Mittwoch, 13.02.2008

Gebrselassie erwägt Olympia-Verzicht

Besorgte Stars meiden Peking

Peking - Sechs Monate vor den Olympischen Spielen strahlt die Sonne am blauen Himmel über Peking. Der Smog ist weg, die Luft ist klar - ideale Wettkampfbedingungen für Spitzenathleten. Doch zahlreiche Top-Athleten haben längst die Nase voll.

Olympia, Peking, Haile Gebrselassie
© DPA

Marathon-Olympiasieger Haile Gebrselassie erwägt aus Angst um seine Gesundheit sogar einen Olympia-Verzicht: "Ich will überleben und meine Gesundheit behalten", erklärte der Äthiopier. Würden die ernsthaften Umweltprobleme nicht beseitigt, sei es besser, nicht zu starten.

Tennis-Olympiasiegerin Justine Henin (Belgien) hatte vor fünf Monaten ihre Teilnahme am Pekinger Turnier abgesagt, weil die Luftverschmutzung ihre Asthma verschlimmern würde. 200 m-Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown (Jamaika) hat für ihre goldene Mission eine eigene Strategie: "Peking so lang wie möglich vermeiden und erst in letzter Sekunde anreisen."

Die britische Marathon-Weltmeisterin von 2005, Paula Radcliffe, testet im Training Atemschutzmasken, und selbst Chinas viermalige Tischtennis-Olympiasiegerin Deng Yaping, immerhin stellvertretende Direktorin für das Athletendorf, gab zu: "Es ist nicht einfach mit der Umwelt. Es ist ein dauerhaftes Problem."

Luft wie nach einem Chemieunfall 

Der Luftindex des Umweltamtes pendelte in der rasant wachsenden Olympia-Metropole in den vergangenen Tagen zwischen 37 und 64 Punkten. Noch zum Jahreswechsel waren mal wieder 500 Punkte erreicht worden. Bei dieser Spitzenmarke wird vorsichtshalber aufgehört zu messen und auch vor Aktivitäten im Freien gewarnt.

Alte, Kranke und Kinder sollen besser gar nicht vor die Tür gehen, da die Luft wie nach einem Chemieunfall riecht. "Wir haben ein paar Notfallpläne gesehen, und wir haben auch Angaben über die Luftqualität", sagte die Sprecherin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Giselle Davies, "aber wir bitten das Organisations-Komitee um zusätzliche Daten, um die Effektivität ihrer Pläne besser zu verstehen."

So gut wie seit vergangener Woche war die Luft selbst bei der olympischen Generalprobe im August nicht, als vier Tage lang 1,3 Millionen Autos oder rund ein Drittel aller Fahrzeuge von den Straßen verbannt worden waren.

Die Schadstoffe in der Luft waren damals gerade einmal um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen, lagen aber in der feuchten Schwüle des Olympia-Monats August immer noch um das Zwei- bis Dreifache über den jetzt seit dem Neujahrsfest gemessenen Werten.

Knochenjob für die IOC 

Die dreckige Luft in Chinas Hauptstadt "olympisch sauber" zu machen, bereitet Pekings Olympia-Planern die größten Kopfschmerzen. Schon in der Trainingsphase vor den Spielen sind drastische Fahrverbote geplant, aber inwieweit die Fabriken still gelegt werden, ist weiter eine offene Frage.

Viele verlangen Entschädigung für den Produktionsausfall. Keine leichte Aufgabe für den Spitzenpolitiker und Kronprinzen Xi Jinping, der nach Hongkonger Presseberichten jetzt die oberste Verantwortung für die Organisation der Spiele übernommen hat. Es ist ein erster, olympischer Test der Führungsqualitäten des 54-Jährigen, der 2012 möglicherweise das Ruder von Staats- und Parteichef Hu Jintao übernehmen soll.

Es wäre auch zu peinlich, wenn während der Spiele tatsächlich Ausdauersportarten wie Marathon oder Radrennen wegen schlechter Luft verschoben werden müssten, wie der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, aus Rücksicht auf die Gesundheit der Athleten angekündigt hatte.


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