Sportpolitik

Zehnkämpfer Schenk rüffelt Provokateur Franke

SID
Dienstag, 15.01.2008 | 12:22 Uhr
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Bad Boll - Professor Frankes kunterbunte Doping-Show läuft gerade mal fünf Minuten, da platzt Christian Schenk der Kragen. Wie zu seinen besten Zeiten als Aktiver geht der Zehnkampf-Olympiasieger von 1988 in die Luft, nichts hält den langen Rostocker mehr auf seinem Stuhl.

"Hören Sie doch mit dem Mist auf! Das kann doch keiner mehr hören! Sie waren doch nie Athlet", ruft der ehemalige Weltklasse-Sportler Deutschlands Doping-Bekämpfer Nr. 1 quer durch den Saal zu.

"Denken Sie doch mal nach, auch mal als Mensch, nicht nur als Zelle!" Starker Tobak für Zellforscher Werner Franke. Der Mann mit der markanten Hornbrille stutzt, schluckt, grinst - und macht weiter: "Sie kennen wohl meine Vita nicht?"

Frankes Feindbilder 

Die Situation entspannt sich wieder, der Vortrag des Heidelberger Professors bei der sportpolitischen Tagung im baden-württembergischen Bad Boll ist gerettet.

Doch Franke hat an diesem Tag nicht nur die ehemaligen Ost-Athleten im Fadenkreuz. Im Sekundentakt wirft er via Laptop immer neue Doping-Dokumente an die Leinwand und zeichnet so seine Feindbilder.

Die Athleten? Alle gedopt. Und die Medien? Alle lügen. Beweise? Alle da. "Es hilft nichts: Sie haben damals die Wahrheit nicht geschrieben, und Sie werden auch künftig die Wahrheit nicht schreiben", ruft der ehemalige Leichtathletik-Trainer in die Journalistenrunde.

"Fett wie Sau"

Der gebürtige Ostwestfale provoziert liebend gern. Franke, der während seines Studiums auch Texte für bekannte Kabarett-Ensembles wie das Düsseldorfer "Kom(m)ödchen" und das "Bügelbrett" schrieb, scheut auch derbes Vokabular nicht. "Fett wie Sau" meint da eben "maximal gedopt".

"Sie wissen alles, und Sie können alles nachlesen. Wenn Sie das ab heute nicht alles so schreiben, dann lügen Sie ab heute." Auch mit seiner Hassliebe zu den Medien ist Franke konsequent: Er triezt sie gern, aber er liest sich auch gern.

Als brutalst möglicher Aufklärer sieht sich der Mann. "Als Aufklärer für die Öffentlichkeit, aber wissenschaftlich als Feind der Missbraucher", erklärt der anerkannte Molekularbiologe.

Wortgefecht mit Schenk 

Franke provoziert "mit voller Absicht. Nur das Provozierende bringt uns in solchen weltanschaulichen Diskussionen weiter", meint der 67-Jährige. "Das ist der einzige Weg - alles andere versandet."

Das Wortgefecht mit Schenk ist vergeben und vergessen. "Das hatten wir nicht zum ersten Mal", versichert Franke. Neu für ihn ist die junge Frau in Reihe 1: Meike Evers.

Auch die zweimalige Ruder-Olympiasiegerin hält es kaum noch auf dem Stuhl. "Herr Franke, von ihren provokanten Thesen halte ich nichts. Ich habe zwei olympische Goldmedaillen, und ich habe nie gedopt und nie etwas genommen."

"Er pauschalisiert" 

Wäre ja auch noch schöner: Die Frau ist Polizeikommissarin im schleswig-holsteinischen Ratzeburg und zugleich Anti-Doping-Vertrauensfrau des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

"Franke hat durchaus gute Argumente, aber durch sein fanatisches Auftreten und die Tatsache, dass er pauschalisiert", sagt Evers, brüskiere er alle sauberen Athleten.

Auch Schenk hat sein Problem mit "Sherlock Holmes" und "Staatsanwalt" Franke: "Das positive Bild des Wissenschaftlers wird immer wieder getrübt durch Pauschalisierung." Und: "Glauben Sie, die jungen Athleten, die jetzt nach Peking gehen, wollen für einen fünften Platz die Ächtung durch die Gesellschaft riskieren?"

Doch solche Anwürfe prallen an Dickhäuter Franke ab: "Ich bin von Haus aus Ostwestfale, und wir haben schon im Jahr 9 nach Christus die Römer nicht durchgelassen."

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