äußerten aber harte Kritik und Sorge um den Ruf des Sports.

Frankreich

L'Équipe: Paris verlöscht die Flamme. Vier Monate vor der Eröffnung der Spiele in Peking wurde die Passage der Flamme in Paris gestern zum Fiasko. Dabei ist wenig wahrscheinlich, dass die Bilder dieser Demonstrationen China zu verstehen gegeben haben, was zur Würde der Demokratien beiträgt: die Redefreiheit. (...) Wir fordern vom IOC für die Zukunft, dass es seine "Revolution" macht und die Kriterien der Auswahl der Gastländer in Einklang mit seiner Charta bringt. Und dass dabei nicht nur die wirtschaftliche, logistische und technische Kapazität berücksichtigt wird, sondern dass auch die Menschenrechte in der Nationalverfassung der Kandidatenstädte ausdrücklich erwähnt und von den Machthabern geachtet werden.

Le Parisien: Der Parcours der Flamme wurde zum Alptraum. Oft brutale Polizei, massenhaft protibetische Demonstranten, ratlose Sportler, überforderte Behörden: Die symbolische Staffel der Olympischen Spiele von Peking wurde in Paris zum totalen Fiasko.

Libération: Die Ohrfeige. Die Passage der olympischen Flamme in Paris wurde für die chinesischen Behörden und die französische Polizei zum Debakel. Das IOC hat sich von der öffentlichen Meinung abgeschnitten und den Militanten das Feld überlassen. Muss man daran erinnern, dass diese Neutralität mit gesenktem Haupt dem Geist der olympischen Charta widerspricht? Paris, das bei dieser Gelegenheit seinen Sinn für die Revolte wiedergefunden hat, erinnert daran, dass die Trickserei einer aktiven und gewieften Minderheit und die Scheinheiligkeit ihre Grenzen haben.

Les Dernières Nouvelles d'Alsace: Das ist ein totals Desaster. Eine symbolische, politische, sportliche, diplomatische und historische Niederlage. An diesem schwarzen Montag des Abenteuers Olympia hat die ganze Welt verloren! Die Legende, die Sportler, China, Frankreich, die Regierung, die Polizei, die Demonstranten und selbst die Tibeter. Der Parcours der Flamme wurde zum Kreuzweg für die Akteure und Zuschauer dieser Veranstaltung, die ein Fest sein sollte.

Le Figaro: Ein Fiasko. Von China aus gesehen haben gestern keine Menschenrechtler demonstriert, sondern gefährliche Wilde ohne Bildung und Moral. Feinde des Sports, des Friedens und der Brüderlichkeit. Bei ihrer Ankunft wird die Botschaft sich also in ihr Gegenteil verkehrt haben.

La Croix: Eine Flamme, Symbol des Friedens, wird wie ein Krimineller behandelt. Das olympische Fest hat noch gar nicht stattgefunden, da ist es schon gewesen. Die Bilder aus London am Sonntag und aus Paris gestern zeigen etwas Verdorbenes. Das IOC muss eine Antwort auf die (gute) Frage finden, die jetzt von den Olympia-Sportlern laut gestellt wird: Wie kann man es erreichen, seine Ohren nicht für die Stimmen der Tibeter zu verschließen, ohne ein Sportereignis zu gefährden, das gerade die Gelegenheit bieten kann, diesen Stimmen Gehör zu verschaffen.

Übriges Ausland

Der Standard (Wien): Als große Leistungsschau für den chinesischen Weg in die Moderne geplant, drohen die Olympischen Spiele nun zu einer Art PR-Super-GAU für die Volksrepublik zu werden. Die Demonstranten haben bis zum 6. August, dem Tag, an dem das olympische Feuer in Peking ankommen soll, noch einige Gelegenheiten, ihren Protest öffentlichkeitswirksam und global zu präsentieren. (...)

Auf gnadenlose Planung und eiserne Kontrolle ausgerichtet, scheint das chinesische Herrschaftssystem nicht einmal zu erfassen, was geschieht. Fast schon mechanisch verweisen chinesische Funktionäre auf die "Dalai Clique", die hinter dem weltweiten Protest stehen soll. Mit Bürgern oder Reportern (ohne Grenzen), die es gewohnt sind, ihre Meinung frei zu äußern, scheinheilige Veranstaltungen zu stören, und so die echte Fackel der Freiheit hochhalten, kommt Peking nicht zurande. Dass das nun so deutlich ans Licht tritt, ist schon jetzt das Beste an diesen Olympischen Spielen.

El País (Madrid): Die große Zahl der Demonstranten widerlegt die Argumentation Chinas, die Proteste seien von ein paar wenigen tibetanischen Separatisten gesteuert. Die Olympischen Spiele dürfen nicht allein ein Spiegel des modernen Chinas sein. Sie stellen auch eine Gelegenheit zu einer politischen Öffnung dar. Leider geht Peking in die entgegengesetzte Richtung.

Eine Schlüsselrolle spielen die USA. Washington hüllt sich in der Frage eines möglichen Olympia-Boykotts jedoch in Schweigen. Einer der Gründe ist, dass die USA in letzter Zeit in eine übermäßige finanzielle Abhängigkeit von China geraten sind. Für die Amerikaner haben wirtschaftliche Erwägungen nun Vorrang.

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