Mittwoch, 26.03.2008

Radsport

High Noon für den Bahn-Vierer

Manchester - High Noon für den deutschen Bahn-Vierer: Um 12.00 Uhr beginnt am 27. März für das deutsche Quartett um Olympiasieger Robert Bartko mit der Qualifikation in der 4000-m-Mannschaftsverfolgung das Rennen um Alles oder Nichts.

Erreicht der Vierer in Manchester nicht mindestens Platz vier und damit das kleine Finale der Weltmeisterschaft, wären das Olympia-Aus für das Flaggschiff und zugleich die größte Blamage für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) perfekt.

Erstmals seit 1952 wäre kein BDR-Vierer bei Olympischen Spielen. "Schon der neunte Platz 1996 war ein Skandal. Aber das wäre eine Katastrophe", sagte Vierer-Olympiasieger Jens Lehmann.

Vorzeichen stehen schlecht

Auf der schnellen Bahn in Manchester, auf der der Leipziger Lehmann 2000 Doppel-Weltmeister wurde, verhilft dem deutschen Vierer nur noch ein kleines Wunder nach Peking: Eine Medaille muss her und die Franzosen müssen sechs Plätze schlechter sein.

Die Vorzeichen stehen alles andere als günstig. Der letzte WM-Podiumsplatz liegt sechs Jahre zurück. Für Zeiten über 4:10 Minuten gab es zudem in den vergangenen acht Jahren nur einmal eine Medaille.

Selbst diese Zeit schaffte in dieser Weltcup-Saison kein deutsches Quartett, egal in welcher Besetzung. "Ein dritter Platz müsste rausspringen. Das wäre schon ein ganz schöner Coup", urteilte Lehmann.

Querelen in der Vergangenheit

1992 und 2000 raste der 40-Jährige jeweils zu Olympia-Gold in der Mannschaftsverfolgung, der Königsdisziplin im Rad-Oval. "Der Bahn- Vierer ist wie der Ruder-Achter", sagte der Leipziger. Lehmann war aber nicht nur an vielen Sternstunden des Vierers beteiligt, sondern auch am bislang schwärzesten Moment.

Er hatte sich ausgerechnet bei der Heim-WM 2003 in Stuttgart gemeinsam mit Daniel Becke, Sebastian Siedler und Christian Bach geweigert, wegen ihrer Meinung nach undurchsichtiger Nominierungskriterien zusammen mit Bartko (Potsdam) und dem Berliner Guido Fulst anzutreten.

In einem bislang einmaligen Vorgang hatte der BDR daraufhin seinen Vierer zurückgezogen.

Atmosphärische Störungen innerhalb des Teams

Für Lehmann ist die aktuelle Misere "eine Folge der Ignoranz, die 2003 aufgetreten ist". Viele Probleme in den vergangenen Jahren seien "vielleicht verniedlicht" worden.

Zudem gebe es wohl atmosphärische Störungen in der Bahn-Nationalmannschaft. Als Belege dafür führt er an, dass Olympiasieger Fulst Anfang März unerwartet seine Karriere aus beruflichen Gründen beendet und Leif Lampater (Schwaikheim) zugunsten von Sechstagerennen auf eine Olympia-Nominierung verzichtet hatte.

"So ein Fulst hört nicht einfach auf. Der ist ja auch ein Fuchs. Er hätte in Peking einen geschichtsträchtigen Auftritt haben können: Zum fünften Mal Olympia. Es gibt nicht viele, die das erleben", erklärte Lehmann.

Schlechte Zeiten

Völlig unklar aber ist ihm, weshalb der Vierer bei den vier Weltcups in Sydney, Peking, Los Angeles und Kopenhagen nur Zeiten von 4:11 Minuten und langsamer angeboten hat.

"Wir sind in Stuttgart 1991 schneller gefahren", sagte er verständnislos und erinnerte an den Weltrekord von 4:08,064 Minuten. Für Lehmann ist es keine Frage des gemeinsamen Übens: "Entweder ich kann schnell fahren oder ich kann es nicht. Da ist es egal, ob ich nun vier oder fünf Zentimeter Abstand zum Vordermann habe."


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