Dienstag, 25.03.2008

Turnen

Turnerinnen in chinesischer Medaillenschmiede

Peking - Während die Welt über Tibet diskutiert, leben Simone Kuhlmann und Emily Pachal in den Osterferien ihren olympischen Traum in Peking.

Die August-Spiele in der chinesischen Hauptstadt kommen für die beiden zwölfjährigen Turnerinnen noch zu früh, aber ein zehntägiger Trainingsaufenthalt in der Medaillenschmiede "Shichahai Sports School" soll ein Mosaiksteinchen auf dem Weg nach London 2012 sein.

"Das wäre großartig", sagt Kuhlmann etwas schüchtern am Rand der großen Turnhalle. Den einheimischen Trainer Zhao Gengbo haben die beiden jungen Kolleginnen von Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen bereits überzeugt: "Sie sind wirklich gut, sie haben ein gutes Niveau."

Kuhlmann, die der Junioren-Nationalmannschaft angehört, und Pachal trainieren zusammen mit Chinesen und anderen Ausländern in der großen Trainingshalle unweit der Vorbotenen Stadt und neben der Restaurant- und Barmeile Ho Hai.

Schweißgeruch in der Luft

Es riecht nicht nach Dim Sum oder Peking-Ente, sondern nach Schweiß. Es gibt auch kein Gekichere wie unter anderen Kindern, sondern konzentrierte Arbeit, wenn die beiden deutschen Mädchen und noch weitaus jüngere einheimische Turner und Turnerinnen sich an Stufenbarren, Ringen und Boden für den Medaillentraum schinden.

"Die Chinesen arbeiten unheimlich hart", befindet Kuhlmanns und Pachals Trainer Alexander Naum.

Die Reise nach Peking fünf Monate vor den Sommerspielen wurde für die Turnerinnen des Leistungszentrums Düsseldorf von der Stadt und einer deutsch-chinesischen Gesellschaft arrangiert.

"Mit offenen Armen" empfangen

Shichahai hat Weltmeister und Olympiasieger hervorgebracht, zuletzt die Mehrkampf-Mannschaftsweltmeisterin Zhang Nan. "Wir sind mit offenen Armen empfangen worden, die Chinesen sind unglaublich hilfsbereit", sagt Naum.

"Es wäre schön, wenn chinesische Athleten auch nach Deutschland kämen und solch ein Austausch jährlich stattfinden würde." Zhao, der sich mit Gesten mit den deutschen Turnerinnen verständigt, würde es sicherlich begrüßen: "Wir lernen auch von ihren Trainingsmethoden."

Kuhlmann und Pachal haben die große Trainingshalle mit der obligatorische chinesische Flagge auf der Stirnseite morgens für sich allein. Shichahai hat nicht nur strenge Aufnahme-Richtlinien, sondern Schule und Training sind klar getrennt.

Einheimische Athleten gehen morgens in die Schule, teils in der 1958 gegründeten Sportschule, teils extern. Das Training findet nachmittags statt, von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Ehrgeiziger Guicheng

"Das Erziehungskonzept hat bei uns einen sehr hohen Stellenwert", sagt Shichahai-Direktor Li Guicheng. Zhao ergänzt: "Es ist unser Ziel, die Spitze von China und der ganzen Welt zu sein."

Rund 650 Athleten ab einem Alter von acht Jahren werden von 200 Trainern und Offiziellen in Sportarten, neben Turnen unter anderem Volleyball, Tischtennis, Taekwondo und Boxen, betreut. Nach Ansicht Zhaos ist den Athleten die Schinderei recht: "Sie leben ihren Traum."

Aber die Reise in das Reich der Mitte bestand nicht nur aus Schweiß für Kuhlmann und Pachal. Sie waren an der Chinesischen Mauer, auch ein Zirkusbesuch war im "faszinierenden" Peking war fest eingeplant.

Die Turnerinnen werden zu Hause viel zu erzählen haben, auch wenn es eine kleine Beanstandung gab. "Die Geräte sind etwas klein für uns", meint Kuhlmann angesichts der jüngeren und kleineren Chinesen.


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